Politik | Inland
03.12.2017

Verhandlungspause: Kurz bei Jauch zu Gast

Köln-Besuch: Der VP-Chef hatte heute einen Auftritt bei der RTL-Jahresrückblickshow.

Nur "bilaterale Gespräche" habe es am Wochenende zwischen ÖVP und FPÖ gegeben, so die Verhandler – VP-Chef Sebastian Kurz war am Sonntagabend jedenfalls nicht dabei: Er war Gast der RTL-Jahresrückblickshow "Menschen, Bilder, Emotionen", die in Köln von Günther Jauch moderiert und live übertragen wurde.

Die Themen: Die Flüchtlingskrise und Kurz’ Vorhaben als vermutlich nächster Bundeskanzler.

Als in Kürze wohl jüngster Staatschef der Welt angekündigt, wurde Kurz von Jauch gleich zu Beginn auf sein Alter angesprochen. Es habe in der ersten Zeit als Staatsekretär und Minister "dazu geführt, dass ich mich doppelt und dreifach beweisen musste." Jauch fragt, was bei einer Koalition mit der "Rechtsaußen FPÖ" zu erwarten sei. "Wenn ich eine Regierung anführe, dann wird diese proeuropäisch sein." Auch ein Thema: die Schließung der Balkanroute Thema. "Wir waren der Meinung, es hat so lange keine europäische Lösung gegeben. Irgendwer muss anfangen."

Weitere prominente Gäste bei Jauch: Walter Kohl, Sohn des verstorbenen Altkanzlers, und Boris Becker.

Fahrplan

Weiterverhandeln wird Kurz dann am Montag, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Weder ein „Doorstep“ vor noch eine Pressekonferenz nach der Verhandlungsrunde sind vorgesehen. Am Dienstag tagt die Gruppe erneut, dann ist auch wieder ein Auftritt vor Medienvertretern möglich. Wirklich Klarheit darüber dürfte aber erst am Montagabend herrschen. Wo und wann genau die Gespräche ab Montag abgehalten werden, ist geheim; zuletzt hatten sich die Verhandler im Palais Epstein getroffen.

Termin-Spekulationen

Wie es nach den geplanten Gesprächen in der kommenden Woche dann am verlängerten Wochenende weitergehen wird, ist nach derzeitigem Stand noch offen. Ursprünglich hatte es ja (kolportierte) Überlegungen gegeben, eventuell schon am Wochenende vom 8./9./10. Dezember einen Abschluss der Gespräche anzustreben. Zuletzt wurde aber der 20. Dezember als möglicher Angelobungstermin der neuen Regierung genannt. Dieser Termin „bietet sich an“, meinte etwa ÖVP-Verhandlerin und Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger am vergangenen Freitag zu derartigen Spekulationen.

Vor ÖVP und FPÖ liegen noch einige größere Brocken, die es zu besprechen gilt. Neben der unterschiedlichen Ansicht über das ab Mai in der Gastronomie geltende generelle Rauchverbot, das die FPÖ kippen will, gilt etwa auch die direkte Demokratie als weiterer Knackpunkt. Das FPÖ-Modell sieht (mit vier Prozent der Wahlberechtigten) eine niedrigere Hürde vor, ab der ein Volksbegehren verpflichtend in eine Volksabstimmung münden soll. Die ÖVP plädiert für ein zurückhaltenderes Modell und will eine verpflichtende Volksabstimmung erst ab zehn Prozent Unterstützung.

Kammern-Frage

Auch die von der FPÖ angestrebte Abschaffung der Kammern-Pflichtmitgliedschaft ist noch ungeklärt, hier ist die ÖVP mit Widerstand des ÖVP-Wirtschaftsbunds sowie der Wirtschaftskammer konfrontiert. Ebenfalls als schwierig gilt noch das Thema der Krankenkassen. Hier herrscht allerdings weniger zwischen den Parteien Dissens, vielmehr müssen ÖVP und FPÖ bei ihren Plänen einer Zusammenlegung der Kassen mit Widerstand aus den Ländern rechnen (mehr dazu hier).

Personelles wurde - offiziell - bisher noch überhaupt nicht diskutiert. Die Verteilung von Ministerien und deren Besetzung soll erst zum Schluss ausgehandelt werden. Nach derzeitigem Stand würde das bedeuten, dass sich ÖVP und FPÖ mit dieser Frage in der Woche vom 11. Dezember an intensiv auseinandersetzen werden. Freilich betont man in Verhandlerkreisen weiterhin, dass es auch möglich sein könnte, dass eine Einigung erst nach den Weihnachtsfeiertagen zustande kommen könnte.