Stronach und Strache: Zwei vom gleichen Schlag?

Kopie von Kopie von Stronach Strache
Foto: KURIER Wie gefährlich ist Stronach für Straches FPÖ? Der Neo-Politiker spricht die selben Wähler an und stiehlt Strache derzeit die Show<br />
 

FPÖ und Team Stronach buhlen um die selben Wähler. Doch es gibt einen kleinen Unterschied.


Eine Partei, die bei Wahlen antritt, aber nicht in den Landtag will, die kann man nicht ernst nehmen!“

Wer die niederösterreichische FPÖ-Frontfrau Barbara Rosenkranz in diesen Tagen nach dem Team Stronach frägt, bekommt eine scharfe Antwort: Die machen keine ernst zu nehmende Politik, mit denen ist kein Staat zu machen.

So scharf wie die wahlkämpfende Niederösterreicherin distanzieren sich im Lager der Blauen mittlerweile nur wenige von Stronach, im Gegenteil: Am Wochenende riet Martin Graf, Dritter Nationalratspräsident, den Kärntner Freiheitlichen unverhohlen zu einer Koalition mit der Partei des Austro-Kanadiers. Das offizielle Wording der FPÖ lautet nun: Wir sprechen bei Koalitionsverhandlungen natürlich mit allen – also auch mit Stronach.

Heinz-Christian Strache im Porträt:

"Den hab ich doch schon mal in der Disco gesehen!" Wer über den blauen Anführer noch nicht so viel Bescheid weiß - hier ein paar Infos zu HC Strache. Herkunft und politischer Werdegang

Geboren wird Strache am 12. Juni 1969 in Wien. Er wächst bei der alleinerziehenden Mutter auf und besucht acht Jahre lang ein Internat. In seiner Jugend knüpft er  Kontakte ins rechtsradikale Lager. Nach Abschluss seiner Zahntechniklehre tritt er in die Haider-FPÖ ein und wird mit 21 Bezirksrat. Einzug ins Wiener Rathaus im Jahr 1996, acht Jahre später löst er Hilmar Kabas als FPÖ-Chef in Wien ab. Im blauen Krisen-Jahr 2005 übernimmt er auch die Bundespartei. Erster Spitzname..."Bumsti". Jetzt: "Schatzee" (darf aber nur Freundin Andrea sagen) Erste politische AussendungAm 12. Mai 1993 flattert die erste politische Aussendung des damaligen FP-Bezirksrats in die Redaktionsstuben des Landes. Strache beschwert sich darin über das "Verwirrspiel" rund um das Mautner Markhof’sche Kinderspital in Wien-Landstraße. Die geplante Absiedlung der dortigen Kinderchirurgie ins SMZ-Ost sei "unverantwortlich", moniert er. Fünf Jahre später wird das Kinderkrankenhaus geschlossen. Bis Mitte 2000 dient es als Quartier für Flüchtlinge aus dem Kosovo - was bei Strache erneut große Bedenken hervorruft. HobbysSport, Schach, Rappen, Ausgehen, früher: Paintball Wie beschreibt er sich selbst?"Ich bin der Zorro der innenpolitischen Landschaft, der für soziale Gerechtigkeit eintritt."(Getätigt im November 2004, nachdem bekannt geworden war, dass er einen Salzburger Arzt zum burschenschaftlichen Säbelduell aufgefordert hatte, weil dieser eine Rede Straches kritisiert bzw. ihn beleidigt haben soll) FamilienstatusGeschieden, zwei Kinder, Freundin Andrea ("Er schaut mir gerne zu, wenn ich mich umziehe") Das sagen die politischen GegnerLob von der Konkurrenz erhält Strache nur äußerst selten. SPÖ-Kanzler Faymann hält ihn für einen "Hassprediger", die ÖVP diagnostiziert bei Strache "Realitätsschwächen" und "Verfolgungswahn". Die Grüne Bundessprecherin Glawischnig attestiert ihm eine "unglaubliche Wehleidigkeit". "Weiter rechts ist nur der Abgrund", meint BZÖ-Chef Bucher über die Strache-FPÖ. Sein heutiger Parteikollege und Ex-BZÖ-Mann Gerhard Dörfler sagte einmal: "Besser a guter Sozi wie a schlechter Strache." Wie würde er Europa retten?Geht es nach Strache, sollen starke Volkswirtschaften wie Österreich, Deutschland und Holland eine eigene Kern-Eurozone bilden. Wirtschaftlich schwache Länder wie Griechenland sollen aus der Währungsunion ausscheiden und keine Hilfszahlungen mehr erhalten. Den Europäischen Rettungsschirm ("Sadomaso-Vertrag") lehnt er ebenso wie den Fiskalpakt ab. Eine Alternative dazu hat er allerdings nicht. Im "Worst Case" will Strache aus EU und Euro austreten und den Schilling wiedereinführen. Hat eine besondere Vorliebe für…Blondinen. Und Kalenderspruch-Postings auf Facebook - Beispiel: "Manchmal muss man nur auf sein Herz hören, um das Richtige zu tun – es weist dir den Weg, wenn Erfahrung und Vernunft noch überlegen ♥" Albernste Aussage"Wir sind die neuen Juden." (Februar 2012) Hätte es leichter ohne…

Martin Graf. Und die FPK.

