Frank Stronach

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Pressestunde
10/27/2013

Stronach will "sehr demokratische" Statuten

Stronach spricht von einem "Reinigungsprozess". Den Namen seiner Kärntner Obfrau kannte er nicht.

Parteigründer Frank Stronach sieht die Turbulenzen in seinem "Team" als "Reinigungsprozess", der in einer so jungen Partei "normal" sei. In der ORF-Pressestunde kündigte er am Sonntag die Überarbeitung der Parteistatuten bis Ende November an, sie würden dann "sehr demokratisch" sein. Wiederholt betonte Stronach, dass Parteimitglieder, die "die Werte" nicht vertreten, ausgeschlossen werden - vor allem im Hinblick auf die Umbesetzungen in den Ländern. Aber auch Abgänge aus dem zehnköpfigen Nationalratsklub schloss er nicht aus.

"Wenn ein paar weggehen wollen, dann werden sie weggehen", das werde sich in "Wochen oder Monaten" zeigen, meinte Stronach auf die Frage, ob vielleicht einige Abgeordnete die Partei verlassen: "Wenn man Leute nicht lange kennt, ist es schwierig, die Hand ins Feuer zu legen, dann hat man Brandwunden." Immer noch hofft Stronach, dass Monika Lindner - die "wilde" Nationalrats-Abgeordnete wird - ihr Mandat nicht annimmt. Er persönlich werde sie nicht klagen, vielleicht aber die Partei - und das werde nicht er entscheiden.

Dass nach der mässig erfolgreichen Nationalratswahl (5,7 Prozent) einige Landesgruppen massiv personell umgebaut wurden und es auch Abspaltungstendenzen gibt, erklärte Stronach damit, dass die Partei sehr jung sei. Jetzt gebe es einen "Reinigungsprozess", in dem die Leute "aussortiert" würden: "Wir haben gewisse Werte, die müssen eingehalten werden, wenn die Leute sie nicht einhalten, dann brauchen wir sie nicht." Gar so ein Chaos sieht Stronach aber nicht, "ihr macht das stärker wie es ist", hielt er den Journalisten vor. Es habe zuletzt ein "Familientreffen" des Teams gegeben, wo sich "alle dazu bekannt haben, dass sie dabei sein wollen".

Namen sind Schall und Rauch

Stronach selbst hat aber offenbar schon ein wenig den Überblick verloren. Denn den Namen der - am 14. Oktober eingesetzten - neuen Kärntner "Parteiobmännin" (wie er es nannte) Andrea Krainer wusste er nicht: "Ich muss kurz nachschauen", sagte er, das ganze sei ja erst "vor ein paar Tagen passiert".

Dass von einigen Ländern Geld zurückgefordert wird, verteidigte Stronach einmal mehr: Die Bundespartei haben diesen das Geld geborgt, es gebe Darlehensverträge - und auch diese seien "Teil der Werte". Leuten, die das Team und seine Werte nicht unterstützen, werde er "nicht das Geld geben". Den Einwand, dass just jene Landesparteien, die bei ihren Wahlen erfolgreicher waren als er als Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl - Kärnten, Niederösterreich, Salzburg - zurückzahlen sollen, ließ er nicht gelten: Er persönlich habe dort "sehr viel gearbeitet und war viel unter der Bevölkerung. Ich habe diese Resultate eingefahren."

"War zu laut"

Stronach bekannte zwar mehrfach ein, dass er "Fehler" gemacht habe - sieht aber eigentlich nur den, dass er "vielleicht ein bisschen lauter war als ich sein sollte, weil ich die Leute wachrütteln wollte". Und gab einmal mehr den Medien - speziell dem ORF -in diesem Fall - schuld: Es habe eine "Kampagne" gegen ihn gegeben, "ihr habt genauestens gezielt, wo können wir Frank Stronach etwas anhängen". Nie sei positiv über ihn - seinen Erfolg in der Wirtschaft, seine Sozialspenden - berichtet worden, "immer nur negativ". Aber: "Wenn ich so verrückt sein würde, würde ich nie solche Stellungen haben", deponierte Stronach unter Hinweis darauf, dass er an "vielen Unis" im Aufsichtsrat sitze.

Dass er an die 30 Mio. Euro in die Partei gesteckt hat, bereut Stronach nicht, beteuerte er: "Österreich ist mir das Wert." Frustriert sei er jetzt nicht, "nein, dazu bin ich zu philosophisch, ich hab so viel erreicht im Leben und bin nie negativ". Wann genau er seine Ankündigung, sich aus dem Parlament wieder zurückzuziehen, umsetzen wird, legt er weiter nicht fest. Die Partei habe er bereits übergeben an Kathrin Nachbaur, die jetzt "alle Entscheidungen macht" - mit einem Vetorecht seinerseits. Jedenfalls will er "nicht für immer dabei sein, ich bin kein Politiker".

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