Johann Gudenus und seine Russland-Kontakte stehen wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit.

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Politik | Inland
03/11/2015

Rechtsextremen-Kongress: Gudenus gesteht Zusage ein

FPÖler war zu Treffen mit NPD & Co eingeladen. Erst sagte er zu, jetzt fährt er doch nicht.

Johann Gudenus und seine Verbidnung nach Russland: Der FPÖ-Vizechef wurde zu einem Rechtsextremen-Kongress in St. Petersburg eingeladen – ob er nun aber zu der Veranstaltung fährt, an der auch die NPD oder die Goldene Morgenröte aus Griechenland teilnehmen, war lang unklar. Jetzt scheint sich der Klubchef der Wiener Freiheitlichen doch dazu entschlossen zu haben, nicht nach Petersburg zu fahren.

Die Vorgeschichte: Bei dem "Internationalen Russischen Konservativen Forum" am 22. März in Russland werden Vertreter von rechtsextremen Parteien wie der Neonazi-Bewegung Goldene Morgenröte aus Griechenland, der NPD aus Deutschland und weiterer Rechtsaußen-Gruppierungen erwartet. Gudenus hatte am Dienstag gegenüber der APA bestätigt, eingeladen worden zu sein, er bestritt jedoch jegliche Absicht, teilzunehmen. "Ich hatte nie vor, dorthin zu fahren", sagte er auf Anfrage. "Es gab nie eine Zusage."

"I'm looking forward to join the conference”

Am Dienstagabend übermittelten die Veranstalter derAPA jedoch ein Faksimile der Zusage von Gudenus. In dem in englische Sprache abgefassten Schreiben mit dem Wiener Landtags-Briefkopf heißt es: "I'm looking forward to join the conference. Be so kind to put me and my attendance on your list." (Zu Deutsch: "Ich freue mich darauf, an der Konferenz teilzunehmen. Bitte fügen Sie meinen Namen ihrer Liste hinzu.")

Jetzt meldete sich der stellvertretende Bundesparteiobmann und Klubobmann der Wiener FPÖ per Aussendung zu Wort: Er verwiest darauf, dass "laut Veranstalter ein wissenschaftlicher Diskurs über die Kernthemen konservativer Politik wie Patriotismus und die Liebe zur Heimat" hätte abgehalten werden sollen - "die Aussicht, dass sowohl europäische als auch russische Experten geladen werden, wie der Einladung zu entnehmen war, ließ auf eine spannende Diskussion schließen", so Gudenus.

"Nichts Verfängliches herauszulesen"

Ihm sei im Dezember nur das Thema der Veranstaltung bekannt gewesen, daraus sei nichts Verfängliches herauszulesen gewesen. Deshalb sei am 19. Dezember die schriftliche Zusage erfolgt - man habe nicht gewusst, wer an dem Forum teilnehmen wird. "Auf Grund der angeführten Namen, durch die sich herauskristallisierte, welche europäischen Parteien Vertreter schicken würden, hat sich Mag. Gudenus entschlossen, seine Zusage zu revidieren und hat sich von dem Forum wieder abgemeldet", so die FPÖ weiter.

Nach Eigendarstellung ist bei dem Kongress in St. Petersburg die Gründung einer Bewegung zur Vereinigung konservativer und national orientierter Kräfte in ganz Europa geplant. "Wir brauchen Verbündete in Europa, auch in Verbindung mit dem Konflikt in der Ukraine, und hoffen, dass im Europaparlament vertretene Parteien die Abschaffung der antirussischen Sanktionen erreichen werden", zitiert die Zeitung Kommersant den Organisator Juri Ljubomirski von der russischen Rechtsaußen-Partei Rodina.

Homosexuellen-Lobby-Sager

Erst im September vorigen Jahres war der blaue Vize-Parteichef Gudenus kritisiert worden, nachdem er bei einem "Familien-Forum" in Moskau gegen die Macht der "Homosexuellen-Lobby" gewettert. Zuvor nahm er als inoffizieller Wahlbeobachter am international als illegitim kritisierten Abspaltungsreferendum auf der Krim teil. Gudenus hat in Moskau studiert und spricht fließend Russisch - er gilt darum in seiner Partei als Kenner der Region.