Politik | Inland
16.08.2017

Moser wird Finanzexperte der ÖVP

Jörg Haiders früherer Klubdirektor bekommt einen prestigeträchtigen Platz auf der Liste Kurz.

Und plötzlich fehlte nur noch der "Dreier".

Bis auf einen Platz vervollständigte die ÖVP am Mittwoch ihre Bundesliste: Generalsekretärin Elisabeth Köstinger wird hinter Parteichef Sebastian Kurz den zweiten Platz, die früheren Programmchefin und ORF-Burgenland-Moderatorin Gaby Schwarz Platz 4 bekommen.

Und damit blieb nur eine Frage: Wer wird – gemäß dem Reißverschluss-Prinzip – der Herr auf Platz 3?

Am Mittwoch blieben nur noch zwei Namen übrig, beide wurden mehrfach im KURIER genannt: Gottfried Haber und Josef Moser.

Und wie dem KURIER aus zwei Quellen bestätigt wurde, fiel die Wahl nun auf Josef Moser.

Prominenter Platz

Der frühere Rechnungshofpräsident bekommt damit hinter dem Parteichef und seiner Stellvertreterin den prominentesten Platz. Er wird nächster Rechnungshof- und/oder Finanzsprecher der Volkspartei.

Offiziell wollte die ÖVP die für Donnerstag geplante Präsentation des 62-Jährigen nicht bestätigen.

Und auch in einer anderen Wirkungsstätte Mosers, dem Wirtschafts-Thinktank ecoAustria, gab man sich eher wortkarg. "Josef Moser ist Präsident von ecoAustria, das ist der aktuelle Stand", sagte Direktor Tobias Thomas zum KURIER. Das ändert freilich nichts daran, dass der gebürtige Kärntner ab sofort im Team Kurz spielt.

Für die Volkspartei ist der gelernte Jurist aus vielerlei Gründen interessant: Zunächst einmal kennt er das Parlament und die Bundespolitik aus erster Hand.

Bereits in den 90er-Jahren orchestrierte er als Klubdirektor und Vertrauensmann Jörg Haiders die Geschicke des Freiheitlichen Parlamentsklubs.

Aus dieser insgesamt elf Jahre währenden Zeit stammt auch eine Geschichte, die seinen Ruf bis heute belastet: die "Plastik-Sackerl-Affäre" (laut Aussage eines FPÖ-Chauffeurs soll Moser eine Parteispende über fünf Millionen Schilling im Sackerl übernommen haben; Moser stellt das in Abrede).

Kein Ideologe

Moser selbst stellt in Abrede, ein "klassischer Freiheitlicher" bzw. Ideologe zu sein.

Er war nie Parteimitglied und betont bei Gesprächen im kleineren Kreis stets, dass er Jörg Haider vor allem wegen dessen "Kritik am System" unterstützt habe. "Außerdem", so Moser, "hat mir Jörg Haider bei allen Entscheidungen immer freie Hand gelassen".

Wie viel oder wenig Moser mit der FPÖ tatsächlich am Hut hatte oder hat, das ist für die ÖVP wahltechnisch ohnehin sekundär – Moser wird bis heute als Freund Jörg Haiders und damit als dezidiertes Angebot an FPÖ-affine Wählergruppen wahrgenommen.

Ein weiteres, wenn nicht sogar das entscheidende Motiv, warum die Volkspartei den früheren Beamten der Kärntner Finanzlandesdirektion verpflichtet hat, ist der Rechnungshof. "Diese Institution hat einen ausnehmend guten Ruf und wird in der Bevölkerung mit vielen positiven Eigenschaften verknüpft", sagt ein ÖVP-Stratege. Moser war zwölf Jahre Chef des Rechnungshofs. Und in dieser Zeit hat er sich eisern an eine Regel gehalten, die seinem Ruf durchaus zuträglich war: Moser sprach nur zu Missständen, die seine Mitarbeiter zuvor geprüft hatten. Anders gesagt: Immer, wenn sich Moser zu kritischen Themen wie dem reform-bedürftigen Pflegegeld zu Wort meldete, hatte er Prüfberichte als Grundlage.

Mit Mosers Präsentation ist die ÖVP-Bundesliste komplett. Auf Platz fünf kandidiert Ex-Grünen-Politiker Efgani Dönmez, Platz sechs geht an Opernball-Organisatorin Maria Großbauer. Dahinter folgen Mathematiker Rudolf Taschner, Polizei-Vizepräsident Karl Mahrer und die frühere Stabhochspringerin Kira Grünberg.