Stronach holt sich Otto Konrad

New Austrian national soccer team goalkeeper coach
Foto: Reuters/HERWIG PRAMMER Otto Konrad, Torwarttrainer und Stronach-Experte.

Prominenter Neuzugang im Team: Der Ex-Torhüter soll sich beim Thema Gesundheit einbringen.

Ist das Team Stronach üblicherweise nicht so auskunftsfreudig, was seine Experten betrifft, hat die Partei nun doch einen prominenten Neuzugang vermeldet: Der ehemalige Nationalteam- und Salzburg-Torhüter Otto Konrad wird sich in der Team Stronach-Expertengruppe "Gesundheit" einbringen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Partei. Damit bestätigten sich auch Gerüchte um eine Mitwirkung des Sportlers.

Der gelernte Bandagist ist demnach als Berater für Unternehmen in diesem Bereich tätig. Von Parteigründer Frank Stronach scheint Konrad übrigens begeistert: "Ich schätze ihn persönlich sehr, er ist eine eindrucksvolle Persönlichkeit", wurde er zitiert.

Konrad, gebürtiger Grazer, gelernter Bandagist und zu seiner Zeit als aktiver Spieler einer der Publikumslieblinge beim SV Salzburg, ist derzeit als ÖFB-Torwarttrainer tätig.

Wie erfolgreich er in der Politik sein wird, wird sich zeigen - denn bei vielen Politikern war diese Entscheidung von nicht besonders positiven Folgen geprägt (siehe Bildergalerie).

