Telekom: Halbe Million Euro für FC Kärnten?

Unter Vereinspräsident Jörg Haider soll der FC Kärnten eine halbe Million Euro von der Telekom erhalten haben.
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Unter Vereinspräsident Jörg Haider soll der FC Kärnten 500.000 Euro von der Telekom erhalten haben. Auch Kitzbühel wurde "gesponsert".

Täglich neue Enthüllungen in der Causa Telekom: Gabriela Moser, Telekom-Bereichssprecherin bei den Grünen, hat zwei neue Verdachtsfälle geäußert. So soll der Fußballclub FC Kärnten 500.000 Euro von der Telekom erhalten haben. Weiters soll der frühere Telekom-Chef Heinz Sundt die Kitzbühel-Szene stark "gesponsert" haben. Den ehemaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel forderte Moser angesichts immer neuer Korruptionsfälle zum Rücktritt auf: "Jeder Tag bringt etwas Neues im schwarz-blauen Politsumpf unter dem System Schüssel", empörte sich Moser bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Erneut forderte Moser die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Dieser könne auch gleichzeitig mit den Ermittlungen der Justiz arbeiten. Für Moser ist es "unverständlich, dass die ÖVP beim U-Ausschuss mauert und die SPÖ der ÖVP den Steigbügel hält". Die ÖVP sei eng mit dem Telekom-Skandal verflochten, es gebe auch Zahlungsflüsse in Richtung BZÖ, FPÖ und SPÖ.

Vom großzügigen Telekom-Sponsoring an den Kärntner Fußballclub, den sie als "Haiders Polit-Hobby" bezeichnete, habe sie durch ein Mail erfahren, berichtete Moser. So soll der damalige Bereichsleiter der Telekom in Kärnten das Geld in den Jahren 2005 und 2006 an den FC Kärnten gezahlt haben. "Hier wird zu prüfen sein, wie das Geld verwendet wurde", so Moser. Der damalige Vereinspräsident war Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider.

Zudem äußerte Moser den Verdacht, dass die Kitzbüheler-Szene vom ehemaligen Telekom-Chef Heinz Sundt "gesponsert" wurde. Nähere Angaben dazu machte die Grüne nicht.

"Schüssel schaut, Schüssel schweigt, Schüssel sitzt"

Die politische Verantwortung habe der frühere Bundeskanzler der schwarz-blauen bzw. schwarz-orangen Koalition zu tragen, so Moser: "Schüssel schaut, Schüssel schweigt, Schüssel sitzt". Eventuelle persönliche Bereicherung bzw. Beteiligung an Korruption will Moser dem Ex-Bundeskanzler aber nicht unterstellen. "Es geht um die politische Hygiene". Die Empörung über den Korruptionsskandal schlage nämlich in Demokratiemüdigkeit und Politikverdrossenheit um, warnt die Grüne.

Schüssel ist seit seinem Abgang aus der Regierung ÖVP-Abgeordneter im Nationalrat. Zum aktuellen Skandal hat er sich bisher nicht zu Wort gemeldet.

Telekom teilt Ex-Vorstand Fischer Kontonummer mit

Der ehemalige Telekom-Vorstand Rudolf Fischer hatte in einem News-Interview angekündigt, der Telekom gerne jene 500.000 Euro zurückzuzahlen, die auf seine Anweisung hin letztlich an den Banker Johann Wanovits von der Euro Invest als Entlohnung für die Kursmanipulation im Jahr 2004 flossen. "Ich bin bereit, der Telekom Austria jene 500.000 Euro, die meines Wissens nach an die Euro Invest geflossen sind, zu ersetzen. Ich habe der Telekom schon vor einigen Wochen dieses Angebot über deren Anwalt gemacht", so Fischer im Interview. Am Donnertag reagierte die Telekom: "Wir werden Herrn Fischer eine Kontonummer mitteilen. Das ist keine Einigung, wir verzichten damit auch nicht auf Ansprüche gegenüber Herrn Fischer", gab Elisabeth Mattes, Sprecherin der Telekom am Donnerstag bekannt.

Die Telekom unterstrich am Donnertag erneut, dass ein Verzicht auf Schadenersatzansprüche gegen frühere Vorstände innerhalb von fünf Jahren nach deren Ausscheiden schon nach dem Aktienrecht gar nicht möglich sei. Nach dieser Frist sei ein Verzicht nur mit Zustimmung der Hauptversammlung möglich. Bei Fischer wäre diese Frist 2013 abgelaufen, beim Ex-Manager Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hat, 2014.

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(apa / js) Erstellt am
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