Albert Kern, Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

© KURIER/Gilbert Novy

Freiwillige Feuerwehr
11/28/2016

Albert Kern: Ein Präsidentenamt als Ehrensache

Österreich steht ohne Präsidenten da? Mitnichten! Albert Kern ist Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

von Karl Oberascher, Gilbert Novy

(Über 120.000 Präsidenten gibt es in Österreich. Einige von ihnen porträtieren wir in unserer neuen kurier.at-Serie "Unsere Präsidenten" - so lange, bis Österreich wieder einen Bundespräsidenten hat.)

Zur Feuerwehr ist er gekommen, wie man damals eben so zur Feuerwehr gekommen ist. "Mein Vater war schon dabei", sagt Albert Kern, "und dessen Vater auch."

15 Jahre alt war er damals, als er im südsteirischen Hainsdorf zum ersten Mal den silbernen Feuerwehrhelm aufsetzen durfte. Die Betonung liegt auf "dürfen". Albert Kern ist ein bescheidener Mensch. "Ich habe dort im Rahmen meiner Möglichkeiten mitgewirkt", sagt er nur. Heute, 44 Jahre später, ist der Bauernbub Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

Der Einsatz ist Ehrensache

Eine steile Karriere, möchte man ihm sagen, aber da winkt der 59-Jährige schnell ab. Geplant habe er das jedenfalls nie. Und Karriere wäre vielleicht auch das falsche Wort - jedenfalls wenn man es im monetären Sinn versteht. Albert Kern ist zwar Präsident von 340.000 Feuerwehrmännern und -frauen (die inzwischen sechs Prozent ausmachen), gleichzeitig geht er aber nach wie vor seinem Brotberuf als Landesbeamter in der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz nach – im Prinzip gilt für den Präsidenten das, was auch für die Mehrzahl der Feuerwehrler gilt: Der Einsatz ist Ehrensache.

Deshalb arbeitet der gelernte Mechaniker auch noch zu 50 Prozent bei der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz. "Das ist mein Anker." Mit den Funktionen in der FeuerwehrKern ist auch steirischer Landesfeuerwehrkommandant – wäre sonst auch die soziale Absicherung weg. "Das berufliche Umfeld muss eben auf das Ehrenamt abgestimmt werden“, sagt Kern. 40 Stunden freiwillige Arbeit, das geht nicht. "Da braucht es auch viel Verständnis der Familie", sagt der Vater zweier erwachsener Söhne fast nebenbei. "Auch keine Selbstverständlichkeit."

Aber so viel will der ruhige Steirer eigentlich gar nicht über sich selbst reden. Ihm geht es um die Sache. Um die Feuerwehr. Um seine Feuerwehr.

Einmal in der Woche schlüpft Kern in seine Uniform und fährt die zwei Stunden von seinem Heimatort Lebring mit dem Auto nach Wien – in ein Bürogebäude mitten in der Gewerbegebiet-Einöde des 22. Wiener Gemeindebezirks. Wäre der obligatorische St. Florian nicht an die Hauswand gemalt, nichts würde darauf hindeuten, dass hier das Feuerwehrwesen in Österreich koordiniert wird.

Ein durch und durch österreichischer Präsident

Kern fungiert als Schnittstelle zum Innenministerium, stimmt die Landesfeuerwehrkommandos aufeinander ab. Das Feuerwehrwesen ist Ländersache – und insofern ist das Amt des Bundesfeuerwehrpräsidenten ein durch und durch österreichisches. Ohne die Zusammenarbeit mit den Ländern geht nichts.

Keine einfache Aufgabe, sind die Unterschiede unter den Ländern - jedenfalls im Detail - doch zahlreich. Das fängt bei den Uniformen an und hört bei der Bezahlung der Landespräsidenten auf - von ehrenamtlich bis hauptberuflich reichen die Regelungen da. Auch in der Integration von Flüchtlingen – für Kern ein "wichtiges Thema" – herrschen unterschiedliche Voraussetzungen. In Kärnten werden "gute Sprachkenntnisse" vorausgesetzt, in Salzburg darf nur ein österreichischer Staatsbürger Ortsfeuerwehrkommandant werden.

