Von der Innenpolitik, der EU, bis zur Kunst: Erhard Busek ist überall zu Hause

© KURIER/Jeff Mangione

Bücher
09/13/2014

"Schüssel ist als einziger Schmerz geblieben"

Der ehemalige ÖVP-Vizekanzler und Europa-Aktivist Erhard Busek zieht Bilanz über sein Leben.

von Margaretha Kopeinig

Präsidentschaftswahlkampf 1992: Als Parteichef ist Erhard Busek dafür verantwortlich, Thomas Klestil in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die ÖVP präsentiert Klestil als Familienmenschen an der Seite seiner damaligen Ehefrau Edith. Busek merkt, dass Klestil darüber nicht erfreut ist und holt Rat bei dessen Mitarbeiterin, der Diplomatin Margot Löffler. Dabei wird er rasch konkreter: "Ich fragte Frau Dr. Löffler, wie sie damals hieß, wie man Thomas Klestil behandeln müsse. Sie ging mir in die Falle, denn sie antwortete: ,Wie ein Kind.‘ Das allerdings sagt man nur, wenn man ein besonderes persönliches Verhältnis hat..." Erhard Busek schont in seiner spannenden Autobiografie "Lebensbilder" nichts und niemanden – auch nicht sich selber.

In einem Akt öffentlicher Selbsttherapie schreibt sich Busek auch den Schmerz über die plötzlich verlorene Freundschaft zu Wolfgang Schüssel von der Seele. Schüssel habe ihn bis an sein Ende in der Bundes-ÖVP und in der Regierung tadellos unterstützt, "nur nachher hatte ich das Gefühl, dass diese Beziehung wie abgerissen war. Ich geniere mich nicht dafür, einzubekennen, dass ich darunter leide", schreibt Busek und gesteht: "Diese Beziehung zu Wolfgang Schüssel ist der einzige Schmerz, der mir aus der politischen Zeit geblieben ist."

Egal welche Seite man aufschlägt, das Buch Buseks ist voll von persönlichen Erinnerungen aus seinem politischen Alltag vergangener Jahrzehnte, herrlichen Anekdoten, weisen Ratschlägen und philosophisch-religiösen Abhandlungen. Der Vollblut-Politiker und engagierte Humanist formuliert geistreich und mit viel Ironie.

Überzeugend wirkt sein Bekenntnis, durch und durch ein urbaner Mensch zu sein. Trachtenanzüge und Volkslieder waren ihm lange suspekt, doch Dirndl-Designerin Gexi Tostmann hat ihn von Janker und Leinenhosen überzeugt und ihm noch viele grüne Ideen mit auf dem Weg gegeben. Heute lassen ihn Wiens Grüne hingegen ratlos zurück: Die denken nur an Radfahren und Mariahilfer Straße.

Gekonnt nimmt er seine konservative ÖVP aufs Korn: In den 1970er-Jahren, als Bruno Kreisky längst Kanzler mit absoluter Mehrheit war, gab es in der Parteizentrale immer noch ein "Kanzlerzimmer". Busek scheut sich auch nicht, Freund und Feind klar zu benennen, am liebsten innerhalb seines politischen Biotops. "Was man mir eigentlich vorgeworfen hat, weiß ich nicht, aber ein geringerer Wählerabstand zwischen ÖVP und SPÖ war offensichtlich zu wenig, um mir eine weitere Amtsperiode zu sichern", beklagt er seinen Sturz im Jahr 1995. Vorbereitet wurde dieser damals federführend von einem gewissen Michael Spindelegger. Das trägt diesem bis heute in Buseks Autobiografie die explizite Bezeichnung "Nicht-Freund" ein.

Busek teilt nicht nur aus, er übt auch Selbstkritik – ohne zu unterschlagen, dass er vieles besser gewusst und gemacht hätte. Dafür zitiert er gerne Josef Pühringer: "Der Busek ist zu gescheit für die Politik."

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