Politik | Inland 14.02.2018

Strache teilt heftig gegen Medien aus

Rollentausch: Im Vorjahr als Oppositionspolitiker, nun als Vizekanzler in Ried © Bild: KURIER/Franz Gruber

FPÖ-Chef: "Dem ORF glaub ich nicht einmal die Uhrzeit".

"Tauscht die Politiker aus", rief Heinz-Christian Strache in der ausverkauften Jahnturnhalle in Ried im Innkreis seinen 2000 Anhängern zu. Freilich, das Zitat stammt aus dem Vorjahr, der besagte Auftritt fand am 1. März 2017 statt und seither hat er vor allem selbst einen Rollentausch vollzogen.

Vom scharfzüngigen, mitunter polternden und nicht selten derben Oppositionspolitiker, der keinen noch so bösen Gag seines einstigen Redenschreibers und heutigen Innenministers Herbert Kickl auslässt, zum Vizekanzler in einer türkis-blauen Koalition, der vor allem die Regierungsarbeit verkaufen muss. Da hört man noch genauer hin.

Strache: Weichen gestellt

Waren die äußeren Feinde, die die Freiheitlichen im Inneren zusammenhalten, bis zum politischen Aschermittwoch 2017 noch Rot und Schwarz, so sind es heute vor allem der ORF, immer noch die Roten und wie so oft bei solchen Anlässen: die Ausländer und Sozialschmarotzer.

Im Vorjahr bekam nach dem Abwatschen der SPÖ-ÖVP-Regierung auch der damalige Außenminister Sebastian Kurz ordentlich blaues Fett ab. Kurz gebe den "Ankündigungsriesen", sei aber ein "Umsetzungszwerg". Dann folgte besagter Ausruf: "Tauschen wir diese Politiker aus." Die HC-Fans jubelten.Ganz gelungen ist Strache der Austausch nicht: Der von ihm als Ankündigungsriese Kritisierte führt mit ihm die aktuelle Regierung an. Dafür kündigt Strache nun an: "Wir sind gekommen, um zu bleiben." Und sagt in Ried weiter: "Die Weichen für den rot-weiß-roten Schnellzug wurden gestellt und er fährt mit vollem Tempo in die richtige Richtung."

Gedämpfter Applaus für Koalitionsstart

Neben Stehsätzen wie "Antisemitismus und Rassismus haben bei uns nichts verloren!" durften in Ried vor allem die Seitenhiebe auf den ORF und die bei den Blauen verhassten Zwangsgebühren nicht fehlen. Strache rief, schrie fast in die Menge: "Wollt Ihr wirklich noch Zwangsgebühren zahlen?" Und ein gellendes Nein, wie aus einem Mund, war die Antwort aus dem Saal.

Strache, der in seiner gut einstündigen Rede zunächst die Erfolge der ersten sechs Regierungswochen referierte, und nur gedämpften Applaus erntete, begeisterte mit seiner Medienkritik das Publikum. Er geißelte auch Falter und Standard, schoss aber vor allem gegen den ORF etliche Salven ab: "Mich wundert es ja nicht mehr, wenn viele Leute sagen: Dem ORF glaub ich nicht einmal mehr die Uhrzeit." Und weiter: "In ORF1 gibt’s den ganzen Tag Wiederholungen von amerikanischen Fernsehserien, und in ORF2 dürfen einige Redakteure ihre politischen Vorlieben ungeniert ausleben."

Entschuldigung, dann weiter Vorwürfe

Für sein heftig umstrittenes Facebook-Posting gegen ZiB2-Anchor Armin Wolf, das Strache mit "Satire" überschrieben hatte, hat sich der FPÖ-Chef mittlerweile telefonisch bei Wolf entschuldigt. Trotzdem teilte er weiter aus. Strache zitiert gar den Schriftsteller Kurt Tucholsky: "Was darf Satire? Alles!" Das gelte auch, wenn "ein Freiheitlicher einen satirischen Kommentar schreibt", verteidigt Strache sich selbst. Die Linken hätten die Freiheit der Kunst schließlich nicht für sich gepachtet. Strache: "Die dürfen auch wir in Anspruch nehmen."

Strache ein Künstler, ein Satiriker, oder doch nur ein Politiker?

Viel Spott hatte der Chef-Blaue auch für SPÖ-Chef Christian Kern und dessen "Jammersozialisten" reserviert. Im Vergleich mit Kern, so Strache, "war ja sogar Faymann ein Energiebündel voller Tatendrang und echten Steherqualitäten". Nur im "Dirty Campaigning" gegen die FPÖ seien die Roten noch recht aktiv.

Auch Haimbuchner attackiert ORF

Schärfer als Strache trat in Ried nur OÖ-Landeshauptmann-Vize Manfred Haimbuchner auf. Er sagte etwa: "Ein Ende der GIS-Gebühren bedeutet auch ein Ende der verdrehten Realitäten."

Straches Fans haben für dessen neuen Tonfall vollstes Verständnis: "Bei HC wird jetzt jedes Wort auf die Waagschale gelegt. Er ist unter Dauerbeobachtung", sagen Ferdl und Gertschi Weinberger. Vater und Sohn sind begeisterte Freiheitliche, der Senior seit Jörg Haiders Tagen bei jedem politischen Aschermittwoch in Ried dabei.

( kurier.at ) Erstellt am 14.02.2018