Kowall geht aus ökonomischen Gründen als Manager nach Düsseldorf

© Kurier/schraml wilhelm

Parteitags-Nachwehen
12/02/2014

SPÖ-Rebell: "Ich habe Faymann gewählt"

Kanzler-Kritiker Kowall: "Schafft er keine gute Steuerreform, ist er ohnehin Geschichte".

von Bernhard Gaul

Acht Jahre lang war Nikolaus Kowall dem Führungskader seiner Partei SPÖ mehr als ein Dorn im Auge. Er galt als aufmüpfig, rebellisch, ideologisch sattelfest und beharrlich. "Dabei habe ich die Leitung der Sektion 8 immer nebenbei gemacht, in meiner Freizeit", sagt Kowall im Gespräch mit dem KURIER.

Jetzt legt er sein Amt zurück, aus "ökonomischen Gründen" geht er nach Deutschland, und wird dort Geschäftsführer einer Forschungsförderungsgesellschaft. "Eine Rückkehr in die Politik schließe ich deshalb aber nicht aus. Politik ist mein Leben, ich arbeite auch weiter wissenschaftlich in dem Gebiet." Sein Credo: "Ich möchte beim Versuch, den Neoliberalismus auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen, meinen Beitrag leisten."

Anti-Glückspiel-Kampf

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden Kowall und seine Sektion 8 im Jahre 2011, als sie beim Wiener SPÖ-Parteitag einen Antrag für ein Verbot des Automaten-Glücksspiels gegen den Willen der Parteispitze durchsetzen konnten. Das Gesetz dazu tritt mit Jänner 2015 in Kraft, auch wenn der Glücksspielkonzern Novomatic angekündigt hat, das Verbot nicht akzeptieren zu wollen. "Diese Form des Glücksspiels verursacht ein soziales Elend von enormem Ausmaß. Aber bei unserem Antrag ging es auch darum, exemplarisch zu zeigen, dass es möglich ist, einen mächtigen Konzern mit seinen Lobbys in Schach zu halten, und dass die Demokratie noch immer etwas zu sagen hat", erklärt Kowall. "Deswegen ist es so wichtig, dass die Politik jetzt keinen Millimeter nachgibt. Wenn sie das nicht schafft, muss man sich fragen, wer in unserem Land eigentlich regiert."

Überraschend ist, dass Kowall beim Parteitag am vergangenen Freitag Faymann bei dessen Wiederwahl als SPÖ-Chef nicht gestrichen hat. "Das hatte pragmatische Gründe", erklärt der 32-Jährige. "Ich finde, dass es keinen Sinn macht, Faymann in der aktuellen Situation zu schwächen, er ist ja jetzt schon in den Umfragen hinter Mitterlehner. Faymann soll aber mit guten Karten in die Verhandlungen über eine Steuerreform gehen können, damit wir auch wirklich dem Problem der Vermögenskonzentration durch gerechte Vermögenssteuern begegnen können", erklärt der Ökonom. Kowall: "Wenn Faymann bis spätestens März kein gutes Ergebnis bei der Steuerreform nach Hause bringt, eines das für uns annehmbar ist, dann ist diese Bundesregierung und Kanzler Faymann ohnehin Geschichte. Warum Faymann also jetzt schwächen?"

Einen Nachfolger für Faymann sieht Kowall derzeit ohnehin nicht in der SPÖ. Nicht einmal ÖBB-Chef Christian Kern, dessen Name immer wieder genannt wird? "Das glauben echt nur die Medien. Der existiert aus meiner Sicht in der SPÖ gar nicht."

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