Politik | Inland
19.09.2017

Strache gibt Lunacek einen Korb

ORF-Wahlkampfkonfrontation. FPÖ-Chef schickt Hofer in Debatte mit Grüner Spitzenkandidatin.

Sie sind politische Gegner, die Spitzenkandidatin der Grünen, Ulrike Lunacek, und FPÖ-Vize Norbert Hofer. Inhaltlich haben sie nichts gemein, auch ihre Methoden, sich vor einem Fernsehduell zu entspannen, sind völlig unterschiedlich: Vor der Wahlkonfrontation auf ORF2 Dienstagabend zog sich Lunacek zum Nachdenken und Lesen in ihre Wohnung in Wien zurück. Hofer trainierte zu Hause im südlichen Burgenland auf der Rudermaschine. "Das ist seine Art, den Kopf frei zu bekommen", sagt sein Sprecher.

Joker für FPÖ-Chef

Warum Hofer und nicht Strache zum medialen Auftritt mit Lunacek geschickt wurde, ist ganz einfach: Heinz-Christian Strache setzte den ORF-Joker ein und ließ sich von seinem Vize vertreten. Das Fernsehen erlaubt grundsätzlich jedem Spitzenkandidaten, die Teilnahme einmal abzutreten. Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe war die Konfrontation noch nicht im Gange, vorab gab es in den jeweiligen Büros – von Lunacek und Hofer – aber strategische Überlegungen und inhaltliche Vorbereitungen. "Ich möchte mich auf drei Punkte fokussieren: Europa, Klima und Soziales", sagt Lunacek zum KURIER. Sie bezeichnet die FPÖ nur mehr als "Fossile Partei Österreichs" ( FPÖ). Die grüne Spitzenkandidatin will die Blauen entlarven, die Partei der "kleinen Leute" zu sein: "Das Wirtschaftsprogramm der FPÖ ist nur für Superreiche." Freiheitliche lehnen auch die Schenkungs- und Erbschaftssteuer ab. Hofer will sie vorhalten, nach der Brexit-Abstimmung für den Öxit (EU-Austritt Österreichs) gewesen zu. Die Überlegungen der Freiheitlichen, aus der Menschenrechtskonvention auszusteigen, kommt für Lunacek "einem EU-Austritt gleich".

Stromversorgung

Norbert Hofer will auf das Thema Energiepolitik setzen; "auf die Notwendigkeit, die Erzeugungskapazitäten bei Strom auszubauen, weil Österreich immer mehr Strom importiert" hinweisen. Europapolitisch geht es dem Vizeparteichef der FPÖ darum, Brüssel Kompetenzen zu entziehen und sie wieder auf die nationale Ebene zurückzuholen. "Aus für den europäischen Zentralismus", lautet die Devise der Blauen. Entschieden weist Hofers Sprecher zurück, er habe mit seinen jüngsten Äußerungen eine Koalitionspräferenz geäußert: Der FPÖ-Vize gab bereits mehrmals seine parteipolitischen Erfahrungen zum besten: mit der ÖVP kann man sich schnell einig werden, die Beschlüsse hält die Volkspartei dann aber nicht. Mit der SPÖ braucht es sehr lange, danach halten sich die Roten an die Einigung.