Empfang am Wiener Flughafen: Shimon Peres wurde von Außenminister Sebastian Kurz begrüßt.

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Staatsbesuch
03/30/2014

Shimon Peres in Wien: "Iran ist größte Gefahr für uns"

Israels Staatspräsident Shimon Peres warnte in Wien vor Antisemitismus.

von Margaretha Kopeinig

Außenminister Kurz weiß zu beeindrucken: Zur Begrüßung hat der jüngste Außenminister der Welt dem mit knapp 91 Jahren ältesten Staatspräsidenten der Welt, Israels Shimon Peres, eine Haggada aus dem Jahr 1923 überreicht. Das Geschenk ist doppelt symbolhaft: 1923 ist das Geburtsjahr von Peres und die Haggada ist das Buch, aus dem zu Pessach gelesen wird. Pessach steht bevor und am Vorabend des Festes zur Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei liegt die Haggada am Sedertisch. Aus dem bebilderten Buch werden beim Festmahl mit der Familie Geschichten gelesen.

Sonntagnachmittag gedachte Peres gemeinsam mit Bundespräsident Heinz Fischer der Opfer der Schoah. Beim Mahnmal für die Opfer der Schoah am Judenplatz in der Wiener Innenstadt legten sie Kränze nieder. Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg sprach das Kaddisch-Gebet.

In seiner Rede erinnerte Fischer an die Verfolgungen, die Juden ausgesetzt waren. „Die bei Weitem schlimmsten Verbrechen an Jüdinnen und Juden gab es im 20. Jahrhundert.“ Nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938 wurden rund 100.000 österreichische Jüdinnen und Juden aus ihrer Heimat vertrieben, rund 65.000 Jüdinnen und Juden wurden ermordet. Kritisch bemerkte der Bundespräsident, dass Österreich seine Rolle im Faschismus lange Zeit verschwiegen und den Holocaust verdrängt habe.

Die Schoah sei „eine schreckliche Tragödie für die ganze Kultur“, von Wien aus seien viele Juden in die Vernichtungslager transportiert worden, sagte Peres. „Wir sind verpflichtet, uns daran zu erinnern. Die Worte ’Nie wieder!’ und ’Nie wieder Antisemitismus’ gelten immer.“

Es war Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, der 1991 in einer Rede vor dem Nationalrat die „Mitschuld und Mitverantwortung der Österreicher am Zweiten Weltkrieg und an den Verbrechen der Nationalsozialisten“ angesprochen hatte. Damit ging er als erster österreichischer Politiker von der „Opferthese“ ab.

Zu einem sehr berührenden Zusammentreffen österreichischer Juden mit Peres kam es am Nachmittag. Auf Einladung des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, erzählte Peres im Festsaal des Dorotheums aus seinem politischen Leben. Über das Rezept für seine enorme Energie im hohen Alter wollte er nicht Auskunft geben: „Das verrate ich nicht“, betonte er mit spitzbübischem Lächeln. Auf Fragen der Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera, antwortete Peres humorvoll, manchmal mit einer Prise Ironie. Die größten Veränderungen für den Nahen Osten sieht Peres in der Forschung und darin, dass die Menschen künftig „die Bibel lesen werden wie heute eine Tageszeitung“. Die größte Bedrohung? Irans Atomprogramm. „Der Iran ist für uns und die Welt die größte Gefahr.“

Jeder Zehnte

Nach Österreich kommt er „als Freund“, aber auch „mit gemischten Gefühlen“. Er könne nicht vergessen, dass Anfang der 1920er Jahre jeder zehnte Wiener Jude war. Um das Judentum weiter zu bewahren, empfahl er, „die Kinder jüdisch zu erziehen“ und Zuversicht zu bewahren. Es gebe „keine hoffnungslose Situation“. Und ein Bonmot brachte er auch noch an. „Optimisten und Pessimisten sterben alle gleich, nur ihr Leben verläuft anders.“

Verhältnis Österreich - Israel