APA9609956 - 27092012 - EBREICHSDORF - ÖSTERREICH: Der Industrielle Frank Stronach während eines Start-Festes für das Stronach-Team am Donnerstag, 27. September 2012, im Magna Racino in Ebreichsdorf. APA-FOTO: ROBERT JAEGER

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Politik | Inland
02/01/2013

Stronach schwänzt ORF-Elefantenrunde

Nach seinen eigenwilligen TV-Auftritten sorgt Frank Stronach jetzt neuerlich für Verwunderung. Zuerst forderte er Erwin Pröll zum TV-Duell heraus, dann gab er dem ORF einen Korb.

Frank Stronachs Wahlkampf in Niederösterreich nimmt skurrile Formen an. Noch am Montag hatte der Austro-Kanadier via Privatsender Puls4 den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll zum TV-Duell herausgefordert.

„Ich hoffe, er traut sich. Der Erwin Pröll ist ein Schmähtandler und in einer Diskussion im Fernsehen würden das die Menschen sofort sehen“, richtete der angriffslustige Spitzenkandidat dem Landeshauptmann live aus.

Die Auseinandersetzung könnte sogar stattfinden. Der ORF-Niederösterreich lädt am Sonntag vor dem Wahlgang am 3. März zur sogenannten Elefantenrunde. Zur Live-Konfrontation wurden nicht nur Pröll sowie alle Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien eingeladen. Auch für Frank Stronach war ein Platz reserviert, da sein Team im Nationalrat Klub-Status hat.

Einladung abgelehnt

Nur Frank Stronach will jetzt nicht. Sein Verzicht kam zwei Tage nach seiner Herausforderung zum TV-Duell. Chefredakteurin Christiane Teschl: „Wir haben am Mittwoch per eMail die Absage erhalten.“ In einem Interview mit dem ORF-Niederösterreich zur Übersiedlung der Magna-Zentrale von Oberwaltersdorf nach Wien, legte Stronach am Freitag noch einmal nach und bekräftigte vor laufender Kamera, dass ihn die „Elefantenrunde“ in Niederösterreich nicht interessiere.

Warum diese Kehrtwendung? „Wenn jeder gegen jeden brüllt, macht das für uns keinen Sinn. Da wird alles niedergetrampelt“, begründete Rouven Ertlschweiger, der Pressesprecher von Frank Stronach.

Und wie war das dann mit dem TV-Duell gemeint? „Face to face machen wir das jederzeit. Das Angebot steht“, sagte der Sprecher des Austro-Kanadiers.

Doch für diesen Sonderwunsch des Austro-Kanadiers hat man im Landeshauptmann-Büro kein Verständnis. „Viele fragen sich, was soll das? Er schreit nach Duell und geht jetzt nicht hin. Er kandidiert und drückt sich vor der Landtagsarbeit“, sagte Pröll-Sprecher Peter Kirchweger in Anspielung auf Stronachs Ansage nicht in den NÖ-Landtag einziehen zu wollen.

Einen Extra-Termin für den Austro-Kanadier macht das Pröll-Büro nicht frei. „Der Landeshauptmann ist kein Milliardär, dem fad ist und der sich aus der Politik einen Jux macht. Er hat als Regierungschef einen vollen Terminkalender und arbeitet bis zum Tag vor der Wahl. Herr Stronach drückt sich jetzt vor der traditionellen TV-Diskussion, aus Angst vor der Erörterung seiner Baustellen in Niederösterreich“, interpretiert Kirchweger die Absage.

Abgänge in Stronachs Team nach Hetzer-Affäre

Einen Neustart muss das Team Stronach in Tirol hinlegen: Nach KURIER-Berichten über eine hetzerische Homepage (tirolerjournal.wordpress.com), die im Visier des Verfassungsschutzes steht, gibt es nun Konsequenzen für Stronachs Teamkoordinator Alois Wechselberger. Er soll, wie berichtet, hinter der Homepage stehen – was er aber bestreitet. Nun scheint sein Abgang fixiert.

„Es wird eine Umbildung auf der Liste in Tirol geben“, bestätigt der Obmann in Innsbruck, Hans-Peter Mayr, dem KURIER. Aktuell eskaliere die Lage. Man verstehe sich als Partei der Mitte und wolle weder am linken noch am rechten Rand anstreifen: „Daher war ein Wechsel notwendig.“

Wie berichtet, wurde in mehreren Beiträgen gegen Minderheiten gehetzt. Zudem sollen zwei Mitglieder des Team Stronach einem schlagenden Corps angehört haben. Laut Tiroler Tageszeitung stehen nun auch die Teammitglieder Richard Tautscher und Fabio Gruber unmittelbar vor dem Rauswurf. Gemeinsam mit Wechselberger schieden sie 2010 im Streit aus der FPÖ aus. Zudem dürfte auch Ex-Tiwag Betriebsrat Peter Prantl am Freitag seinen Hut nehmen.

Robert Lugar, Klubobmann im Team Stronach und selbst Tiroler, erklärt, er habe die Mitglieder des Teams zwar mehrfach getroffen, zuvor aber nicht gekannt. Im Team Stronach sieht er „überhaupt keinen Platz für Radikalismus“. Es müsse nun wie in Kärnten gelingen, „dass wir eine breite gesellschaftliche Schicht mit unseren Kandidaten ansprechen“.

Sofort nach den kritischen Berichten habe er eine Expertise über Wechselbergers Beziehungen zum Tiroler Journal in Auftrag gegeben. Das Ergebnis liege ihm noch nicht vor, aber wenn sich die Verdachtslage bestätige, brauche es „ganz klare Schritte“.

Auch er sieht eine Neuordnung der Liste Tirol: „Wir werden schauen, dass wir die Verhältnisse in Tirol in Ordnung bringen.“ Wer letztlich Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 28. April werde, entscheide Frank Stronach persönlich. Er geht aber davon aus, dass Obmann Hans-Peter Mayr „nicht in die Geschichte involviert ist.“ Spitzenkandidat will dieser aber nicht werden. Den will Mayr in den nächsten Tagen präsentieren.