Vitali Klitschko: Der ehemalige Boxweltmeister hat sich nicht nur im Ring, sondern auch im politischen System der Ukraine einen Namen gemacht. Für die UDAR (Ukrainische demokratische Allianz für Reformen) ist er einer der Oppositionspolitiker, die nach den blutigen Protesten in der Ukraine den Rücktritt des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch erreichten. Klitschko ist auch Bürgermeister von Kiew. Wyacheslaw Fetissow: Der Russe galt und gilt als einer der besten Verteidiger aller Zeiten. Dies bekam auch die kanadische Eishockey-Legende Wayne Gretzky permanent zu spüren: "Ich habe in meinem Leben keinen schlaueren und härteren Verteidiger kennengelernt als Fetissow." Auch Vladimir Putin zeigte sich beeindruckt von der Laufbahn des Sportlers. 2002 hat er Fetissow zum Leiter des russischen Staatskomitees für Sport berufen. In den folgenden sechs Jahren agierte er für Putin als Sportminister. Sergey Bubka: Nach seinem Rücktritt vom Stabhochsprung wechselte der langjährige Weltrekord-Inhaber in die ukrainische Politik. Von 2002 bis 2006 war Bubka Abgeordneter im ukrainischen Parlament für die Partei des ehemaligen Staatspräsidenten Wiktor Janukowytsch. Seit 2005 ist er Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees. Romario: Der 48-Jährige hat bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl den Sprung in den Senat geschafft. Der Weltmeister von 1994 war schon vor vier Jahren in den Kongress gewählt worden. Er war ein scharfer Kritiker der Ausrichtung der WM in diesem Sommer in seinem Land und warf den Behörden Korruption beim Bau der Stadien vor. Er legte sich auch mit Brasiliens Fußballverband CBF an. Pele - eine lebende Legende und das Aushängeschild des brasilianischen Fußballs. Seit seinem Karriereende ist Pele als "Staatsmann des Fußballs" unterwegs und betreut in seiner Eigenschaft als UN-Sonderbotschafter weltweit zahlreiche Entwicklungsprojekte. Von 1995 bis 1998 war er auch außerordentlicher Sportminister. Georg Hackl: Mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen bei Winterspielen ist er einer der erfolgreichsten Olympioniken Deutschlands. Sein hoher Beliebtheitsgrad spiegelte sich auch in der Politik wider. 2002 ließ er sich für die CSU in den Kreisrat des Berchtesgadener Landtags wählen. 2008 wurde der "Hackl Schorsch" in seinem Amt bestätigt. Ilie Nastase:  Die rumänische Tennis-Legende und ehemalige Nummer eins der Welt versuchte 1996 einen Ausflug in die Politik. Er kandidierte für das Bürgermeister-Amt in Bukarest, scheiterte jedoch kläglich und zog sich daraufhin auch schon wieder zurück. Carlos Reutemann: Der Argentinier fuhr 142 Rennen in der Formel 1 (u.a. für Ferrari, Lotus und Williams) und sah dabei 12-mal als Sieger die Zielflagge. Reutemann wird in seiner Heimat 1991 und 1999 für jeweils vier Jahre zum Gouverneur seiner Herkunftsprovinz Sante Fe gewählt. Im Anschluss wurde er zum Senator seiner Provinz gewählt. Arnold Schwarzenegger - vom Bodybuilder zum Gouverneur. Nach seiner Sport-Karriere mit insgesamt sieben Mr. Olympia- und fünf Mr. Universum-Titeln wurde nicht nur Hollywood, sondern auch die Politik auf den Steirer aufmerksam. Seit seiner Heirat mit der Nichte von John F. Kennedy, der Journalistin Maria Shriver, ist Schwarzenegger politisch aktiv. Höhepunkt: Von 2003 bis 2011 war er der 38. Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien. Als Franz Voves 2005 das Amt des steirischen Landeshauptmanns antrat, war er vorbereitet. Schließlich war der gebürtige Grazer bereits vor seiner SPÖ-Karriere ein Meister des Schlagabtauschs gewesen. Nicht auf dem politischen Parkett zwar, aber auf einer nicht minder rutschigen Oberfläche – auf dem Eis. Als Center des ATSE Graz hatte sich Franz Voves seit 1967 einen Namen gemacht. 1970 wurde er ins Eishockey-Nationalteam einberufen, wo er 75-mal zum Einsatz kam – darunter sieben Mal bei Weltmeisterschaften und einmal bei Olympischen Spielen (1976 in Innsbruck). Der steirische Landesvater ist aber längst nicht der einzige heimische Politiker, der auf sportliche Höchstleistungen zurückblicken kann – oder konnte. Liese Prokop , Österreichs Innenministerin, die 2006 nach einem Aorta-Riss verstarb, war vor ihrer ÖVP-Karriere Leichtathletin. Im Fünfkampf gewann Prokop 1968 in Mexiko Olympia-Silber. 1969 stellte die 50-fache österreichische Meisterin mit 5352 Punkten Weltrekord auf und wurde in Athen Europameisterin. Mit solchen Erfolgen kann Franz Vranitzky nicht aufwarten, immerhin spielte der Ex-Bundeskanzler aber 1960 mit dem Basketball-Nationalteam um die Olympia-Qualifikation – allerdings vergebens. Auch Patrick Ortlieb, 1992 Olympiasieger in der Abfahrt, zog es in die Politik. Der Vorarlberger galt im Skizirkus als Intellektueller, als Querdenker. Als einer, der vor einem Rennen mehr als ein „Schau’ ma ’mal, dann seh’n ma schon“ zum Besten zu geben hatte. Nach seiner aktiven Zeit ließ sich Ortlieb von Jörg Haider für die FPÖ gewinnen, für die er bis Dezember 2002 als Abgeordneter im Nationalrat saß – so lange, bis der „Parkgaragen-Skandal“ (Ortlieb soll eine Frau belästigt haben) seiner politischen Karriere ein jähes Ende setzte. Im selben Jahr kandidierte Stephanie Graf für die SPÖ für den Nationalrat. Bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 holte die Leichtathletin aus Klagenfurt für Österreich die Silbermedaille im 800-Meter-Lauf. Weniger zielstrebig agierte Graf bei den Kärntner Landtagswahlen 2009, wo sie sich partout nicht zwischen SPÖ-Bürgermeister Manzenreiter und dem BZÖ-Landeshauptmann Dörfler entscheiden konnte. Die Ex-Sportlerin zeigte sich politisch flexibel und unterstützte einfach beide. Aber auch andere Sportler suchten ihr Glück in der Politik: So war die ehemalige ORF -Moderatorin Ingrid Turkovic-Wendl , die in den 1950er-Jahren als Eiskunstläuferin EM-, WM- und Olympia-Medaillen sammelte, von 2002 bis 2006 ÖVP-Abgeordnete. Hürdensprinter Elmar Lichtenegger saß – trotz Dopingsperre – für FPÖ und BZÖ im Nationalrat. Schwimmerin Vera Lischka (im Bild mit Markus Rogan) zog via SPÖ-Liste in den oberösterreichischen Landtag ein. Ex-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein warf in Körbe in der Basketball-A-Liga. Schwimmer Dinko Jukic (ÖVP)... ...und Wasserspringerin Anja Richter (SPÖ) versuchten sich mit mäßigem Erfolg bei den Wiener Landtagswahlen 2010. Und dann war da ja noch Toni Sailer, der 2004 mit dem Gedanken gespielt hatte, Bürgermeister von Kitzbühel zu werden, es sich dann aber doch noch aus Zeitmangel anders überlegte.

(APA / ep) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?