Befürchtet Ausverkauf der Neutralität: FPÖ-Chef  HC Strache

© APA/HANS KLAUS TECHT

Wien
10/21/2014

Blauer Aufmarsch mit rot-weiß-roter Masche

In seiner Rede warnte der FP-Chef zum Nationalfeiertag vor Zuwanderung und islamischer Weltherrschaft.

von Johanna Hager

Kurz vor elf Uhr. Noch gibt die Musik im Saal den Takt vor. Und das stete amikale "Grüß dich" gegenüber Fremden wie Freunden, gepaart mit kräftigem Händeschütteln. Man kennt und erkennt sich an der rot-weiß-roten Masche am Revers. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat Funktionäre und solche, die es werden wollen, sechs Tage vor dem Nationalfeiertag zur "Erklärung zur österreichischen Neutralität" ins Wiener Palais Auersperg geladen.

Langer Applaus noch ehe sein Stellvertreter, Johann Gudenus, aus seinem "literarischen Fundus" vorträgt: "Da tritt der Österreicher hin vor jeden und denkt sich seinen Teil, und lässt andere reden." Das Zitat von Grillparzers "König Ottokars Glück und Ende" ist Straches Anfang. Hinter ihm: Die Fahnen der Bundesländer. Vor ihm: Ein bis auf den letzten Platz besetzter Saal mit rund 200 Zuhörern. Auf dem Pult ein bis an den Rand gefülltes Glas Wasser. Er wird es in den kommenden 60 Minuten nicht berühren. Die losen Blätter seiner Rede wird er bald ebenso behandeln. HC ist am Wort. Und in Fahrt.

"Neutralität und Souveränität sind Geschwister. Nur wer souverän ist, kann sich seine Unabhängigkeit bewahren", erklärt er ohne sein ihm eigenes, lautes Sprech-Stakkato. Auf Pseudonyme für die Bundesregierung und Schlagworte verzichtet er indes nicht. Die "unverantwortlichen Verantwortungsträger" würden die Neutralität "sukzessive aushöhlen", ihr Verhalten im Ukraine-Konflikt sei Beispiel dafür. Anstatt wie jüngst Gudenus in Moskau bilaterale Gespräche zu führen, sei die Regierung "am Gängelband". Indem sie sich den EU-Wirtschaftssanktionen angeschlossen hätte, sei sie "als Vermittler unglaubwürdig".

Strache ortet den "Ausverkauf der Neutralität" und erntet Applaus. Ebenso wie für die Befürchtung, dass das Bundesheer "kaputt- und totgespart" werde, was zwangsläufig zu einem Berufsheer und in die NATO führe.

Von der ersten Reihe (Ex-Granden wie Martin Graf) bis zur letzten (Medienvertreter) versucht Strache, mit Zahlen gespickten Argumenten sowie mittels wechselnder Blickrichtung und Gesten zu überzeugen. Auch davon, dass die "selbst ernannten Gotteskrieger der IS" nebst Sarajevo vornehmlich in Wien rekrutiert würden, der Islam den "Weltherrschaftsanspruch" stelle und "kein Land auf dem Planeten so viele Menschen aufgenommen hat wie Österreich." Heißt im Klartext "Warnung vor Massenzuwanderung" und "diese Probleme vor Ort lösen." Vor Ort im Saal läuft die Zeit.

Kurz nach zwölf zitiert Strache Tugendterror-Autor Sarrazin und ist sich gewiss, "bald die stärkste politische Kraft in Österreich zu werden". Applaus. Straches erster Schluck Wasser. Alle stehen. Vielleicht wegen ihm. Sicher wegen der Bundeshymne.

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