Strache sorgt für Quotenrekord

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Foto: ORF/Hans Leitner Hans Bürger (l.) und Heinz-Christian Strache.

Asyl und Wien-Wahl prägten den Polit-Talk. Die besten Sager. Umfrage: Wie beurteilen Sie den Auftritt des FPÖ-Chefs?

Nach Matthias Strolz, Frank Stronach und Eva Glawischnig (Links siehe unten) kam Montagabend Heinz-Christian Strache im Wiener Ringturm beim ORF-Sommergespräch zu Wort. Wir haben die besten Sager des FPÖ-Chefs in Kürze zusammengetragen.

Über das am Montag beschlossene Durchgriffsrecht für den Bund... "Wir brauchen nicht ein Durchgriffsrecht gegen die eigenen Bürger, wir brauchen eine Aufgriffspflicht gegenüber Schleppern."

Über die seiner Meinung nach gescheiterte Asylpolitik der Regierung...  "Sie können nicht mehr über Gemeinden drüberfahren! Da braucht es endlich die direkte Demokratie. Ich habe nur die Angst, dass Rot, Schwarz und Grün das wieder verweigern werden. Dann werden wir ein Volksbegehen initiieren, 'Österrreich zuerst, Teil 2' "

Strache spürt den Rückenwind aus der Bevölkerung, weil... "zwei Drittel der Österreicher die Meinung vertreten, dass diese Regierung sich in die völlig falsche Richtung entwickelt."

Was die SPÖ als Bürgermeister-Partei seiner Meinung nach in Wien verabsäumt... "Es wurden zu wenig sozial leistbare Wohnungen geschaffen. Wir brauchen pro Jahr 5.000 bis 10.000 neue Wohnungen. Wird nicht gemacht!"

Strache sieht sich bereits als Gewinner der Wien-Wahl... "Wir haben tolle Beamte in Wien, die ich auch brauchen werde als Bürgermeister."

2016 steht die Bundespräsidentschaftswahl an. Wen sich Strache in diesem Amt vorstellen könnte... "Frau Dr. Griss und Josef Moser"

Welche Position - in einer Analogie zum Fußball - Herbert Kickl in der FPÖ einnimmt... "Ja, er bleibt Libero, er ist ein exzellenter Libero. Ich bin ein begnadeter Stürmer."

Sieht in der Causa Kickl/Ideenschmiede keine Verfehlung seines Parteikollegen... "Es hat nie Geldflüsse von der Agentur zu FPÖ gegen."

Wo steht Europa 2030?... "Wir wollen keine zentralistische Union. Wir wollen nicht austreten, wir wollen reformieren. Wir wollen ein föderales Europa der Vaterländer"

Über Griechenland, die Eurokrise und einen harten "Nord-Euro"... "Ich denke, dass es wahrscheinlich eine Aufsplittung der Wirtschafträume geben wird."

Zitat aus Einspieler, sowohl von Strache als auch Dagmar Belakowitsch-Jenewein getätigt: "Für was haben wir militärische Transportflugzeuge wie die Hercules? Ich sage: 'Die Hercules umrüsten zu einer Abflugmaschine!' Da können sie dann schreien und sich anurinieren. Da stört’s dann niemanden. Da werden sie abgeschoben."

Im Wordrap

Zur Bundeshymne: "Heimat bist du großer... "Söhne! Da bin ich Traditionalist und singe wie Gabalier."

Die Ampelpärchen... "würde ich als Bürgermeister abschaffen"

Wann Strache zuletzt Kepab gegessen hat... "immer wieder. Ich liebe die Kulinarik aller Länder!"

Sommergespräche

  • Nach Schulnoten: Wie beurteilen Sie den Auftritt Straches?

Nachbericht

Strache kündigt Volksbegehren "Österreich zuerst", Teil 2, an

Sollte die Regierung das Durchgriffsrecht ohne Volksentscheid durchziehen, will ihn die FPÖ erzwingen.

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Foto: ORF/Hans Leitner

Vor zehn Jahren wurde Heinz-Christian Strache FPÖ-Chef. Bei seiner ersten Nationalratswahl 2006 schnitt er mit elf Prozent ab. Zehn Jahre später liegt die FPÖ in allen Umfragen knapp unter 30 Prozent auf Platz  1 und räumt SPÖ und ÖVP bei Landtagswahlen ab.

Die Strache-FPÖ stellt die früheren Wählerrekorde Jörg Haiders ein, ohne dass sich an Strache oder der FPÖ etwas verändert hätte, was diesen Zulauf rechtfertigen würde. "Es sind die Umstände, die für die FPÖ arbeiten", sagt die Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle. Das Umfeld für die FPÖ sei derzeit so günstig, dass sie sich nur selbst gefährden könne, etwa durch allzu große Radikalismen.

