Politik | Inland
24.01.2018

Staatsbesuch im Bunker

Mario Kunasek: Der Verteidigungsminister besuchte den sichersten Ort der Republik.

"Die Kurve wurde gebaut, um eine atomare Druckwelle aufzuhalten", erklärt der Fahrer, als sich die Wagenkolonne durch den engen Tunnel bewegt. Wie tief er tatsächlich in den Berg führt, ist geheim. "Staatsgeheimnis", sagt der Offizier des Bundesheers, der die Sicherheitseinweisung gibt. Der Grund für die Sicherheitsvorkehrungen liegt am Ende des Tunnels: Dort befindet sich die sagenumwobene "Einsatzzentrale Basisraum" ( EZB), landläufig als "Regierungsbunker" bekannt.

Auch Verteidigungsminister Mario Kunasek ist beeindruckt – es ist das erste Mal, dass der ehemalige Berufssoldat die EZB besucht.

Als der Kalte Krieg Anfang der 70er Jahre in eine heißere Phase geriet, beschloss die damalige Bundesregierung, einen atombombensicheren Ort zu errichten, von dem aus die Geschicke der Republik weitergeführt werden könnten.

St. Johann im Pongau

Da der Osten Österreichs im Falle einer sowjetischen Invasion nicht zu halten gewesen wäre, fiel die Wahl auf ein Gelände in der Nähe von St. Johann im Pongau. Mit massivem Aufwand sprengten Fachkräfte den Tunnel in den Berg, um in dessen Herz eine gewaltige Kaverne zu schaffen.

Ein langjähriger Mitarbeiter erinnert sich: "Als die Bauarbeiten an der Zentrale begonnen haben, haben die Lastwagen ausgesehen wie Spielzeugautos, so gigantisch war der Hohlraum", sagt er zum KURIER. Mittlerweile steht dort ein fünfstöckiges Haus, das unter anderem die Luftraumüberwachungszentrale des Bundesheers beherbergt.

Dort sieht es auf ersten Blick aus wie in einem James Bond-Film: Reihe für Reihe sitzen Soldaten in einer großen Halle an ihren Bildschirmen und überwachen den Luftraum. Im Sekundentakt läuten Telefone, trotzdem ist von Hektik nichts zu spüren. Fünf Projektoren werfen Lagebilder und Landkarten an die Wand, auf denen sich Punkte in verschiedenen Farben bewegen. "Alles, was in Österreich fliegt, nehmen wir wahr", sagt Major Stefan Ring von den Luftstreitkräften zum KURIER. 1,3 Millionen Flugbewegungen gibt es jährlich in Österreich, im Durchschnitt kommt es einmal pro Woche zu einem Einsatz der Eurofighter. "Sobald sich ein Flugzeug nicht mehr meldet, müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen und gehen in den Einsatz. Zum Glück sind die Hauptgründe dafür technisches Gebrechen oder ein Fehler des Piloten", sagt Major Ring.

Derzeit kommt für die Soldaten im EZB eine weitere Aufgabe hinzu: Noch bis Freitag sichern die Luftstreitkräfte im Rahmen der Operation "Daedalus18" den Luftraum für das Weltwirtschaftsforum in Davos. Hierzu arbeitet Österreich eng mit der Schweiz zusammen – und das grenzüberschreitend.

Im September 2017 schlossen Wien und Bern einen Staatsvertrag ab, der beiden Ländern erlaubt, verdächtige Luftfahrzeuge über die eigenen Staatsgrenzen hinaus zu verfolgen. Dieses "Nacheile" genannte Abkommen will Kunasek auch mit Deutschland abschließen: "Wir sind derzeit in Verhandlungen, grundsätzlich gibt es ein gutes Einvernehmen", sagt der Minister. Schon jetzt sitzen Verbindungsoffiziere aus Deutschland neben ihren österreichischen Kameraden im Bunker. "Dadurch soll eine einheitliche Kommunikation für "Daedalus18" gewährleistet werden", sagt ein Offizier der Luftstreitkräfte.

In einem anderen Stockwerk des EZB arbeiten – durch Gitter und Kameras gesichert – unzählige Computer. Hier befindet sich ein Back-up der wichtigsten Daten des Staates, gleich daneben speichert die EU-Polizeibehörde Europol die ihren. Ein sicherer Ort als die EZB dürfte schwerlich zu finden sein. Auch Kunasek ist davon überzeugt: "In diesen Tagen ist Sicherheit ein notwendiges und wichtiges Thema. Es freut mich, dass hier so hochprofessionell und konzentriert gearbeitet wird."