Politik | Inland
16.02.2018

Unterstützung für KURIER-Appell: Lasst Medien ihren Job machen!

Politik, Wirtschaft, Medienprofis und Zivilgesellschaft unterstützen den Aufruf des KURIER.

Die Resonanz war enorm. Nachdem der KURIER im Donnerstag-Blatt eine Lanze für den freien Journalismus gebrochen und sich dagegen verwehrt hatte, dass Regierungsmitglieder öffentlich gegen einzelne Journalisten auftreten (Faksimile), meldeten sich Politiker, Wirtschaftstreibende und jede Menge KURIER-Leser, die der Redaktion gratulierten. Tenor: Kritik muss guter Journalismus aushalten; nicht aber Rufmord-Kampagnen.

"Einen Journalisten pauschal der Lüge zu bezichtigen ist für einen ernsthaften Politiker ein No-Go, das geht nicht. Schon gar nicht, wenn man der auf die Republik vereidigte Vizekanzler ist", sagt etwa SPÖ-Vize-Klubchef Thomas Drozda zum KURIER. "Ich bin grundsätzlich jemand, der als moderat gilt, und will nicht von Orbanisierung des politischen Diskurses sprechen. Aber in dem Fall sind prinzipielle Fragen berührt. Da geht es tatsächlich darum, dass das zivilisierte Miteinander gefährdet wird."

Am Pranger

Drozda legt Wert darauf, dass er inhaltlich mit der FPÖ zum Teil sogar eines Sinnes ist ("Ja, es gab Beiträge im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die handwerklich nicht gut gemacht waren"). Wie die FPÖ Journalisten aber an den Pranger stelle, sei indiskutabel. Drozda: "Journalismus kann und darf kritisiert werden. Aber man muss die Kritik dort deponieren, wo sie hingehört. Bei der Rundfunkbehörde, im ORF – aber nicht auf der Facebook-Seite, wo man Hunderttausende Follower gegen Einzelne aufbringt."

Das Argument, Strache habe die Kritik satirisch gemeint, lässt Drozda nicht gelten: "Strache ist kein Böhmermann. Satire ist ein Mittel, das Schwächere verwenden, um sich gegen Stärkere zu wehren. Der Vizekanzler der Republik, der im Palais Dietrichstein sitzt, sieht sich als schwach? Ernsthaft?"

Für Drozda ist Sebastian Kurz gefordert. "Der Kanzler sitzt im Kreisky-Zimmer, aber es ist unklar, was er dort tut. Zu sagen ,Wir sollten das ruhig diskutieren‘ ist zu wenig. Immerhin hat sein Koalitionspartner mit seinem Posting einen Journalisten zur Zielscheibe gemacht."

Ähnlich wie Drozda sehen auch Neos, AK, Gewerkschafter und auch Kommunikationsprofis wie Wolfgang Rosam den Konflikt zwischen der FPÖ und einzelnen Medien, allen voran dem ORF. Rosam zum KURIER: "Als zutiefst überzeugter Demokrat leide ich derzeit körperlich. Wir müssen raschest möglich zur Normalität zurückfinden. Es braucht die Koexistenz zwischen fairer, korrekter Berichterstattung und kritikfähiger Politik. Alles andere schadet der Demokratie und steht eigentlich nicht zur Debatte."

"Die Angriffe einer Regierungspartei auf den ORF und deren Duldung vonseiten des Kanzlers und des zuständigen Ministers sind inakzeptabel", sagt auch Neos-Chef Matthias Strolz. "Wir treten vehement gegen Einschüchterungsversuche auf."

Auch für AK-Präsident Rudolf Kaske steht fest: "Die Freiheit der Medien ist eines unserer wertvollsten Güter. Finger weg von der Pressefreiheit, lasst die Journalisten ihren Job machen!"