Politik | Inland
10.11.2016

Nach Trump: Van der Bellen warnt vor "blauer Republik"

Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen sieht Parallelen zu Brexit und warnt vor einer Schockstarre: "Wir sind viele, wir sind die Mehrheit, wir müssen uns nur daran erinnern".

Nach der Wahl ist vor der Wahl. In weniger als einem Monat sind die Österreicher an der Reihe, ihren neuen Präsidenten zu wählen.

Die US-Wahl will Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen dabei als "Weckruf für Österreich" verstanden wissen. "Ich möchte nicht, dass Österreich das erste westeuropäische Land ist, in dem die Rechtspopulisten die Macht übernehmen", sagte Van der Bellen am Donnerstagvormittag bei einer eigens anberaumten Pressekonferenz. "Lassen sie den 4. Dezember der Flügelschlag sein, der Europa wieder Hoffnung gibt".

Viele Menschen würden sich nach der US-Wahl große Sorgen um die Zukunft Europas und der Welt machen. Ähnlich wie beim Brexit müsse man sich fragen, was hier passiert sei, sagte der Ex-Grünen-Chef und plädierte dafür, zwischen "nachvollziehbaren Sorgen der Menschen" und "geschürten Ängsten" zu unterscheiden.

Die US-Wahl solle jedenfalls nicht das Selbstverständnis gefährden, das Österreich groß gemacht habe. "Wir verteidigen hier die Zuversicht, den Mut, die Nächstenliebe, die Solidarität - das macht Österreich aus."

Warnung vor "blauer Republik"

Einmal mehr warnte Van der Bellen dabei auch vor der FPÖ. Sollte Norbert Hofer am 4. Dezember die Mehrheit erhalten, "dann kommt die blaue Republik", sagte Van der Bellen. Darüber habe die FPÖ-Führung nie einen Zweifel gelassen, erinnerte er an das Hofer-Zitat "Sie werden sich noch wundern, was alles geht."

"Ich bin mir sicher, dass die breite Mehrheit der Österreicher das nicht will", sagte Van der Bellen. Das habe das Ergebnis der Wahl im Mai schon gezeigt. "Wir sind viele, wir sind die Mehrheit, wir müssen uns nur daran erinnern".

Was die USA betrifft, so wisse man noch nicht, wohin der Weg führt. "Es bleibt abzuwarten, welche Veränderung Trump hier vornimmt", sagte Van der Bellen. Wie in Österreich, so sehe er auch den designierten Präsidenten des USA jetzt in der Verantwortung, das "Gemeinsame vor das Trennende zu stellen und einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen."

Ob er als Bundespräsident Freude mit dem neuen Präsidenten der USA haben würde? Hier beließ es Van der Bellen bei einer pragmatisch-kurzen Antwort und zitierte seinen deutschen Grünen-Kollegen Winfried Kretschmann: "Politik macht nicht Spaß, sondern Sinn."