Politik | Inland 05.12.2011

Rumpolds unter Schmiergeldverdacht

Im Zuge der Telekom-Affäre führte die Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen bei Gernot Rumpold und Ex-Frau Erika durch.

Die Ermittlungen in der Causa "Telekom Austria" gewinnen an Fahrt. Nachdem Staatsanwalt Hannes Wandl kürzlich einen zweiten Sachverständigen als Spezialist für IT-Fragen hinzugezogen hat, um die Aufklärungsarbeit zu beschleunigen, legte die Justiz vergangene Woche noch nach.

Wie das Wirtschaftsmagazin Format am Dienstag in seiner online-Ausgabe vermeldet hat, fanden vergangene Woche an drei Standorten Hausdurchsuchungen statt. "Wir ermitteln gegen Gernot und Erika Rumpold", bestätigte Thomas Vecsey, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, am Dienstag. Ermittelt wird wegen Verletzung des Paragrafen 304 Strafgesetzbuch ("Bestechlichkeit").

Der ehemalige FPÖ-Generalsekretär und seine frühere Ehefrau - sie trägt jetzt den Namen Erika Daniel - wurden von anderen Zeugen bzw. Beschuldigten, die die Justiz einvernommen hat, belastet.

Erika Rumpold vor dem Eurofighter-Untersuuchungsausschuss.
© Bild: APA

Weder bei der Telekom noch bei der ÖIAG (sie hält den 28,42-prozentigen Anteil der Republik an der Telekom) wollte bzw. konnte man gestern Details angeben, warum gegen die Rumpolds ermittelt wird. Es scheint aber höchst plausibel, dass dabei mögliche Malversationen rund um den Kauf der bulgarischen MobilTel durch die Telekom Austria-Gruppe eine Rolle spielen.

Wie berichtet, hat die Telekom den bulgarischen Handynetzbetreiber im Juli 2005 gekauft. Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach, dem Rumpold als ehemaliger FPÖ-Parteimanager sehr nahe stand, hat sich damals an der Seite der Telekom engagiert - und Rumpolds PR-Firma "100 % Communications" hatte beratend eingegriffen. Das bestätigen auch spätere Aussagen Gorbachs im parlamentarischen Banken-U-Ausschuss 2007. In diesem Ausschuss hatte Gorbach zudem bestätigt, als Minister an Veranstaltungen teilgenommen zu haben, bei denen Rumpold russische Oligarchen - darunter Oleg Deripaska - umgarnte.

Plech entblättert "Meischi" Ein anderes, erhellendes Ende der Telekom-Ermittlungen beleuchtet derweil der Falter: Der Wiener Wochenzeitung liegen die Einvernahme-Protokolle von Ernst Karl Plech vor. Plech gilt nicht nur als väterlicher Freund von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, sondern auch als Schlüsselfigur in Affären wie der BUWOG und der Telekom.

In den vorliegenden Protokollen beschreibt Plech, worin bei den Immobilien-Geschäften die Leistung von Kompagnon Walter Meischberger bestand. "Er (Meischberger) hat offensichtlich vergessen, dass seine Leistung der Kontakt zur Telekom war." Laut Plech hat Telekom-Vorstand Rudolf Fischer "irgendwann gesagt", dass die Telekom Immobilien verkaufen will. "Darauf hat der Walter diese Dinge ins Rollen gebracht", sagt Plech. Mit anderen Worten: Meischberger soll Insider-Informationen verkauft haben.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011