Dazu kommen für Kern zahlreiche Aufgaben von der Ausbildung bis hin zum Katastrophenschutz. Ihm schwebt etwa ein Berufsbild Feuerwehrmann vor, bisher muss ein Berufsfeuerwehrler nämlich eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringen.

Wichtige Nachwuchsarbeit

Und auch um den Nachwuchs kümmert sich der Steirer. Besonders stolz ist er dabei auf die sogenannten Bundesfeuerwehrjugendleistungsbewerbe. Klingt kompliziert, ist aber ein voller Erfolg. Alle zwei Jahre kann sich hier der Feuerwehrnachwuchs messen.

Mehr als 25.000 Kinder und Jugendliche sind in der Feuerwehr organisiert. Die Nachwuchsarbeit fängt dabei schon ab acht Jahren an. "Um den Nachwuchs müssen wir uns keine Sorgen machen", meint Kern in kultiviertem Steirisch – auch wenn natürlich auch die Feuerwehr die geburtenschwachen Jahrgänge spüre. Im offiziellen Monatsmagazin des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbands der Feuerwehren finden sich daher neben Artikeln mit so klingenden Namen wie "Die Feuerwehr und der Wespeneinsatz" auch Anregungen, wie man Jugendliche über Facebook besser erreicht.

Festzelt, Grillhendl, Bier?

Und nicht zuletzt wären da auch die zahlreichen repräsentativen Aufgaben - kürzlich war Kern etwa beim 12. Bundesfeuerwehrleistungsbewerb in Kapfenberg, wie der Flickr-Account mit zahlreichen Bildern eines zufrieden lächelnden Präsidenten zeigt.

Doch als das Gespräch auf die berühmten Feuerwehrfeste am Land kommt, winkt Kern gleich ab. Natürlich gehöre das dazu. Natürlich würde das die Gemeinschaft stärken, und natürlich erfülle die Feuerwehr damit auch einen wichtigen Beitrag für das Ortsleben.

Aber das sei doch nicht das, was die Feuerwehr ausmache, insistiert Kern. "Wir sind der Katastrophenschützer Nummer eins in Österreich", darum geht's. "Für unsere Feuerwehren sind solche Feste einfach eine wichtige Einnahmequelle."

Zur Erklärung: Zwar gibt es im Einzelnen immer wieder unterschiedliche Regelungen, aber im Schnitt gilt für die 4.503 Freiwilligen Feuerwehren in Österreich die Drittelregelung. Ein Drittel des Budgets kommt vom Land, ein Drittel von den Gemeinden und für ein Drittel müssen die Feuerwehren selbst aufkommen.

"Kein Trachtenverein"

Feuerwehrfest und -Flohmarkt sind somit vor allem eines: Mittel zum Zweck. "Die Feuerwehr ist ja kein Trachtenverein", sagt Kern - freilich ohne die Leistung der Brauchtumsvereine schmälern zu wollen, wie er gleich anfügt. "Aber Ehrenamt ist eben nicht gleich Ehrenamt."

Für die Feuerwehr falle die eigentliche Arbeit nunmal erst nach den Festen an. Und diese Arbeit ist beachtlich: 1.86 Millionen Einsatzstunden verzeichnet die offizielle Statistik für 2015 - allesamt nicht vergütet, die sechs Berufs- und 314 Betriebsfeuerwehren ausgenommen.

Mit Ausnahme von Deutschland, wo das Feuerwehrwesen ähnlich organisiert ist, eine weltweit einzigartige Leistung. Deshalb plädiert Kern auch für ein Bonussystem für die Betriebe, die ihre Mitarbeiter für den Zeitraum eines Einsatzes freistellen.

Denn die Arbeit der 388.055 aktiven Feuerwehrleute ist zwar Ehrensache. Aber keine Selbstverständlichkeit.

Der Präsident des Bundesfeuerwehrverbundes ist dafür selbst das beste Beispiel.

Hinweis: Wie in der KURIER-Serie "Unsere Präsidenten" üblich, sollte an dieser Stelle eigentlich die Ansprache von Albert Kern an die österreichische Feuerwehr-Nation zu sehen sein. Leider ist das diesmal aufgrund eines technischen Gebrechens bei der Aufnahme nicht möglich. Wir bitten dies zu entschuldigen.