Der Parteigründer und seine neue rechte Hand: Frank Stronach und Wolfgang Auer.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Partei-Umbau
02/06/2015

Steirischer Arzt wird Stronachs neuer Vize

Umgekrempelte Parteispitze: Mediziner Wolfgang Auer wird Parteivize - er trägt den Spitznamen "Basen-Auer". Waltraud Dietrich Klubobfrau.

Was ich angekündigt habe, vollziehe ich jetzt: Ich trete als Klubobfrau zurück“, sagte Kathrin Nachbaur zum Auftakt: Neben einem grimmig dreinblickenden Frank Stronach nahm die einstige rechte Hand des Parteigründers den Hut. Ihre Nachfolgerin als Klubobfrau im Team Stronach wurde kurz danach vorgestellt: Es ist, wie schon zuvor spekuliert wurde, Waltraud Dietrich. Den Posten als Frank Stronachs Vize übernimmt Wolfgang Auer, ein Arzt aus der Obersteiermark - eine bislang unbekannte Personalie.

Derzeit ist Dietrich geschäftsführende Klubobfrau; Nachbaur übergab ihr symbolisch ein Staffelholz. Als Parteiakademie-Chefin wurde Ulla Weigerstorfer vorgestellt. Nachbaur, die demnächst ein Kind bekommen wird, bleibt Abgeordnete im Parlament.

"Der Patient Team Stronach hat die Intensivstation verlassen"

Wolfgang Auer, Stronachs neue rechte Hand, hat sich als jemand vorgestellt, „den man in Österreich ja noch nicht kennt“. Das solle sich künftig ändern: Der Mediziner begründete seinen Gang in die Politik damit, dass er aus Überzeugung handle – und die Partei habe „eine Basis, und die ist Frank Stronach selbst“. Der Arzt ist wie Stronach Steirer und hat fünf Kinder - und er verfügt über ähnliche berufliche Rahmenbedingungen wie sein Mentor: "Ich bin Beamter, ich bin Freiberufler, ich habe mehrere Unternehmen", sagte der 52-Jährige über seine Tätigkeiten. Den Landtagswahlkampf in der Steiermark wird er als Spitzenkandidat führen.

"Der Patient Team Stronach hat die Intensivstation verlassen", sagte der Mediziner halbscherzend zum Abschluss.

Heilkunde mit "Basen-Auer"

In den sozialen Netzwerken wurde der neue Mann an der Seite Stronachs eher irritiert aufgenommen - einen Namen hat sich der Steirer nämlich weniger mit politischen initiativen denn mit Präparaten gegen Übersäuerung gemacht, was ihm den Spitznamen "Basen-Auer" eingebracht hat. In seinem Heimatort Neumarkt hat er seit 1992 eine Praxis; neben einer Ausbildung zum Psychotherapeuten beschäftigte sich Auer vor allem mit Naturheilkunde und absolvierte die Konzessionsprüfung für den Pharmagroßhandel.

Mehrere Präparate brachte Auer seither auf den Markt - darunter das "Basenpulver nach Dr. Auer" und eine "natürliche Hilfe zur Gewichtsreduktion". Nebenbei publizierte er zum Thema "Übersäuerung die stille Gefahr". Aber auch mit Sportmedizin hat er sich eingehend beschäftigt und ist selbst als Athlet aktiv gewesen: In den 1980er-Jahren war er steirischer Meister im Zehnkampf sowie im Hoch-und Weitsprung. Vor gut 20 Jahren durchquerte er Brasilien mit dem Mountainbike.

Versöhnlicher Abschied

All dies war bei der Pressekonferenz aber kein Thema - vielmehr ging es um die Differenzen zwischen Frank Stronach und Kathrin Naxchbaur. Sie blieb aber versöhnlich: „Ich freue mich, dass wir trotz der einen oder anderen unterschiedlichen Ansichtssache das Ziel verfolgen. Jetzt freue ich mich aber auf einen neuen Lebensabschnitt“, sagte sie auf die bevorstehende Geburt ihres ersten Kindes. Stronach selbst sprach weniger über sie als über seinen neuen Vize Wolfgang Auer: „Ich war die letzten zwei Jahre vielleicht ein bissl enttäuscht“, meinte er über die ersten Gehversuche in der Politik – er freue sich aber, dass es noch Leute wie Auer gebe, die sich „noch in die Politik trauen“. Er selbst will keine große Rolle mehr einnehmen: „Ich will noch leben, ich will noch Buckelpisten fahren mit jungen Leuten“, meinte er. Er wolle aber sein Wissen an andere weitergeben.

Landtagswahl-Frage noch offen

Die Entscheidungen dazu waren in einer geheimen Sitzung am Donnerstagnachmittag getroffen worden, am Abend war aus der Partei keine Stellungnahme über Fort- oder Ausgang des Treffens zu erhalten; heute wurde bekanntgegeben, dass die Personalentscheidungen allesamt einstimmig getroffen worden sind. Eine Entscheidung darüber, ob die Partei bei den anstehenden Landtagswahlen antreten wird, sei noch nicht getroffen worden.

Robert Lugar, der an der gestrigen Sitzung auch teilgenommen hatte und bei der Pressekonferenz in der zweiten Reihe Platz nahm, zeigte sich gegenüber der APA "nicht enttäuscht", dass er keine leitende Funktion übernimmt. Dies sei "kein Thema" gewesen.

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