Die neue Bildungsministerin Sonja Hammerschmid

© APA/GEORG HOCHMUTH

Sonja Hammerschmid
05/18/2016

Mitterlehners Logengast wird Kerns Schul-Ministerin

Neo-Ministerin sieht die Lehrer als "Schlüsselpersonen" der Schulreform.

von Bernhard Gaul

Am späten Dienstagvormittag sandte die Rektorin der Veterinärmedizinisches Universität ein Mail an alle Mitarbeiter und die 2255 Studierenden: Sie scheide "mit Wehmut" aus ihrem Amt, schreibt Sonja Hammerschmid, weil sie neue Bildungsministerin wird. "Österreich steht an einem Wendepunkt und ich hoffe, dass ich ein wenig dazu beitragen kann, dass unser Land ein weltoffenes, lebenswertes Land bleibt/wird, in dem Bildung geschätzt und als Chance für Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Frieden gesehen wird."

Monster-Aufgabe

Jetzt übernimmt die studierte Molekularbiologin also eine der schwierigsten Aufgaben der Bundesregierung. Sie muss reüssieren, wo vor ihr Elisabeth Gehrer (ÖVP), Claudia Schmied (SPÖ) und Gabriele Heinisch-Hosek in den vergangenen 20 Jahren gescheitert sind. Als neue Bildungsministerin muss sie versuchen, eine halb ausgegorene Bildungsreform umzusetzen.

Sie muss mit Lehrergewerkschaftern, die als Erfinder des Betons am Verhandlungstisch gelten, Konsens über Mehrarbeit der Lehrer finden (Stichwort Ganztagesschule). Sie muss mit neun Länderchefs, die für Reformen grundsätzlich offen sind, solange sie weder Macht noch Geld verlieren, sinnvolle Kompromisse finden. Und sie muss vor allem das Bildungsniveau des Landes signifikant heben.

Mühlviertlerin

Hammerschmid, die im Juni 48 Jahre alt wird, ist wie Vizekanzler Mitterlehner aus dem Mühlviertel. Sie war auch Logengast des Vizekanzlers am Opernball 2015 und 2016 – allerdings in ihrer Funktion als Chefin der Rektorenkonferenz. Gerüchte, wonach Mitterlehner überlegt haben soll, sie bei der vorletzten Regierungsumbildung zur Wissenschaftsministerin zu küren, werden in ÖVP-Kreisen zwar verneint, zeigen aber, dass Hammerschmid politisch nicht eindeutig zuordenbar ist – oder war.

Bei zwei großen Themen stimmte sie zuletzt sogar mit der Volkspartei überein: Sie hält "moderate Studiengebühren für zumutbar" und ist "pro Zugangsbeschränkungen" an den Unis. Beides Themen, die für die ideologische Basis der SPÖ eigentlich eine No-Go sind.

Bildung als krisenfestes Startkapital

In einem Gastkommentar in der Presse vom März beschreibt sie ihren ungewöhnlichen, weil "statistisch unwahrscheinlichen" Werdegang vom Arbeiterkind zur Uni-Rektorin. Bildung, erzählt sie, sei für ihre nicht-akademischen Eltern "ein krisenfestes Startkapital ins Leben". Sich an der individuellen Begabung und Begeisterung zu orientieren und nicht primär an den Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, das erscheine ihr bei Berufs- und Ausbildungsfragen als zentral.

"Talente verkommen"

Großes Lob hatte sie auch für ihre Lehrer übrig. "Niemand hielt sich unnötig mit meinen Defiziten auf. Was logisch klingt, ist leider in unserem (Schul-)System nicht selbstverständlich, wo durch das verbissene Beheben von Schwächen Chancen verbaut werden und Talente verkommen." Und sie fragt, warum man sich so schwer tue, den Lehrern "den nötigen Respekt zu zollen? Es sollte uns zu denken geben, dass diesen Schlüsselpersonen für die Zukunft unserer Kinder unsere Anerkennung immer wieder vorenthalten wird."

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger, er wurde eben erst wieder gewählt, erklärte, er sei schon gespannt, wie sie ihre Arbeit "in diesem sehr schwierigen Ressort" anlegen werde. Hammerschmied ist schon die vierte Ministerin in seiner Amtszeit.

Sonja Hammerschmid: Eine untypische Karriere

Nach der Schule studierte sie Genetik, wechselte dann zum Forschungsmanagement. Sie leitete beim Wirtschaftsservice aws (Förderbank der Republik) den Bereich Technologie.

Seit 2010 Vet-Med-Rektorin – ohne Professur –, 2015 wurde sie als erste Frau zur Vorsitzenden der Uniko gewählt.

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