Politik | Inland
31.03.2017

Thomas Stelzer: Krönung eines schwarzen Kronprinzen ohne Ecken und Kanten

Generationenwechsel: Heute wird Thomas Stelzer zum Chef der Landes-ÖVP gekürt. Wie tickt er privat und politisch?

Die oberösterreichische ÖVP lässt beim heutigen Landesparteitag ihre Heerscharen aufmarschieren. 1700 Bürgermeister und Funktionäre kommen ins Linzer Design Center, um dem abtretenden Landesparteichef Josef Pühringer zu huldigen und seinen Nachfolger Thomas Stelzer zu krönen. Auch die Bundespartei wohnt dem Hochamt bei: durch Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Außenminister Sebastian Kurz, Finanzminister Hans Jörg Schelling und Familienministerin Sophie Karmasin. Niederösterreich ist mit Landeshauptmann Erwin Pröll und seiner Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner vertreten. Bayern wird von der Landtagspräsidentin Barbara Stamm repräsentiert.

Stelzer wird die Schwerpunkte seiner Politik skizzieren. Er setzt auf die Modernisierung des Industriestandortes, speziell auf die Digitalisierung, auf den Ausbau von Bildung und Forschung, und er thematisiert den gesellschaftlichen Wandel. Er will Oberösterreich im europäischen Wettbewerb der Regionen von einem Platz im Mittelfeld auf die vorderen Ränge bringen. "Oberösterreich muss so attraktiv werden, dass es die jungen Menschen hierher zieht", sagt Stelzer im Gespräch mit dem KURIER, "gemäß dem Motto, willst du weiter kommen, musst du nach Oberösterreich kommen."

Macher ohne Fehler

Der 50-jährige Stelzer war schon seit einigen Jahren Kronprinz. Er hat es vermieden, mit Ecken und Kanten aufzufallen und hat so diese schwierigen Jahre hinter Josef Pühringer unbeschadet und ohne Fehler überstanden. Bis auf zwei Jahre als Assistent von Raiffeisen-Generaldirektor Ludwig Scharinger (1990–1992) hat er Karriere in der Partei gemacht. Als Landesobmann der Jungen ÖVP, als Linzer Gemeinderat, als stellvertretender Landesparteisekretär und als Landtagsabgeordneter und Klubobmann. Stelzer ist mit der Unternehmerin Bettina Stelzer-Wögerer verheiratet und Vater eines Buben und eines Mädchens. Er lebt in Wolfern bei Steyr. Während sich Pühringer über die 22 Jahre den Nimbus eines Landesvaters erworben hat, erweckt Stelzer eher den Eindruck eines Managers.

Zu einer der fünf stellvertretenden Parteivorsitzenden soll Christine Haberlander gewählt werden. Stelzer hat die 35-jährige Mitarbeiterin von Pühringer auserkoren, Landesrätin für Bildung, Gesundheit und für Frauenagenden zu werden. Sie war stellvertretende Lan-desobfrau der Jungen ÖVP und ist Gemeinderätin in Enns.

Landesparteifinanzreferent soll Wirtschaftslandesrat Michael Strugl werden, der neben Stelzer die zweite starke Persönlichkeit in der Volkspartei ist. Sein Regierungsamt wird zu einem umfassenden Standortressort aufgewertet.

Nicht mehr für den Parteivorstand kandidieren Bauernbundpräsident Jakob Auer und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. Beide lassen ihre Funktionen auslaufen.