Laura Rudas: "Bewegte Zeit" bei der SPÖ.

© Reuters/HERWIG PRAMMER

SPÖ
02/25/2014

Abgang einer Ungeliebten: Rudas sagt Adieu

Laura Rudas beginnt Studium an Elite-Uni Stanford. Kostenpunkt: 120.000 Euro.

von Bernhard Gaul

Laura Rudas, sie wird in wenigen Tagen 33 Jahre alt, gab ihren Rücktritt als Bundesgeschäftsführerin und Nationalrats-Abgeordnete der SPÖ bekannt. Kein Skandal bewog sie zum Abgang, sondern eine Studienplatzzusage von der renommierten Stanford-Universität in den USA. Im Internet löste die Meldung sofort eine Welle von Spott und Häme aus, in kürzester Zeit gab es Tausende vorwiegend negative Reaktionen und untergriffige Kommentare in den Internetforen. Rudas wird darüber nicht verwundert gewesen sein. Seit sie in der Bundespolitik ist, musste sie viel Kritik einstecken.

Neid

Das hat wohl auch mit ihrer ungewöhnlich steilen Karriere in der SPÖ zu tun. Rudas kommt aus einer Wiener SPÖ-nahen Familie, ihr Vater, der Psychiater Stephan Rudas, war Erfinder und Gestalter der Wiener Psychiatrie-Reform. Laura Rudas drängte schon in jungen Jahren in die Politik.

"Sie ist immer nur nach oben gefallen", erzählt ein roter Parlamentskollege. Als Mitglied der "Jungen Roten" war sie anfangs "Günstling" von Wiens SPÖ-Chef Michael Häupl, der es ihr ermöglichte, mit 22 Jahren Bezirksrätin in Wien und ein Jahr später Gemeinderätin zu werden. Und es war der ehemalige Wiener StadtratWerner Faymann, der dann als Bundeskanzler die 26-Jährige ins Parlament holte, und ein Jahr später zur SPÖ-Bundesgeschäftsführerin machte. Der Kanzler hielt immer große Stücke auf "die Laura", und: "Man solle doch die Jungen machen lassen."

Die "Junge vom Kanzler" blieb sie bis heute.

Nicht wenige in der SPÖ dürften sich freuen, dass Rudas jetzt weg ist. Lange galt sie als "geistige Flachwurzlerin", die am Rednerpult im Plenum unbeholfen agiert, und auch sonst meist nur einstudierte Polit-Floskeln von sich gibt. Dass sie, so wie ihre Freunde von den "Jungen Roten", nur politische Karriere im Sinn habe, statt einer besseren, weil sozialdemokratischeren Welt. Obwohl sie in den letzten Jahren persönlich gereift sei, hört man aus der SPÖ, und ideologisch weitaus fundierter als so manch andere SPÖler.

Als Bundesgeschäftsführerin blieb sie jedenfalls ohne Fortune: Die SPÖ ist mit zuletzt 26,8 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit ihrer Gründung, verloren wurde auch die Bundesheer-Abstimmung 2013. Allerdings war Rudas nie die Nummer eins in der Löwelstraße: Anfangs agierte sie neben Günther Kräuter, mit dem sie sich bald völlig zerkrachte. Dann kam vor einem Jahr Norbert Darabos, der auch den roten Wahlkampf alleine managte.

"Sie hat immer getan, was von ihr verlangt wurde, aber ihr größtes Problem in der Parteizentrale war sicher, dass es nie ein klares Aufgabenprofil gab, was sie eigentlich machen soll", verteidigt sie eine Mitstreiterin.

Rudas weiß selbst, dass sie polarisiert. "Das war schon immer so. Ich halte es durchaus aus, nicht von jedem geliebt zu werden", sagte sie im vergangenen Jahr in einem Interview (siehe unten).

Privat ist Rudas mit dem Internet-Unternehmer Markus Wagner liiert, der durch den Verkauf seines Start-ups vor ein paar Jahren zu viel Geld gekommen ist. Er soll sie zum Studium in Stanford überredet haben. Kosten laut Homepage: Rund 165.000 Dollar, das sind 120.000 Euro. Dafür darf sich Rudas danach "Master of Science in Global Innovation and Leadership" nennen.

Eine Rückkehr in die Politik hat sie ausgeschlossen.

Steile Karriere

Roter Werdegang Laura Rudas, geboren am 10. März 1981, war in der SPÖ seinerzeit so etwas wie ein Jungstar. Rudas war mit 22 Bezirksrätin, mit 23 Gemeinderätin, mit 26 Abgeordnete im Parlament und mit 27 Bundesgeschäftsführerin in der Wiener Löwelstraße.

Umstritten Danach verglühte ihr Stern. Die SPÖ ist heute mit 26,8 Prozent auf dem niedrigsten Stand ihrer Geschichte, auch die Abstimmung für ein Berufsheer misslang. Rudas war zuletzt auch Bildungssprecherin im SPÖ-Klub.

