Stein des Anstoßes: Faymanns Rede beim Wiener SPÖ-Parteitag.

© APA/HANS PUNZ

Streit um Privilegien
04/27/2014

Lehrer sind stinksauer auf Kanzler

Fortbildung und Kuren nur mehr in den Ferien? Gewerkschaft tobt: "Mieser geht es nicht mehr."

von Bernhard Gaul

Es geschah beim Wiener SPÖ-Parteitag: Bundeskanzler Werner Faymann griff eine Idee der Wiener Stadtschulratspräsidentin auf, wie man im Bildungsbereich ein wenig sparen könnte. Vorgeschlagen wurde, dass Lehrer künftig nur in der Ferienzeit Seminare und Kur-Aufenthalte absolvieren sollten. Denn für Fortbildungstage wie auch für Kuren würden Tausende Supplierstunden anfallen, die Millionen kosten würden. Für den Kanzler war das ein "wichtiger Vorschlag von unseren Wiener Freunden".

Stinksauer

Hörbar verärgert reagiert Paul Kimberger, oberster Gewerkschaftsboss der 126.000 Lehrer, im KURIER-Gespräch. Der sonst eher besonnene Standesvertreter ist sogar stinksauer: "Wenn wir jetzt im Bildungsbereich sparen wollen, indem wir etwa krebskranke Lehrer nicht mehr auf Kur schicken dürfen, damit diese sich von ihrer Krankheit erholen können, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Und die Welt unseres Bundeskanzlers schon gar nicht. Der weiß ja nicht, wovon er spricht", zürnt Kimberger dem SPÖ-Bundeskanzler. Grundsätzlich, erklärt er, gebe es längst eine Regelung, dass Lehrer nicht während der Unterrichtszeit auf Kur gehen. "Es sei denn, es wird medizinisch von einem Arzt angeordnet."

Aber auch den Vorwurf, Lehrer würden sich während der Unterrichtszeit, und nicht in ihren langen Ferien, weiterbilden und Seminare besuchen, lässt Gewerkschafter Kimberger nicht auf sich sitzen. "Allein bei uns in Oberösterreich gibt es mehr als 13.000 Pflichtschullehrer, die sich regelmäßig fortbilden müssen. Da ist es doch rein logistisch schon nicht möglich, das nur in den Ferien zu machen."

Die Masse der Veranstaltungen werde zudem ohnehin außerhalb der Unterrichtszeit durchgeführt, viele würden von Freitagnachmittag bis Sonntag in Kursen sitzen. "Da finde ich nichts Schlechtes dran."

Lehrer-Bashing

Was den Chefgewerkschafter an der Diskussion besonders ärgert, ist dass Faymann erneut "rein populistisch ein Thema" angreife. "Mieser geht es nicht, das ist ganz schlimm, was da von Seiten des Bundeskanzlers passiert." Faymann solle stattdessen sagen, dass die Lehrer eine hervorragende Arbeit leisten.

"Diesen Mut hat er noch nie gehabt, weil er sich damit mit den Boulevard-Medien anlegen müsste. Und das tut er nicht, weil er ohnehin dauernd nur den Boulevard bedient." Deswegen wundere es ihn auch nicht, dass Faymann das Thema bei einem SPÖ-Parteitag aufziehe. "Weil ihm der Applaus am Stammtisch lieber ist als eine wirklich faire Auseinandersetzung mit einer Berufsgruppe, die die Zukunft Österreichs mitgestaltet. Wir sind aber eh nichts anderes von ihm gewohnt."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.