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Politik | Inland
08/08/2016

Studie: FPÖ hat die treuesten Wähler

Wahlanalysen der steirischen Landtagswahl weisen auch auf künftiges Problem für die ÖVP hin.

FPÖ-Wähler sind inzwischen die treuesten Wähler. Das geht aus einer neuen Studie der FH Joanneum in Graz hervor, in denen die Landtagswahlen 2015 analysiert wurden. Demnach hatten 73 Prozent aller FPÖ-Wähler bereits bei der vorigen Landtagswahl blau gewählt. SPÖ und ÖVP, einst Gewohnheits-Wähler-Hochburgen, kamen nur noch auf 61 bzw. 59 Prozent. Ob aus blauen Wiederwählern echte Stammwähler werden, wird sich jedoch erst bei den nächsten Wahlen weisen, sagt Heinz P. Wassermann von der FH Joanneum. Von solchen ist erst zu sprechen, wenn bei mehr als zwei gleichen Wahlen dieselbe Partei gewählt wurde.

Wie der Standard.at berichtet, werden in der von Wassermann herausgegebenen Studie "Urnengänge – Analysen der steirischen Gemeinderats- und Landtagswahlen 2015" auch Querverbindungen zu den Wahlen im Burgenland, Wien und Oberösterreich, wo ähnliche Entwicklungen zu sehen sind, gezogen – dabei sind vor allem für die ÖVP durchaus dramatische Folgen dieser Entwicklung auszumachen.

ÖVP verliert am stärksten Richtung FPÖ

Denn während die SPÖ vor allem an das Lager der Nichtwähler verliert, geht die größte Wählerwanderung für die ÖVP an die FPÖ. Die ÖVP verliert derzeit also stärker an die FPÖ als die SPÖ, die eben auch an die Nichtwähler verliert, was Heinz P. Wassermann durchaus als Chance für die Roten sieht. So habe die SPÖ nämlich noch die Gelegenheit, alte Wähler abzuholen, während die ÖVP Teile ihres alten Stammklientel wieder aktiv aus der FPÖ loseisen müsste. Dazu habe die ÖVP vor allem auf Bundesebene mit dem NEOS auch auf bürgerlicher Seite ein zusätzliches Handicap, sagt Wassermann gegenüber KURIER.at.

In diesem Zusammenhang muss auch der oft beschworene Siegeszug der Blauen in den obersteirischen Arbeiterbezirken relativiert werden. Laut den Autoren der Studie dürfte die FPÖ ihr Potenzial hier weitgehend ausgeschöpft haben. Die stärksten Übergänge von der ÖVP zur FPÖ bei den Landtagswahlen 2015 in den schwarzen Agrarregionen registriert. "Die roten Hochburgen gingen schon in den 90ern verloren, bei der Wahl 2015 fiel das nicht mehr ins Gewicht", sagt Wassermann.

"Angstbeißer" FPÖ-Wähler

Wodurch unterscheiden sich nun langjährige FPÖ-Wähler von anderen? Wassermann nennt hier vor allem die "Mental Gap" als entscheidendes Unterscheidungsmerkmal. FPÖ-Wähler sind demnach wesentlich pessimistischer als Wähler anderer Parteien. "FPÖ-Wähler beurteilten die vergangenen fünf Jahre mit klarer Mehrheit eher negativ und blicken mit ebensolcher klarer Mehrheit mit Sorge in die Zukunft", sagt Wassermann. "Umgangssprachlich würde man wohl Modernisierungsverlierer dazu sagen. In Ermangelung eines besseren Begriffs spreche ich von Angstbeißern." Hier wäre auch noch am ehesten ein Rückschluss auf die bevorstehende Bundespräsidentenwahl möglich, sagt Wassermann: "Das Schema Optimisten gegen Pessimisten wird auch hier tendenziell zum Tragen kommen."

Sind inzwischen also Protestwähler die treuesten Wähler? Diese Schlussfolgerung will Wassermann gegenüber KURIER.at so nicht gelten lassen. Protestwähler seien eine sehr fluide Masse. Wohin sie bei der nächsten Wahl tendieren, ließe sich nicht abschätzen. Das gelte insbesondere für die Steiermark, wo im Vergleich zu anderen Landtagswahlen sowohl der Nichtwähleranteil, als auch die Wechselbereitschaft am stärksten ausgeprägt waren.

Zur Studie: urnengang.fh-joanneum.at

Bericht von derstandard.at