Protest: Wie in Wien demonstrieren in Linz alljährlich die Gewerkschaft und andere Organisationen gegen den Burschenschafter-Ball

© APA/RUBRA

Rechter Rand
02/04/2014

Rechter Ball in Linz & Aufmarsch in Wien

Nach der Randale der Chaoten in Wien macht auch die zunehmende Präsenz der Schlagenden Sorgen.

von Christian Böhmer

Das Mauthausen-Komitee hat Josef Pühringer gebeten, die Veranstaltung zu ignorieren – man tanze nicht mit Rechtsextremen; auch der ÖGB appellierte, der OÖ-Regierungschef möge den Linzer Burschenbundball nicht besuchen – er dürfe Treffen von Ewiggestrigen nicht aufwerten.

Doch Josef Pühringer ignoriert die Appelle auch 2014 – und nimmt am Samstag an dem durchaus umstrittenen Burschenbundball teil.

Wenige Tage nachdem in Wien Tausende Demonstranten gegen den rechtsrechten Akademikerball in der Wiener Hofburg demonstrierten, steht damit die nächste umstrittene Tanzveranstaltung bevor. Die Gegner des Burschenbundballs (darunter Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Widerstandskämpfer, prominente Künstler, Schauspieler, etc.) verweisen seit Jahren auf den Veranstalter: die schlagende Burschenschaft Arminia Czernowitz gilt laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als rechtsextrem; 2010 lud sie beispielsweise zu einem Gastvortrag eines rechtsextremen Publizisten – mit einem kaschierten, sprich vom Hakenkreuz befreiten, Plakat der NSDAP.

„Wir werden sehr laut, aber friedlich demonstrieren. Die offizielle Politik muss sich von Nazi-Aufmärschen einfach distanzieren“, sagt Beate Gotthartsleitner, ÖGB-Jugendsekretärin und Mitarbeiterin der Plattform „Linz gegen rechts“. Dem nicht genug, wurde am Wochenende bekannt, dass die vom DÖW ebenfalls als rechtsradikal eingestufte Burschenschaft „Olympia“ im Mai zu einem „Spaziergang“ durch die Wiener Innenstadt lädt.

„Im ersten Bezirk ist eine derartige Veranstaltung eine Provokation. Die Hofburg und der Heldenplatz sollten für solche Aufmärsche jedenfalls Tabu sein“, sagt Raimund Fastenbauer, Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde zum KURIER. Die Burschenschaften hätten historisch keinen Anspruch sich als „Hüter des Freiheitsgedankens“ aufzuspielen – dagegen spreche allein ihre Tradition des Antisemitismus.

Mai: „Fest der Freude“ tritt an gegen „Fest der Freiheit“

Erneut erhitzt eine Veranstaltung im Umfeld der FPÖ die Gemüter: Der ehemalige freiheitliche RFS-Funktionär und Burschenschafter der „Olympia“, Gerhard Schlüsselberger, lädt im Mai zu einem „Spaziergang“ durch die Wiener Innenstadt, um an „die Errungenschaften der Revolution von 1848“ zu erinnern. Details zu dem rechten Aufmarsch unter dem Motto „Fest der Freiheit“ gibt es noch nicht. Schüsselberger will sich aber gleichzeitig mit den Gegnern des Akademikerballs aussöhnen: "Daher glaube ich, ist es an der Zeit einfach einmal zu versuchen, aufeinander zuzugehen und sich die Hand zu reichen und zu sagen, es gibt Gemeinsamkeiten, nämlich das Bekenntnis zu diesen Errungenschaften und insofern kann das doch ein Anlass sein, um die Wogen zu glätten", sagte er im Ö1-Radio.

Bisher hatten am 8. Mai (Ende Zweiter Weltkrieg) die Burschenschafter ein „Totengedenken“ am Heldenplatz zelebriert, seit dem Vorjahr beansprucht das Bundesheer auf Initiative von Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) den Platz für eine „Mahnwache“ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch heuer werden von 7 bis 18 Uhr Soldaten an der Krypta Stellung beziehen.

Am Abend des 8. Mai wird es am Heldenplatz auch wieder ein „Fest der Freude“ mit Konzert der Wiener Symphoniker und Ansprachen von Zeitzeugen und Politikern geben.

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