Beim Sommergespräch gestern Abend im ORF hatte Strache eine leicht zu bewältigende Aufgabe: Er musste nur Fehler vermeiden. Und das gelang ihm – auch dank eines Interviewers, der Strache unwidersprochen schwafeln ließ – etwa Haiders Tod.

Strache kündigte ein Volksbegehren an, sollte die Regierung das Durchgriffsrecht auf die Gemeinden bei der Flüchtlingsverteilung ohne Volksabstimmung durchziehen. Es werde ein "Österreich zuerst"-Volksbehren, Teil 2. Zur Erinnerung: 1993 hatte auf Betreiben Jörg Haiders ein "Österreich zuerst"-Volksbegehren stattgefunden, gegen das mit dem berühmte Lichtermeer demonstriert worden war.

Mit einem solchen Volksbegehren würde Strache jene Emotionen ansprechen, die in ganz Europa derzeit die Rechtspopulisten begünstigen: Arbeitslosigkeit bzw. die Angst davor, Sparpolitik und Migration. In Österreich sei der Zulauf zur FPÖ jedoch vergleichsweise stark, was hausgemachte Gründe habe. Stainer-Hämmerle: "Die Regierung hat Autorität verloren, der Zulauf zur FPÖ ist Ausdruck von Vertrauensverlust in SPÖ und ÖVP. Die Bevölkerung ist enttäuscht, dass sich SPÖ und ÖVP als unfähig erweisen, Probleme zu lösen."

Die Zeltstädte für Flüchtlinge hätten der Bevölkerung "die Bilder zum Gefühl geliefert". Stainer-Hämmerle: "Natürlich ist da viel Emotion dabei, aber man kann es der Bevölkerung nicht verübeln, wenn man sieht, wie die traditionellen Parteien von der EU-Ebene bis zu den Gemeinden versagen."

Schamgrenze sinkt

Gleichzeitig werde Ausländerfeindlichkeit in Österreich immer salonfähiger. Stainer-Hämmerle: "Seit 2009 weist Österreich einen europäischen Spitzenwert bei Ausländerfeindlichkeit auf, aber niemand reagierte." Unwidersprochen mache die Krone diese Themen salonfähig. Und anders als zu Jörg Haiders Zeiten würden auch die sozialen Medien ihr Scherflein beitragen: "Früher hat man Ausländerfeindlichkeiten am Stammtisch gesagt, und dort blieben sie. Heute postet man sie auf Facebook und verbreitet sie global." Man sollte "nie die Wirkung unterschätzen von dem, was öffentlich gesagt werden kann und was nicht", warnt die Politikwissenschafterin. Die Schamgrenze für Ausländerfeindlichkeit sinke.

Quoten

Strache toppt Stronach

Mit fast einer Million Zuseher schaffen FPÖ-Chef Strache und ORF-Mann Bürger einen neuen Rekord beim TV-Polit-Talk.

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Foto: ORF/Hans Leitner

Neuer Rekord bei den ORF-Sommergesprächen: FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und sein Interviewer, ORF-Innenpolitik-Chef Hans Bürger er, erreichten am Montagabend 992.000 Zuseher. Das entspricht einem durchschnittlichen Marktanteil von 36 Prozent. Das ist der höchste je gemessene Wert eines Sommergesprächs im ORF.

Strache toppte damit den bisherigen Spitzenreiter, Frank Stronach. Dieser kam ebenfalls heuer auf 34 Prozent Marktanteil und 827.000 Zuseher.

Die weiteren, bisherigen Sommergespräche waren für den ORF ebenfalls Quotenbringer: Neos-Chef Matthias Strolz schaffte 563.000 (23 Prozent Marktanteil), die Grüne Eva Glawischnig 628.000 (27 Prozent).

Twitter-Hit Stronach

Auch auf Twitter beschäftigte Strache: Laut der Social-Media-Agentur BuzzValue gab es knapp 6000 Tweets zum gestrigen Sommergespräch. Bei Stronach waren es insgsamt 6900 Tweets gewesen.

Deutlich dahinter die "Hoch-Sommergespräche": Matthias Strolz (Neos) kam auf fast 2800 Tweets, Eva Glawischnig (Grüne) auf 1732 Tweets.

Artikel zu bisherigen Sommergesprächen

Neos - Matthias Strolz

Team Stronach - Frank Stronach

Grüne - Eva Glawischnig

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(KURIER / sho) Erstellt am