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04.08.2017

Studie bestätigt Anstieg von Muslimen in Österreich

Der muslimische Bevölkerungsanteil verdoppelte sich seit 2001 von vier auf acht Prozent und entspricht in absoluten Zahlen rund 700.000. Mehrere Szenarien für religiöse Entwicklung.

Eine Studie des Vienna Institute of Demography bestätigt den Anstieg der Muslime in Österreich. Demnach gibt es derzeit rund 700.000 Menschen, die sich zum islamischen Glauben bekennen. Seit der letzten Volkszählung 2001 hat sich deren Anteil von vier auf acht Prozent verdoppelt. Weiterhin stärkste Religionsgemeinschaft ist die römisch-katholische Kirche, die trotz Rückgangs 64 Prozent ausmacht.

Unter dem Titel "Demographie und Religion in Österreich" hat ein Team um Anne Goujon vom Vienna Institute of Demography der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die gegenwärtige religiöse Zusammensetzung der österreichischen Bevölkerung sowie mögliche zukünftige Entwicklungen analysiert und die Ergebnisse als Working Paper zur Verfügung gestellt. Die Erstellung der Studie wurde durch den Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) unterstützt.

17 Prozent ohne Religionszugehörigkeit

Seit der letzten Volkszählung haben sich die religiösen Zugehörigkeiten in Österreich deutlich verändert: Bekannten sich vor 2001 noch drei Viertel aller Österreicher zum römisch-katholischen Glauben, sank ihr Anteil auf 5,16 Mio. und damit zwei Drittel der Bevölkerung. Den stärksten Zuwachs gab es in den vergangenen 15 Jahren bei der Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit: Waren es 2001 noch 12 Prozent, sind es im Jahr 2016 schon 17 Prozent.

Rund 700.000 Muslime

Starken Zuwachs verzeichnete auch der muslimische Bevölkerungsanteil. Dessen Anteil verdoppelte sich und entspricht in absoluten Zahlen rund 700.000, wie der ÖIF bereits im April der APA berichtete. Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der orthodoxen Christen: von zwei Prozent auf fünf Prozent, was 400.000 Personen entspricht. Der Anteil an Evangelischen blieb in den letzten Jahren konstant bei 5 Prozent, genau sind es nach APA-Informationen 302.000.

Unter "Sonstige" fallen in der Studie zwei Prozent der österreichischen Bevölkerung, was etwa 160.000 Personen entspricht. Darin enthalten sind auch die Juden, wovon es laut APA-Informationen aktuell rund 15.000 gibt.

Mehrere Szenarien für religiöse Entwicklung

Die Studie für den ÖIF, welche Anne Goujon leitete, geht von vier möglichen Szenarien der religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung in Österreich aus. Alle sehen einen mehr oder weniger starken Anstieg der Muslime sowie der Konfessionslosen - je nach Zuwanderung. Auch der Rückgang der Katholiken in Österreich ist in allen Modellen unvermeidbar.

Sollten in Zukunft vor allem Menschen aus dem europäischen Raum nach Österreich zuwandern, kommt es laut Studie zu einem Anstieg der Konfessionslosen auf ein Viertel der Bevölkerung. Grund dafür sind die Säkularisierungstendenzen in den meisten europäischen Staaten. In diesem Szenario würde der Bevölkerungsanteil von Katholiken in Österreich 2046 bei 45 Prozent liegen, jener der Muslime bei 14 Prozent.

Das zweite Szenario ("Diversität") berücksichtigt jüngste Entwicklungen der Migration, die nicht nur durch europäische Zuwanderung, sondern auch durch stärkere nicht-europäische Migration aus Ländern des Nahen Ostens geprägt ist. Ähnlich wie beim ersten Szenario geht man dabei von einem Rückgang der Zahl an Katholiken auf 45 Prozent sowie einem Anstieg der Zahl an Konfessionslosen auf 24 Prozent und Muslimen auf 17 Prozent aus.

"Religiöse Mobilität"

Sollte die Migration nach Österreich in Zukunft abnehmen und zum Stillstand kommen, wären künftige Entwicklungen hauptsächlich auf "religiöse Mobilität" sowie "Fertilität" zurückzuführen. Dieses Szenario geht davon aus, dass der Anteil der Konfessionslosen bis 2046 auf 28 Prozent ansteigen wird. Die Zahl der Katholiken sinkt auch in diesem Szenario auf unter die Hälfte, während Muslime dann einen Bevölkerungsanteil von 12 Prozent ausmachen.

Das letzte Szenario geht von einer starken Zuwanderung aus dem Nahen Osten und Afrika aus, die zu einem bedeutenden Anstieg des Anteils der Muslime in Österreich auf 21 Prozent 2046 führen würde. In Wien könnte gemäß dieser Annahme dann nahezu jeder Dritte (30 Prozent) Muslim sein. Der Islam würde damit in 30 Jahren die größte Religion in Wien darstellen.

Aus heutiger Sicht erscheinen die Szenarien "Europäische Mobilität" und "Diversität", die auf demografischen und religiösen Trends der vergangenen zehn Jahren basieren, plausibler als die Szenarien der hohen oder geringen Zuwanderung, meinen die Autoren der Studie.

Service

Die Studie "Demographie und Religion in Österreich" zum Download

Religiöse Verbuntung als Chance nutzen

"Die aktuelle Studie belegt einen generellen gesellschaftlichen Trend hin zu mehr Pluralität und Mobilität bei gleichzeitig abnehmender Bindung an Institutionen. Das führt im Blick auf Glaubensgemeinschaften zu einer „religiösen Verbuntung“ (wie das der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner in seinen Untersuchungen zuletzt beschrieben hat). Auch die bewusste und freie Entscheidung für den Glauben wird immer wichtiger und ist daher sehr positiv", sagt Paul Wuthe, Presse- und Medienreferent der Österreichischen Bischofskonferenz.

"Die katholische Kirche spürt die Auswirkungen dieser Trends bereits seit Jahren. So sind die Kirchenaustritte, die in den letzten Jahren etwas zurückgegangen sind (2016: 54.886), auch Ausdruck einer wachsenden Distanz gegenüber Institutionen, und davon ist die Kirche genauso betroffen wie Parteien, Gewerkschaft oder andere Großinstitutionen. Dennoch bleiben viele, die aus der Kirche austreten, offen für den Glauben. Dies zeigt auch die kontinuierlich gestiegene Anzahl jener Menschen, die wieder in die Kirche eintreten (2016: 5.265). Papst Franziskus bestärkt die Kirche in Österreich in ihrem Bemühen, ein einladender Ort für alle Menschen zu sein, wo sie Sinn und Halt für ihr Leben durch einen lebendigen Glauben erfahren", so Wuthe.

"Dass Pluralität und Mobilität die Kirche in Österreich bereichern und wachsen lassen, zeigt die wachsende Zahl von Katholiken mit Migrationshintergrund. Rund 500.000 Katholiken, von denen rund zwei Drittel aus europäischen Ländern stammen, feiern und leben ihren Glauben bei uns in rund 30 Sprachen. Wenn aktuell 76 Prozent der Österreicher wollen, dass Österreich ein christliches Land bleiben soll (IMAS-Umfrage Oktober 2016), liegt es nicht nur an der Kirche als Institution, sondern an allen sich dafür im persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben einzusetzen."