Kinderärztin und ÖGB-Vize Oberhauser übernimmt Gesundheit.

© KURIER/Franz Gruber

Politik | Inland
08/25/2014

"Bei jedem Raucher raucht die Kellnerin mit"

Interview: Die neue Gesundheitsministerin plant neuen Anlauf zum Nichtraucher-Schutz.

Die ausgebildete Kinderärztin Sabine Oberhauser, sie ist seit 2006 für die SPÖ im Parlament, wird neue Gesundheitsministerin. Im KURIER-Gespräch beschreibt sie ihre Prioritäten.

KURIER: Warum wollen Sie den Job eigentlich machen?

Sabine Oberhauser: Weil mir die Gesundheit und das solidarische Gesundheitssystem, so wie es in Österreich aufgebaut und organisiert ist, total am Herzen liegt. Außerdem ist es eine schöne Aufgabe, auf die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher aufzupassen.

Welche Reformen können wir erwarten?

Ich glaube, dass der große Wurf im Gesundheitssystem eine Vielzahl an kleinen Schritten ist. Diese kleinen Schritte werde ich in vielen verschiedenen Bereichen versuchen.

Wo, denken Sie, drückt der Schuh im Gesundheitsbereich am meisten?

Was ich gerne erreichen will, ist mehr Zeit und Zuwendung für die Menschen im System freizuschaufeln. Das habe ich noch im Studium als Pflegehilfe kennengelernt, beim Putzen der Nachtkasteln – dass die Leute gerne reden wollen. Wir müssen das System einfach so ausrichten, dass Zeit für die Patienten bleibt. Grundsätzlich geht es mir darum, dass nicht das Geldbörsel entscheiden darf, ob jemand ein neues Herz oder eine neue Niere bekommt. Diesen Kampf müssen wir führen, dass man auch am Zahnstatus nicht mehr den sozialen Status ablesen kann. Da gibt aber sicher noch mehr zu tun. Aber mein größtes Ziel ist, dass unser System solidarisch bleibt.

Generell wird kritisiert, dass wir zu viele Sozialversicherungsträger haben und das System groß und ineffizient ist. Was können wir da von Ihnen erwarten?

Ich bestreite vehement, dass die Sozialversicherungen ineffizient sind. Es gibt sicherlich Dinge, wo man nachlegen muss. Aber wir sind in unseren Ausgaben derzeit gut unterwegs.

Eine Zusammenlegung von Sozialversicherungen hat für Sie keine Priorität?

Das ist sicher nicht mein prioritäres Thema.

Und beim heiklen Thema Rauchen?

Alle wissen, dass Rauchen schädlich ist, und dass Passiv-Rauchen schädlich ist. Ich denke, dass die nächsten Gespräche mit der Wirtschaft zu führen sind, um im Konsens herauszufinden, wie wir das Problem lösen können. Bei jedem Gast, der im Restaurant eine Zigarette raucht, raucht die Kellnerin und der Kellner jede einzelne mit. Obwohl das weder für den Gast, noch für das Personal gut für die Gesundheit ist.

Zur Person

Als Kinderärztin weiß Oberhauser, worauf es im Gesundheitssystem ankommt. Darüber hinaus hat sich die Wienerin auch als Krankenhaus-Managerin schulen lassen. Politisch hat sich die zweifache Mutter für strengere Rauchergesetze eingesetzt. Seit 2006 sitzt sie als Abgeordnete im Parlament und war bis jetzt SPÖ-Gesundheits- und Sozialsprecherin. 2009 kam der nächste Karrieresprung. Oberhauser wurde als erste Ärztin zur ÖGB-Vize-Chefin gewählt.