Verteidigungsminister Norbert Darabos wechselt von der SP-Bundesparteizentrale in die rot-blaue Koalition ins Burgenland

© Gilbert Novy

Politik von innen
06/10/2015

Schrecknis Berufsfunktionär

Schicksale wie die von Darabos und Cap vergällen die Lust aufs Politikmachen.

von Daniela Kittner

Er ist persönlich sympathisch, gebildet und hätte das Zeug zu einem guten Politiker gehabt. Er galt als ein Hoffnungsträger der SPÖ.

Wendehals

Nach ziemlich genau zwölf Jahren in der Bundespolitik ist die Bilanz ernüchternd. Norbert Darabos gilt heute als Beispiel dafür, was die Politik einem Menschen antun kann. Ein "Darabos-Schicksal" steht für so ziemlich alles Abschreckende an der Parteipolitik: Haltungslosigkeit, Wendehalsigkeit, öffentliche Demütigung.

Einige Zitate charakterisieren das Schicksal des Burgenländers.

"Er hat das große Los gezogen", sagte der damalige Kanzler Alfred Gusenbauer, als er den Zivildiener ausgerechnet im Heeresressort zum Minister machte. Gusenbauer bestritt stets die abwertende Absicht seiner Aussage – dennoch kam sie als pure Verhöhnung rüber.

Wehrpflicht-Schwenk

Es sollte noch schlimmer kommen: Michael Häupl richtete dem Verteidigungsminister über die Krone aus, dass die SPÖ die Wehrpflicht fallen lasse. Der Minister, der die Wehrpflicht kurz zuvor noch "in Stein gemeißelt" hatte, musste auf Berufsheer-Linie schwenken. In der Kampagne vor der Volksbefragung wurde Darabos von der SPÖ hängen gelassen, musste aber danach die Niederlage auf seine Kappe nehmen.

Am Ende stand er als wendehalsiger Verlierer da und war als Minister nicht mehr tragbar. Er flüchtete aus der Regierung in die Parteizentrale und wurde Bundesgeschäftsführer. Zum Abschied von dort übergießt ihn Häupl noch mit Häme. Er wünsche sich nun aber "einen richtigen Parteisekretär", ätzt der Bürgermeister.

Selbst-Demontage

Darabos besitzt allerdings auch ein schräges Talent zu Selbst-Demontage. "Rot-Blau wird ein gelungenes Experiment", befundete er als Bundesgeschäftsführer einer Partei, deren Doktrin seit fast 30 Jahren lautet, mit der FPÖ keine Koalition zu machen.

Seine künftige Rolle als burgenländischer Landesrat in der rot-blauen Koalition definierte er gestern wiederum so: "Ich werde ein Bollwerk gegen die FPÖ sein."

Situationselastisch bis zum Abwinken.

Einst eine "Zukunftshoffnung" der SPÖ

Er ist persönlich sympathisch, gebildet und hätte das Zeug zu einem guten Politiker gehabt. Er zählte dereinst zu den Zukunftshoffnungen der SPÖ.

Für Josef Capgilt in jeder Hinsicht das gleiche wie für Darabos. Auch er wurde vom Hoffnungsträger zum Sinnbild für einen prinzipienlosen Berufsfunktionär. Interessanterweise steht auch das "Cap-Schicksal" in Verbindung mit dem Burgenland und Rot-Blau.

Cap wurde als Juso berühmt, weil er dem machtbewussten burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery dessen Abgehobenheit vor Augen führte. Mit drei patzigen Fragen auf einem SPÖ-Parteitag wurde Cap zum Jugend-Idol und in Folge mit Vorzugsstimmen direkt ins Parlament gewählt. Doch der Wendepunkt zum "Cap-Schicksal" kam bald. Der Burgenländer (und damalige Kanzler) Fred Sinowatz zwang Cap in der rot-blauen Bundeskoalition auf Linie: Cap durfte Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager im Nationalrat nicht das Misstrauen aussprechen, obwohl der FPÖ-Minister den Kriegsverbrecher Walter Reder auf dem Flughafen mit Handschlag begrüßt hatte. In den Augen seiner Unterstützer war Cap von da an unten durch. Das war 1985.

Dreißig Jahre später, am vergangenen Sonntag Im Zentrum, wird über Rot-Blau im Burgenland diskutiert. Und Cap funktioniert. Wie aufgezogen redet er wahllos was aufs Tapet kommt schön, und sei es ein machtgetriebener burgenländischer Landeshauptmann.

Fatale Nebenwirkung

Man könnte solche Funktionärs-Schicksale bedauernd ad acta legen, hätten sie nicht die fatale Nebenwirkung, Normalbürger vom Einstieg in die Politik abzuschrecken. Der Umgang von Parteien, insbesondere der SPÖ, mit ihren Talenten ist eine Ursache für die dünne Personaldecke in der Politik und dass sich immer größere Teile der Bevölkerung nicht mehr repräsentiert fühlen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.