Kardinal Christoph Schönborn

© KURIER/Franz Gruber

Kirche
12/15/2015

Schönborn kritisiert östliche EU-Länder scharf

Der Kardinal sprach im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik wörtlich von einem "Skandal".

Kardinal Christoph Schönborn hat die mittelosteuropäischen EU-Länder scharf für ihre Flüchtlingspolitik kritisiert. In einem Interview mit dem slowakischen Wochenmagazin Tyzden sprach Schönborn von einem "Skandal". Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei seien durch viele Leiden hindurchgegangen, aber jetzt "von einer schändlichen Propaganda verblendet", so Schönborn laut Kathpress.

Sich dabei auf "unsere christlichen Werte zu berufen", sei "lächerlich", erklärte der Wiener Erzbischof in dem am Montag in Bratislava veröffentlichten Interview. Gleichzeitig betonte er, dass er das "Heldentum des Kampfes für Freiheit und Menschenwürde" - 1956 in Ungarn, 1968 in der Tschechoslowakei und 1981 in Polen - schätze. "Jetzt aber scheint das alles vergessen zu sein. Das zu begreifen, übersteigt meinen Verstand."

Haltung für den Kardinal wirklich traurig

Angesprochen auf das Verhalten der Slowakei, deren Regierung angesichts Hunderttausender Flüchtlinge nur 150 Syrern und ausschließlich Christen Hilfe angeboten habe, sowie auf ähnliche Tendenzen in Tschechien, Polen und Ungarn, erklärte der Kardinal, das sei für ihn "wirklich traurig". Er komme selber aus der Tschechoslowakei und "schäme sich für diese Haltung", so Schönborn, dessen Familie als Sudetendeutsche nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde. Es sei "schrecklich, dass sie sich auf sogenannte christliche Argumente" wie der Furcht vor der Islamisierung stütze.

"Europa braucht Millionen von Zuwanderern, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten"

Da er selbst im Alter von neun Monaten 1945 aus seiner Heimat vertrieben wurde, sei er selbst "im Bewusstsein aufgewachsen, dass wir Flüchtlinge sind", sagte der Wiener Erzbischof. Wenn er heute die Flüchtlingsschicksale höre, so rufe dies viele Erinnerungen aus seiner eigenen Geschichte wach. Angesprochen auf den Aufruf von Papst Franziskus, jede Pfarre Europas möge wenigstens einen Flüchtling aufnehmen und den Unwillen der osteuropäischen Katholiken, die Worte des Papstes in Taten umzusetzen, erwiderte der Kardinal, das sei für ihn "ein Schock, wirklich ein Schock". Auch zeige eine Vernunftrechnung, dass Europa "Millionen von Zuwanderern braucht, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten".

Die Flüchtlingskrise sei "eine riesige Gelegenheit, den Muslimen unsere christliche Haltung zu zeigen und den eigenen Glauben kennenzulernen", erklärte Schönborn. Muslime hätten ihm einmal gesagt: "Saudi-Arabien hat genug Geld, hat uns aber nicht geholfen, ihr Christen aber habt uns geholfen."

Fremdenhass hängt nach dem Wiener Erzbischof "sehr häufig mit dem Fehlen persönlicher Erfahrung zusammen, aber auch mit Unsicherheit bezüglich der Zukunft". Es sei offensichtlich, "dass wir schwereren Zeiten entgegengehen" und die Menschen "empfindlich auf die Krise der Wirtschaft reagieren, die nicht mehr wachsen wird". Aber man dürfe sich "niemals der Angst ergeben".

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