Politik | Inland 17.02.2018

Vize-Kanzler bei Olympia: Straches heile Welt im fernen Osten

Strache posiert im „Österreich-Haus“ mit Olympiasieger Mayer © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Tausende Kilometer entfernt sollen Jubel-Bilder die Widrigkeiten des Regierungsalltags vergessen machen.

Das Bier fließt in Strömen, es wird gesungen, geschunkelt und eifrig mitgeklatscht. Überall im viel zu eng und zu heiß gewordenen Raum werden Österreich-Fahnen aller Größen geschwenkt. Dutzende Feiernde in der offiziellen Olympia-Skijacke der Österreicher grölen Gassenhauer von Andreas Gabalier und den aus den Boxen dröhnenden Party-Klassiker "Oh, wie ist das schön" mit und schlagen mit einem sich den Weg durch die Menge bahnenden Olympiasieger ein.

Der umjubelte Spitzensportler, das ist der Kärntner Speed-Fahrer Matthias Mayer. Und der berühmteste Mitsingende und Einklatschende, Ski-Mode Tragende und Schunkelnde, das ist Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache. Erstmals vertritt der langjährige Oppositionspolterer Österreich im großen Stil auswärts. Und es ist ein echtes Heimspiel für den FPÖ-Chef, hier im 8400 Kilometer von Wien entfernten "Österreich-Haus" in PyeongChang.

Strache wird immer wieder vom Moderator auf die Bühne gebeten, trinkt im Blitzlichtgewitter Bier aus Maßkrügen mit Medaillengewinnern und nimmt vor allem eine Rolle ein: die des turbopatriotischen Skifans. Als er von der Bühne geht – zurück zu seinem häufigsten Gesprächspartner, dem ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel –, präsentiert ihm ein Mitarbeiter eben geknipste Handyfotos. Sie zeigen Strache und Mayer bei einer Sektdusche und beim Hochhalten der Flagge. Straches Reaktion: "Geil, oder?" Seinen Anzug habe der FPÖ-Chef gleich daheim gelassen, sagt er. Dafür ist Gattin Philippa (ebenfalls im Olympia-Outfit) mit von der blauen PyeongChanger Jubel-Partie.

"In den letzten Jahren", klagt Strache, "wurde der Sport von der Politik stiefmütterlich behandelt." Das wolle er nun ändern, er lasse gerade eine neue Sportstrategie ausarbeiten. Um den heimischen Wintersport zu bewerben, über internationale Anti-Doping-Agenden und die Stellung nationaler Sportverbände zu reden, wird der freiheitliche Vizekanzler vor Ort die Sportminister aus Estland, Bulgarien, Südkorea und China treffen.

Guter ORF, böser ORF

Politisch heikler soll es hier dann aber auch nicht mehr werden – die blauen Bauchflecke aus der fernen Heimat sind weder im rot-weiß-roten Fahnenmeer des Österreich-Hauses noch in den südkoreanischen Zielstadien ein Störfaktor, der nachhaltig vom Jubeln abhält.

Also kann man ruhig auch mit dem ORF, den Strache erst kurz vor seiner Abreise am politischen Aschermittwoch der FPÖ frontal attackiert hat ("Dem ORF glaub ich nicht einmal die Uhrzeit!"), gut Freund sein: Mit Radio-Reportern werden nach einem kurzen Interview Handyfotos geschossen, ein prominenter Moderator posiert Arm in Arm für ein Gruppenbild mit dem Freiheitlichen-Chef. "Grundsätzlich schätze ich den ORF ja", erklärt der Vizekanzler. Ein Strache-Mitarbeiter konkretisiert schmunzelnd: "Najo, die Sportler vom ORF halt".

Kritik an VdB-Kritik

Ganz ohne politische Unannehmlichkeiten geht’s dann doch nicht: Vor dem Super-G der Damen trudelt auch in Südkorea die Nachricht aus Wien ein, dass Bundespräsident Alexander Van der Bellen den FPÖ-Chef öffentlich für dessen derbe ORF-Angriffe kritisiert, ihm ein "Infragestellen der Pressefreiheit" vorwirft. Zum KURIER sagt Strache dazu: "Ich nehme grundsätzlich jede Kritik zur Kenntnis. Aber der Herr Bundespräsident hat bei seiner Wortmeldung wohl auf den Ursprung meiner Kritik, den manipulativen Beitrag des ORF Tirol, vergessen. Das habe ich leider vermisst."

Wenig später soll die Welt aber schon wieder heil und frei von Querelen sein, denn via Bus wird Strache zum Skeleton-Bewerb der Damen gekarrt. "Da geht sich hoffentlich auch was aus", baut der Vizekanzler auf die Zwischenstands-Zweite Janine Flock.

Allein, mehr als Blech wollte letztlich nicht herausschauen. Also hoffte man auf den Herren-Riesenslalom am Sonntag, bei dem Topfavorit Marcel Hirscher für neue Jubelbilder sorgen sollte.

( kurier.at ) Erstellt am 17.02.2018