Bundeskanzler Werner Faymann und IV-Präsident Georg Kapsch im Streitgespräch über Österreichs Bildungspolitik moderiert von Martina Salomon

© KURIER/Jeff Mangione

bildungspolitik
08/22/2013

SPÖ und Industrie gehen ein Stück des Weges

Werner Faymann lud Georg Kapsch und Monika Kircher zum Gespräch über die Zukunft der Bildung.

von Helmut Brandstätter

Es heißt „Kreisky-Zimmer“, obwohl in dem getäfelten Raum am Ballhausplatz schon Bundeskanzler Leopold Figl (ÖVP) regierte. Aber am Mittwochabend wurde man an den Sozialdemokraten Kreisky erinnert, der mit Bürgerlichen „ein Stück des Weges gemeinsam“ gehen wollte. Werner Faymann hatte den Präsidenten der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch und die Chefin von Infineon Österreich, Monika Kircher, gebeten, um gemeinsam über die Zukunft der Bildung zu sprechen.

Tatsächlich sind sich der Sozialdemokrat Faymann und der Industrielle Kapsch, der einmal das liberale Forum unterstützte, in vielen Fragen der Bildungspolitik einig. Die SPÖ will die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen und ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen, wobei Faymann besondern Wert auf verschränkten Unterricht legt. (Das haben heute nur 2 % der Schüler, so wenige wie sonst nirgends in Europa).

Monika Kircher ergänzt: „Es geht nicht darum, dass die Kinder am Nachmittag betreut werden, sondern, dass sie da unterrichtet werden.“ Dafür müsse man den Lehrern allerdings so schnell wie möglich Arbeitsplätze in den Schulen zur Verfügung stellen. Staatssekretär Josef Ostermayer nennt das System des verschränkten ganztägigen Lernens: „Schule ohne Schultasche.“

Widerstand brechen

Kapsch stimmt zu, will allerdings nicht, dass einfach Hauptschule und AHS zusammengelegt werden. Kapsch: „Wir müssen die alten Strukturen verändern, in Zweifel den Widerstand der Lehrer brechen.“ Die Schulen müssten flexibler werden, entsprechend den neuen Anforderungen im Beruf. „Die Realität der Lehrer und die Realität im Berufsleben driften auseinander.“

Darüber hinaus sieht Kapsch ein besseres Schulsystem sogar als Voraussetzung für mehr direkte Demokratie, wo doch im Moment rund ein Fünftel der 15-Jährigen nicht sinnerfassend lesen könne. Der High-Tech-Industrielle mit dem traditionellen Namen will neue Formen im Unterricht. Das würde etwa durch die teilweise Auflösung der Klassenverbände möglich.

Ja zu Eliten

Das und andere Fragen der Schule sollten die Eltern auch gegen die Lehrer entscheiden können. Kapsch: „Die Schüler sollen nicht mehr Produkt der Schulen sein, sondern müssen als Kunden behandelt werden.“ Und er fordert die Förderung von Begabungen. „Wir brauchen Eliten.“

Eliten? Das war früher ein Reizwort für die Sozialdemokratie. Nicht für Faymann. „Es muss nur jeder die gleiche Chance haben, zur Elite zu gehören.“ Kirchers erklärtes Bildungsziel: „Wir müssen jedes Kind an seine individuelle Höchstgrenze bringen.“

Das führt zur Frage, warum denn Österreich im internationalen Vergleich der Bildungssysteme so stark zurückgefallen ist. Faymanns Befund: „Bei uns sind die Widerstände in der Politik stärker als anderswo, dazu kommt die Mischung aus Föderalismus und Lehrergewerkschaft.“ Auch hier sind sich der Kanzler und der Unternehmer einig.

Das gilt auch für das neue Lehrerdienstrecht. Da gehen Faymann und Kapsch von der raschen Verabschiedung eines Gesetzes nach der Wahl aus.

Die Verkürzung der Ferien ist vorerst kein Thema. Faymann meinte nur schnippisch: „Viele Lehrer sind ja der Meinung, dass sie die Ferien für Erholung und Weiterbildung nutzen.“

Parteien aus der Schule

Infineon-Chefin Kircher sieht zumindest einen Fortschritt in der Abschaffung der Bezirksschulräte. Aber die Managerin, die einmal SP-Vizebürgermeisterin von Villach war, hebt geradezu dramatisch die Stimme, wenn sie meint: „Die Parteien gehören endlich raus aus der Schule!“

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