Politik | Inland
24.07.2017

Trotz Kritik halten Österreicher Kurz’ Asylplan für den besten

ÖVP-Chef sticht mit Ansagen zu Brenner und Mittelmeerroute sogar die FPÖ aus, wie eine aktuelle OGM-Umfrage zeigt.

Für seine Forderung, die Mittelmeerroute zu schließen und die Grenze am Brenner gleich mit, wurde ÖVP-Chef Sebastian Kurz in der vergangenen Woche scharf kritisiert – vor allem in Italien, wo man mit einem rekordverdächtigen Flüchtlingsstrom aus Afrika zu kämpfen hat.

Was aber wollen die Österreicher?

Eine OGM-Umfrage im Auftrag des KURIER zeigt: Die Pläne des jungen Außenministers zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms kommen beim überwiegenden Teil der Befragten gut an. 26 Prozent finden seine Ideen "sehr gut", 31 "eher gut".

Kurz schneidet damit besser ab als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Dessen Pläne, die Grenzen sofort dichtzumachen und keine Flüchtlinge mehr ins Land zu lassen, unterstützen nur 21 Prozent "sehr" und 32 Prozent "eher".

Kern "halbschwanger"

Weit abgeschlagen ist SPÖ-Chef Christian Kern. Ihm geben nur sechs Prozent einen "Einser". Interessant ist dabei das Detailergebnis: Während Kurz von den ÖVP-Wählern zu 50 Prozent und Strache von den FPÖ-Wählern sogar zu 61 Prozent die volle Zustimmung bekommt, liegt Kern bei seiner Stammklientel bei mageren 14 Prozent.

"Kurz hat das Thema stark besetzt, und die FPÖ macht das ohnehin seit 20 Jahren. Kern hat bisher aber keine klare, kantige Linie bei diesem bestimmenden Thema", erklärt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. Ein Beispiel: Der SPÖ-Kanzler bezeichnete die Pläne seines ÖVP-Kontrahenten als "Vollholler", schlug aber selbst Aufnahmelager außerhalb Europas vor. Das Problem des obersten Sozialdemokraten sei folgendes, analysiert Bachmayer: "Je deutlicher er sich äußern würde, desto mehr würden die internen Risse in der Partei sichtbar werden. Deshalb wirkt er etwas halbschwanger."

Der SPÖ-Chef hat noch einige Wochen Zeit, potenzielle Wähler in der "Frage Nummer 1" zu überzeugen, sagt der Meinungsforscher. Laut Umfrage wissen erst 45 Prozent schon jetzt, wo sie am 15. Oktober ihr Kreuzerl machen werden. 23 Prozent wissen es noch nicht, 27 sind "fast sicher". Am sichersten sind sich die FPÖ-Wähler.

Am stärksten in der Schwebe sind jene, die angaben, grundsätzlich Sympathien für die Grünen und für die Neos zu hegen. Bei der Öko-Partei sei jedenfalls noch viel Bewegung möglich, glaubt Bachmayer. "Während alle Parteien nach rechts rücken, wird links jede Menge Platz frei." Dass die Grünen bei der Wahl wieder zweistellig werden (2013: 12,4 Prozent), bezweifelt er aber stark: "Die Grünen eilen seit Jahren von Erfolg zu Erfolg, haben Sitze in sechs Landesregierungen erobert. Ihr Absturz und dass ihre typischen Wähler so verunsichert sind, ist schon bemerkenswert."

Skepsis bei Grün und Pink

Grün- und Neos-Wähler lassen sich auf rationaler Ebene gut erreichen. Das zeigt die OGM-Umfrage in Hinblick auf die Schließung der Mittelmeer-Route. Insgesamt halten das 51 Prozent für realistisch. Die meisten Skeptiker sind im grünen und pinken Lager – 63 bzw. 65 Prozent glauben nicht daran.

"Das liegt nicht nur an einer solidarischen Haltung, sondern auch daran, dass Wähler von Grün und Neos oft eine höhere Bildung haben und aktiver an der politischen Debatte teilnehmen. Sie wissen, dass eine Schließung gesetzlich nicht so einfach ist. Bei ÖVP und FPÖ ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens", erklärt Bachmayer.

Noch deutlicher wird es bei der Frage nach der Schließung der Brenner-Grenze: Insgesamt würden 72 Prozent diese Maßnahme für „richtig“ halten, nur jeder fünfte Befragte sagt, das wäre „übertrieben“. Auch hier kommt die Skepsis hauptsächlich von jenen Befragten, die zu den Grünen und den Neos tendieren.