Politik | Inland
20.12.2012

Marek gegen "Gesudere in der Schulpolitik"

Die neue Bildungs- Sprecherin der ÖVP will mehr Geld für Schulen mit hohem Migrantenanteil.

In den Wahlkampf wird die ÖVP mit einer neuen Bildungssprecherin gehen: Christine Marek, 44, übernimmt den nicht immer dankbaren Job von Werner Amon, der außenpolitischer Sprecher wird.

Sie selbst wohne in Wien im 15. Bezirk, wo es einen besonders hohen Migrantenanteil auch an den Schulen gibt. „Diese Schulen brauchen dringend mehr Ressourcen und zusätzliche Unterstützung“, sagt die Bereichssprecherin. „Was sollen wir denn sonst machen? Die Kinder quer durch Wien zu karren, ist nicht realistisch. Wir sprechen hier ja auch von sechs- bis zehnjährigen Kindern.“ Schuld an der Misere wäre vielmehr eine verfehlte Wohnbau- und Integrationspolitik.

Sie will aber die Kinder noch früher fördern, schon Eltern von Vierjährigen sollten die Möglichkeit haben, ihre Kinder „bestmöglich“ in den Kindergärten zu fördern. „Auch das ist eine Frage der Ressourcen, das müssen wir mit den Ländern verhandeln.“ Aber: „Keine Kindergartenpflicht für die Vierjährigen.“ Vielmehr müsse man die laufenden Projekte abwarten und dann die richtigen Schlüsse ziehen.

Das Wort Pflicht mag sie auch in der Debatte um Ganztagsschulen – oder Betreuung gar nicht. „Ich wehre mich gegen jede Form einer Verpflichtung. Es muss aber dort ein Angebot geben, wo das gebraucht wird.“ Dafür habe sie sich immer stark gemacht, obwohl das Thema nicht immer „common sense“ in der Partei gewesen sei. „Als alleinerziehende Mutter war ich da nicht im Mainstream der ÖVP.“

Wie sieht sie ihre Aufgabe für den kommenden Wahlkampf ? Ein liberales Antlitz für eine Partei, die nicht gerade als fortschrittlich in Sachen Bildungspolitik gilt? „Mag sein“, sagt Marek. Aber es habe sich bereits sehr viel getan. „Da verwahre ich mich auch gegen das Gesudere, dass es hier seit Langem einen Stillstand gibt.“

Lehrerdienstrecht

In die Verhandlungen zum neuen Lehrerdienstrecht will sie sich nicht einmischen, weil das Sache der Sozialpartner sei. „Aber einfach nur zu sagen, die Lehrer müssen mehr arbeiten, das kann es auch nicht sein.“ Es gehe um ein Gesamtpackage. „Eine Veränderung wird man aber nicht bekommen, wenn man den Lehrern schon bei der Diskussion dauernd mit dem Stellwagen ins Gesicht fährt.“