SPÖ-Debakel: "Zerrieben zwischen den Extremen"

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Foto: REUTERS/HEINZ-PETER BADER Der kühle Wind, der am Sonntag durch Wind blies, war ein böser Vorbote: Rudolf Hundstorfer und die SPÖ stürzten dramatisch ab

Sind nur das Flüchtlingsthema und ein desaströser Wahlkampf schuld?

Werner Gruber war einer der wenigen, die noch Appetit hatten. "Die Brötchen müsst’s probieren, die sind großartig", raunte der SPÖ-affine Promi-Physiker und Hundstorfer-Fan Sonntagabend Besuchern in der Wiener Löwelstraße zu.

Doch es half nichts. Die wenigen, die in der SPÖ-Zentrale die Stellung hielten, hatten keinen Gusto – das Wahlergebnis schlug zu sehr auf den Magen, und Klubchef Andreas Schieder sagte, was viele dachten: "Wir werden an diesem Ergebnis noch lange kiefeln."

Die Sozialdemokratie bzw. die Kanzlerpartei waren chancenlos an diesem Tag – man darf, ja muss das so sagen, alles andere wäre Realitätsverweigerung.

Die politische Großwetterlage, sprich das Flüchtlingsthema und möglichen Grenzschließungen, das war das eine.

Hinzu kam freilich, wie namhafte Funktionsträger am Abend bestätigten, ein miserabler Wahlkampf.

BP-WAHL: OPEN HOUSE - SCHMID Foto: APA/MICHAEL GRUBER Personelle Konsequenzen schlossen Parteichef und Parteimanager Gerhard Schmid trotzdem aus "Wenn man bis Jänner wartet, um über Botschaften und Sujets nachzudenken, dann darf man sich nicht wundern, wenn der Start holpert und es danach flott bergab geht", sagt ein SPÖ-Stratege zum KURIER.

Tatsächlich haben namhafte Berater die Parteispitze schon im Sommer 2015 (!) gewarnt, dass Rudolf Hundstorfer nicht annähernd die Popularitätswerte habe, die ihm hochrangige Genossen gerne zugeschrieben haben.

Auch oder gerade deshalb zirkuliert seit Wochen eine garstige Theorie, die nach der Schlappe zumindest nicht an Plausibilität eingebüßt hat. Sie geht so: Insbesondere Wiener Genossen, die Hundstorfer nicht wohlgesonnen sind, hätten ihn und die Partei in eine Kandidatur getrieben. Das Kalkül: Der Sozialminister würde nach einer Niederlage endgültig für den Posten des Wiener Bürgermeisters ausfallen.

Tatsache ist, dass Hundstorfer lange zögerte, ehe er sich für die Aufstellung entschied.

"Der Rudi wollte wirklich Präsident werden. Aber er konnte es im Wahlkampf nicht rüberbringen", sagt ein Hundstorfer-Freund.

BP-Wahl 2016_Hundstorfer… Foto: Kurier/Juerg Christandl "Die Extreme wurden unterstützt, das Regierungsamt war leider ein Rucksack", sagte Hundstorfer selbst.

Und wie geht’s in der SPÖ weiter? Parteichef Werner Faymann lud Sonntagabend einen kleinen Kreis um sich, man beriet das Desaster.

Für Politikberater und Ex-SPÖ-Kanzler-Sprecher Josef Kalina gibt es angesichts der Niederlage nur eine mögliche Strategie: "Regierung und SPÖ müssen in den nächsten zwei Jahren bei zentralen Reformen wie der Bildung oder am Arbeitsmarkt Stabilität vermitteln." Kalina ist ein alter Hase. Deshalb sagt er auch dazu: "Ich bin mittlerweile aber skeptisch, ob SPÖ und ÖVP das noch gelingt."

(kurier) Erstellt am
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