Es kann kein Zufall sein, dass von eben dort de facto die gleichen Botschaften kommen. „Ich kann mir mit jeder Partei eine Zusammenarbeit vorstellen – auch mit FPÖ und FPK, wenn sie unsere Werte akzeptieren“, sagt Stronachs Klubobmann im Parlament, Robert Lugar.

Distanz klingt anders, die Frage ist nur: Könnten die beiden wirklich miteinander – und was unterscheidet sie?

Die da oben

Was Programm und kolportierte Werte anbelangt, sind die Freiheitlichen und der milliardenschwere Quereinsteiger tatsächlich in vielen Belangen einer Meinung.

„FPÖ wie Stronach definieren sich über den Protest gegen das etablierte, großkoalitionäre System“, sagt Wahlkampf-Experte Thomas Hofer. „Wir sind keine klassische Partei, wir sind gegen ,Die-da-oben‘, gehört bei beiden zu den ganz zentralen Botschaften.“ Dem nicht genug, eint Stronach und die Blauen eine konsequente EU- und Euro-Skepsis. „Beim Topthema Europäische Union gibt es eine große Überschneidung, nämlich: Der Austritt aus dem Euro muss prinzipiell möglich sein“, sagt Politikwissenschafter Peter Filzmaier.

Und als sei das noch nicht genug, erinnere Stronach viele FPÖ-Wähler an den frühen Jörg Haider der 1990er-Jahre, meint Thomas Hofer: „Auch Haider wollte keine Partei, sondern eine Bewegung anführen; auch Haider wollte die staatliche Verwaltung, konkret die Sozialversicherungen, zeitlebens verkleinern; und auch Haider hat sich als Außenseiter verstanden, der gegen die Parteibuchwirtschaft kämpft.“

Frank Stronach im Porträt:

Der 6. September 1932 war ein besonderer Tag für die Familie Strohsack aus dem beschaulichen Kleinsemmering bei Weiz in der Steiermark. An diesem Tag wurde der kleine Franz geboren, der dereinst über den großen Teich ausziehen und als Milliardär zurückkehren sollte. Doch bevor aus Franz Strohsack der Milliardär Frank Stronach wurde, musste dieser erst den Grundstein für seine Karriere legen – er wurde Werkzeugmacher. Und er wanderte aus. Sein erster Stopp führte ihn in die Schweiz, genauer nach Bern, wo er ein Jahr lebte, bevor er 1954 nach Kanada auswanderte und sich in Frank Stronach umbenannte. Nach eigenen Angaben hatte er damals gerade einmal 200 Dollar in der Tasche. In einer gemieteten Garage begann er Teile für die Autoindustrie herzustellen und gründete die Firma Multimatic. Diese fusionierte 1968 mit Magna Electronics und wurde als Magna International Inc. Unter Stronachs Ägide wurde das Unternehmen zu einem der größten Automobilzulieferer Nordamerikas. Heute ist Magna International Inc. ein führender, global tätiger Zulieferer von technisch hoch entwickelten Automobilsystemen, Modulen und Komponenten mit über 20 Milliarden Dollar Umsatz und mehr als 90.000 Mitarbeitern. Wie schon eingangs erwähnt, 1986 kehrte Stronach nach Österreich zurück: Er gründete im niederösterreichischen Oberwaltersdorf die für den europäischen Markt zuständige Tochterfirma Magna Europa gegründet. Schon bald begann der Milliardär, sich auch anderweitig in Österreich zu engagieren. So wollte er etwa in Ebreichsdorf einen Vergnügungspark errichten (geplante Hauptatttraktion: eine Weltkugel mit einem Durchmesser von 200 Metern). 1999 stieg er in Nordamerika in den Pferderennsport ein, 2004 eröffnete er mit dem Magna Racino in Ebreichsdorf eine Pferderennbahn und eine abgespeckte Variante seines Vergnügungsparks. Ab 2001 investierte Stronach massiv in den österreichischen Fußball. Mithilfe seiner Finanzspritzen sollte zuerst Austria Wien die Champions League gewinnen, dann das österreichische Nationalteam Weltspitze werden. Einzig, die angepeilten Erfolge blieben – abgesehen von ein paar nationalen Titeln – aus. Daran konnte auch ein Rekordverschleiß an Trainern nicht ändern. Doch nicht nur im Sport engagiert sich Frank Stronach finanzkräftig. So finanzierte er den Bau der vier neuen Konzertsäle im Wiener Musikverein. Für seine Erfolge abseits der Fußballplätze dieser Welt ernannte die Technische Universität Graz Stronach 2004 zum Honorarprofessor, womit er die Lehrbefugnis für das Fach Praktische Unternehmungsführung erhielt. Daneben ist er Träger vieler Auszeichnungen, 2010 wurde ihm etwa das Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Frank Stronach ist verheiratet mit Elfriede (Geburtsname Sallmutter). Sie haben zwei gemeinsame Kinder. 1966 kam ihre Tochter Belinda (im Bild) zur Welt. Ihr Sohn Andrew wurde 1968 geboren.