Es gibt ein Leben nach der Politik

Wenn das kein schwerer Schlag für die Kabarett-Szene des Landes ist: Laura Rudas zieht sich aus der Politik zurück! Jetzt aber im Ernst: Es ist vernünftig, wenn jemand nicht ewig Berufspolitiker bleiben will, speziell wenn man, wie Rudas, schon mit 23 Jahren in die Politik eingestiegen ist. Das Risiko ist groß, zum ältlichen, zynischen Berufsjugendlichen zu erstarren, leider unvermittelbar am "echten" Jobmarkt. Rudas erspart sich damit hoffentlich später einen Versorgungsjob à la Josef Cap (im Renner-Institut).

Politische Jungstars dürfen mit besonders hoher medialer Aufmerksamkeit rechnen, siehe Sebastian Kurz. Anfangs war er völlig unterschätzt, mittlerweile gilt er absurderweise als einzig verbliebene Zukunftshoffnung der ÖVP, was eine klare Überschätzung ist. Als Nachfolger für Michael Spindelegger ist er frühestens in zehn Jahren so weit. Und die Gefahr, dass sich "Mister Babyface" als Außenminister gerade verheizt, ist noch keineswegs gebannt, auch wenn seine Lernfähigkeit und Sozialkompetenz hoch sind. Für Kabarettisten und Karikaturisten war er in letzter Zeit jedenfalls kein gefundenes "Fressen", während Rudas (vor allem im Doppelpack mit Niko Pelinka) geradezu Kultstatus erlangte. Die SPÖ zog daraus spät die Konsequenzen und verräumte sie ein wenig, ohne sie offiziell zu degradieren.

Klar ist dennoch: Die Parteien brauchen Jungtalente, um ihre Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen, neben den gestandenen politischen Profis natürlich. An beidem mangelt es derzeit eklatant, weil die Politik diskreditiert ist – ein Teufelskreislauf. Rudas steigt jetzt, mit erst 32 Jahren, wieder aus. Man wird ihr nicht nachweinen. Es bleibt die Frage, wie man mit Jungen in der Politik umgehen soll und wie ihr Interesse dafür geweckt werden kann. In Zeiten der Hypo-Aufarbeitung kein einfaches Unterfangen.

Rudas: "Clique? Klingt nach Verschwörung“

KURIER: Frau Rudas, wird in der SPÖ wirklich nicht mehr inhaltlich diskutiert?

Laura Rudas: Wir diskutieren intern viel. So viel wie jetzt wurde zwischen Bundes-, Landespartei und anderen Teilen der SPÖ nie diskutiert. Die Frage ist: Nützen uns Diskussionen nach außen? Medial heißt es dann: Es wird gestritten und die SPÖ hat keine Position. Niemand lobt dann die offene Sozialdemokratie, in der es Positionen und Debatten gibt. Als Bundesgeschäftsführerin kommuniziere und verteidige ich, was die SPÖ macht. Mir muss es am Ende darum gehen, die Sozialdemokratie zu stärken.

Und der Vorwurf, dass in der SPÖ nur unkritische Junge Karriere machen können?

Ist falsch. Ich versuche, junge Leute zu unterstützen. Wichtig ist für mich nur eines: Wie gut sind sie? In der SPÖ arbeiten viele junge Leute aus Vorfeldorganisationen, die oft auch inhaltlich sehr kritisch sind. Und es gibt natürlich auch einige, die sagen: Ich will mich politisch engagieren, aber beruflich in einem anderen Bereich als in der Politik tätig sein.

Hat es keine schiefe Optik, dass von den Jungen Roten alle Karriere machen?

Das war nie eine Organisation, sondern eine Jugendabteilung der SPÖ Wien, die es noch immer gibt! Wir haben Jugendkampagnen gemacht, die meisten von uns waren in der SJ, der Jungen Generation und Bezirksgruppen organisiert. Überzeugung und Engagement dürfen kein Karrierehindernis sein – egal, in welcher Partei man war oder ist.

Wie geht es Ihnen damit, dass Sie immer als „Chefin“ einer Clique gehandelt werden?

Wer soll das sein? Das klingt ein bisschen nach Verschwörungstheorie. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ich mit Kollegen, die jünger sind, auch privat Zeit verbringe. Das wird im KURIER nicht anders sein.

Ärgert Sie die Kritik?

„Kindersoldat“ ist allein deshalb lächerlich, weil ich 30 bin. Es gibt wohl gerade bei mir ein Missverständnis über die Aufgaben einer Bundesgeschäftsführerin bei manchen Kritikern. Und ja, wenn die Kritik nicht inhaltlich ist, ärgert sie mich.

KURIER, 14.01.2012

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