Politik | Inland
13.01.2012

Schuldenbremse: Österreicher wollen künftig länger arbeiten

Zwei Drittel sind überzeugt: Das reale Pensionsantrittsalter von 58 sollte um zumindest zwei Jahre angehoben werden.

Fast zwei Drittel der Österreicher unterstützen den Plan der Bundesregierung, den Zulauf in die Frühpension einzudämmen. Laut einer OGM -Umfrage für den KURIER sind 60 Prozent der Befragten dafür, die Invaliditätsrente durch ein befristetes Rehabilitationsgeld ersetzen.

„In der Bevölkerung hat sich die Meinung verfestigt, dass hier oft Missbrauch betrieben wird. Das zeigen auch Untersuchungen zur Hacklerregelung“, sagt OGM -Chef Wolfgang Bachmayer. Bemerkenswert ist für den Meinungsforscher, dass die Altersgruppe der Über-50-Jährigen mit 69 Prozent die größte Zustimmung zum Regierungsplan aufweist. „Wäre man zynisch, könnte man sagen: Für diese Gruppe, die anteilsmäßig die meisten Pensionisten hat, gilt das Prinzip: Wir haben das rettende Ufer, sprich die Pension erreicht, jetzt können die Regeln strenger werden.“

Die aktuelle OGM-Umfrage zeigt, dass die Österreicher auch generell Änderungen beim Pensionsantrittsalter akzeptieren: Für 37 Prozent ist es gut und richtig, das tatsächliche Antrittsalter (58 Jahre) um zwei Jahre zu heben; 30 Prozent halten sogar vier Jahre für klug. Bachmayer: „Nicht zuletzt durch die Berichterstattung über die Entwicklungen bei den Pensionen sind die Menschen überzeugt, dass wir Reformen brauchen.“

Reflexe

Noch unentschieden ist das Ergebnis bei der Frage, welche der Regierungsparteien sich bei der Auseinandersetzung um das Sparpaket eher durchsetzt: 33 Prozent glauben, die SPÖ mit ihrem Wunsch nach neuen Vermögenssteuern; 41 Prozent setzen auf die ÖVP, die die Staatsfinanzen „vor allem durch Sparen“ in Ordnung bringen will.

Für OGM -Chef Bachmayer ist der „Vorsprung“ der ÖVP überraschend. Inwiefern? Bachmayer: „Bei der Frage, wer sich durchsetzt, antworten die Menschen meist unbewusst, was sie selbst für klug halten.“

Da der Satz „Der Staat muss sparen“ meist „reflexartig“ von einer großen Mehrheit der Österreicher unterstützt wird, seien die 41 Prozent bei der ÖVP „fast überraschend wenig“.

Pensionsreforms-Pläne: Von Reha-Geld & höheren Abschlägen

Im vergangenen Jahr hat sich der Anstieg in die Frühpension eingebremst. Das geht aus jüngsten Zahlen des Sozialministeriums hervor. Demnach gab es 2011 gegenüber dem Jahr 2010 mit 27.969 neu zuerkannten Invaliditäts- und 23.540 Hacklerpensionen einen Rückgang um 5,5 %.

Hauptgrund ist für Sozialminister Rudolf Hundstorfer ( SPÖ), dass vor einem Antrag auf Invaliditätspension eine berufliche Rehabilitation geprüft wird. Das Sparpaket soll Maßnahmen enthalten, die dazu führen, dass das faktische Antrittsalter bis 2020 um ein paar Jahre steigt.

Verhandelt wird: Umwandeln der Invaliditätspension in ein befristetes Reha-Geld zwecks Erhalten der Arbeitsfähigkeit; höhere Abschläge pro Jahr Frühpension; Pönalen für Arbeitgeber, die Ältere kündigen; Ausbau von Gesundheits-Präventionsprogrammen in Betrieben.