Programm und Werte sind also kompatibel. Was das Personal anlangt könnten die Differenzen ebenfalls größer sein. Von Obmann Robert Lugar abwärts haben die Mitglieder des Stronach-Parlamentsklubs (Erich Tadler, Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, Christoph Hagen etc.) selbst ihre politischen Wurzeln bei der FPÖ.

Rechter Rand

Und so bleibt vorerst als wohl größter Unterschied die Distanz zu allzu rechten Botschaften: Als der KURIER vergangene Woche zweifelhafte Kontakte des Tiroler Stronach-Teams zu einer rechtsradikalen Homepage thematisierte, entschied man in Stronachs Lager vergleichsweise schnell, die Parteifreunde loszuwerden – in der FPÖ sind rechtsrechte Verhaltensauffälligkeiten hingegen eher selten Grund für flotte Parteiausschlüsse.

Was also sollen sie tun, die beiden Parteien, die sich so fremd nicht sind? „Für die FPÖ-Wähler ist Stronach eine populistische Alternative. Insofern tut Strache gut daran, ihn nicht zu aggressiv zu attackieren. Damit würde er auch potenzielle Wähler angreifen“, sagt Politik-Berater Hofer.

Und Stronach? „Für ihn“, sagt Politikwissenschaftler Filzmaier, „ist die Sache ziemlich heikel.“

Der Grund: „Stronach lebt davon, dass er anders ist als die etablierten Politiker – und daher sollte er sich nicht zu sehr auf Koalitionsspekulationen einlassen.“

Leitsätze

Wofür die FPÖ und Stronach stehen

Leitsätze der FPÖ


Ein Auszug:

– Die Familie (...) ist die natürliche Keimzelle für eine funktionierende Gesellschaft.

– Österreich hat sein Staatsgebiet mit allen Mitteln zu schützen...

– Ein Verbund freier Völker und selbstbestimmter Vaterländer ist Grundlage unserer Europapolitik.

Grundsätze Team Stronach


Ein Auszug:

– Die Familie ist Keimzelle unserer Gesellschaft.

– Wir wollen eine eigenständige, effiziente Landesverteidigung...

– Wir stehen für ein starkes Europa selbstbestimmter Staaten, um dauerhaften Frieden in Europa abzusichern.

Kommentar

Hut ab, Mr. Stronach

Frank Stronach und HC Strache fischen im gleichen Teich. Der Newcomer aber (noch) nicht um jeden Preis.

Für viele Bürger sind neue Parteien vor allem ein Hoffnungssignal. Noch nie gab es so viele, die auf der Suche nach einem besseren Angebot verzweifelt am Wählermarkt flanieren.

Für Glücksritter und Polit-Desperados sind sie oft der letzte Rettungsring. Sobald es um Posten und Mandate geht, wimmelt es dort vor Parteigängern aller Lager, die sich bisher unter ihrem Wert gewürdigt wähnen – und Wackelkandidaten aller Mandatslisten, die mit einem Parteiwechsel ihren Sessel zu retten suchen.

So schaffte es Frank Stronach quasi über Nacht, mit einem halben Dutzend Abgeordneten samt privilegiertem Klubstatus im Hohen Haus zu sitzen, ohne noch eine einzige Wählerstimme erhalten zu haben. Fünf Überläufer kamen von den welken Orangen, die glauben, so ein todsicheres Mandat für weitere fünf Jahre zu kassieren. Das Gros hatte davor als blaue Hoffnungsträger gedient.

Haiders BZÖ ist ab Herbst wohl Geschichte. Frank Stronach und Heinz-Christian Strache sind einander schon vor der Wahl näher, als ihnen jetzt lieb sein kann. Stronach fischt nicht nur beim Personal, sondern auch beim Programm im blau-orangen Teich. Schließlich buhlen beide um die gleichen Protestwähler (siehe S. 3).

Islamophobe Töne à la „Pummerin statt Muezzin“ waren aber bisher allein aus dem blauen Eck zu hören. Der KURIER hatte vergangene Woche erstmals berichtet, dass Frank Stronachs Tirol-Team von seiner blauen Vergangenheit schlagartig eingeholt wird: Franks lokaler Statthalter als Betreiber einer Hetz-Homepage im Visier des Verfassungsschutzes. In den ersten Tagen gab es das Übliche: Maulen und Mauern.

Montagabend ließ Stronach den rechten Sumpf in seinem Tirol-Team per Vielfach-Rücktritt radikal trockenlegen. Hut ab, Herr Stronach: Das ist hierzulande noch immer keine Selbstverständlichkeit.

(kurier) Erstellt am
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