Politik | Inland
06.05.2017

Visite im Hightech-Labor der Polizei

Der KURIER begleitete Wolfgang Sobotka beim Blick in die Zukunft der digitalen Verbrecherjagd.

Als er die Holo-Linse aufsetzt, kommt er aus dem Staunen nicht mehr raus. "Das ist unglaublich". ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka ist von der Polizeiarbeit 4.0 begeistert. Durch die Holo-Linse, eine Art virtuelle Brille, kann Sobotka einen virtuellen Rundgang um ein Polizeiauto der Zukunft machen. Im Silicon Valley designen Google und Facebook nicht nur unser soziales Leben neu, zahlreiche Start-up-Unternehmen arbeiten auch an der Verbrecherjagd der Zukunft. Auch die klassische Polizeiarbeit wird revolutioniert. "Bodycams, Tablets zur Identifizierung von Verdächtigen sind hier schon Realität. Das brauchen wir auch", so Sobotka.

Nach den Arbeitsgesprächen in Washington mit dem Justizministerium und dem Homeland Security Departement war der nächste Stopp von ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka Kalifornien: "Im Silicon Valley gehen Homeland Security und das US-Verteidigungsministerium einen neuen Weg, der für Österreich wünschenswert wäre". Die US-Ministerien finanzieren Start-up-Unternehmen, die spezielle Drohnen und Kommunikationsmitteln der anderen Art entwickeln. Pro Projekt stellt Homeland Security bis zu 800.000 Dollar innerhalb von 24 Monaten zur Verfügung. "In Österreich dauert die Entscheidung für eine Beschaffung von Ausrüstungen bis zu 18 Monaten. Da wird aber nichts entwickelt", klagt der ÖVP-Minister.

Was hier in 24 Monaten im Hightech-Labor für die Polizeiarbeit der Zukunft entsteht, erinnert an einen Science-Fiction-Film. Da gibt es eine höchst innovative Geruchs-Technologie, die bei der Drogenfahndung oder Bombenalarm den Einsatz von Spürhunden ersetzen soll. Das US-Verteidigungsministerium finanzierte Hightech-Wasserbojen, die mit Wärmebildkameras und Sensoren ausgestattet sind, um das Schlepper-Business und den Drogenschmuggel zu bekämpfen. "Auch für Frontex wäre der Einsatz von solchen Wasserbojen im Mittelmeer sicher hilfreich", so Sobotka.

Hören mit dem Gebiss

Für den Kampfeinsatz in Afghanistan wurde ein Hörgerät der besonderen Art entworfen. Denn die US-Marines sind mit dem Problem konfrontiert, dass bei einem Schusswechsel oft die Geräusche im Umfeld nicht wahrnehmen können, weil sie zur Kommunikation ein Hörgerät im Ohr haben. Der neue Zugang: Man hört nicht nur durch das Ohr, sondern durch Schwingungen im Gebiss. Künftig wird die Kommunikation der Marines über ein Hightech-Gerät übertragen, das optisch an den Mundschutz der Profi-Boxer erinnert und die gesprochenen Informationen in Vibrationen transformiert. "Damit ist das Ohr nicht blockiert und die Soldaten hören, was sich im Umfeld abspielt", erklärt der Vertreter des US-Verteidigungsministeriums.

Sobotka war vor allem von den neuesten Microsoft-Angeboten begeistert. Deren Software identifiziert nicht nur einen Cyber-Kriminellen, sondern zeigt diesen auch an: "Microsoft ist einer der wenigen digitalen Multis, der mit der Polizei zusammenarbeitet. Wir können uns nicht leisten, dass neben den realen Parallelwelten auch noch eine digitale entsteht. Deswegen ist wichtig, dass die Internet-Firmen mit den Strafbehörden kopieren". Microsoft schafft es auch bei Videoüberwachung via biometrischer Erkennungssoftware Verdächtige in Menschenansammlungen zu identifizieren.

Und last but not least: Der Trip ins Silicon Valley zeigt, dass im Technik-Paradies auch erfolgreiche Österreich-Exporte erfolgreich gedeihen. Allen voran Gerhard Eschelbeck, Sicherheitschef bei Google und Ex-SPÖ-Geschäftsführerin Laura Rudas. Der ehemalige Faymann-Schützling gelang der direkte Sprung von der Wiener Löwelstraße ins Silicon Valley. Beim privaten Datenverarbeiter Palantir, der für den militärischen Geheimdienst NSA arbeitet, hat es Rudas in die obere Managementebene geschafft. Für eine ehemalige Sozialdemokratin ein ungewöhnlicher Werdegang.