Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek: ÄrztlicherLeiter des Anton Proksch Instituts

 

© /Martin Winkler

Pro & Contra Cannabis
10/29/2014

Sucht-Experten mahnen zur Vorsicht

Ungefährlicher als Alkohol, aber nicht harmlos, empfohlen in Schmerztherapie.

von Johanna Hager, Bernhard Gaul

Ist Cannabis eine "klassischer Einstiegsdroge"?

"Nein", sagt Gabriele Fischer, Leiterin der Drogenambulanz des AKH. Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts (Therapiezentrum zur Behandlung von Abhängigkeiten) gibt jedoch zu bedenken, dass Cannabis durchaus mit dem Suchtpotenzial von Alkohol vergleichbar ist. "Langer, hochdosierter Konsum kann in die Abhängigkeit führen."

Ist Alkohol- gefährlicher als Cannabis-Konsum?

"Ja", sind sich die Experten kraft zahlreicher Studien einig. Das Einstiegsalter ist laut Musalek mittlerweile ident: 12, 13 Jahre. "Mädchen sind bei Alkohol bereits gleichauf mit den Buben, bei Cannabis leider auf dem besten Weg dorthin."

Was spricht für, was gegen die Entkriminalisierung und in Folge Legalisierung? Ehe über Legalisierung gesprochen wird, sieht Fischer die Politik andernorts gefordert. "Ehe über Cannabis-Legalisierung diskutiert wird, gehört als wesentlicher Schritt ein nationaler Suchtplan erarbeitet", wo fachkompetent Strategien für alle Substanzen inklusive Glücksspiel festgelegt werden." In Österreich herrsche ein antiquiertes System von föderalistisch überdimensional gewachsenen Strukturen im Suchtbereich, die öffentliche Gelder nach dem Stand der Wissenschaft fraglich verwenden. "Ohne flankierende, aufklärende Maßnahmen", mit welchen Gefahren Cannabis verbunden ist, ist laut Musalek an Legalisierung nicht zu denken. "In jedem Fall würde durch eine Entkriminalisierung oder Legalisierung die Zahl der Konsumenten und damit verbunden der Abhängigen steigen."

Welche (Folge-)Schäden kann Cannabis-Konsum hervorrufen?

Die Schäden hängen "wie bei jedem Suchtmittel von der Frequenz und Intensität ab", sagt AKH-Drogenambulanz-Leiterin Fischer. "Körperliche wie physische Abhängigkeiten können auftreten. Innere Unruhe, Angstzustände, Schlaflosigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen oder Depressionen, die Medikation bedürfen, können die Folge sein," weiß Michael Musalek aus der ärztlichen Praxis.

Bei welchen Krankheiten bzw. Therapien kommt Marihuana zum Einsatz?

Als Medikation respektive Therapie kann der Wirkstoff beispielsweise chronischen Schmerzpatienten oder Chemotherapie-Patienten, die unter Übelkeit leiden, maßgeblich Linderung verschaffen. "Aus den USA weiß man um die gute Verträglichkeit von Marihuana bei älteren Schmerzpatienten, da deutlich weniger Nebenwirkungen als bei opiathaltiger Schmerzmedikation auftreten", so Fischer.

Wie handhabt der Gesetzgeber Besitz und Weitergabe von Cannabis?

Der Besitz von Cannabis ist immer strafbar, gefundene Drogen müssen immer von der Polizei beschlagnahmt werden, legalen Eigenbesitz gibt es nicht. Wer bis zu 20 Gramm Cannabis besitzt bzw. für den Eigenbedarf erwirbt, kann mit bis zu einem halben Jahr Haft belangt werden. Wer über 20 Gramm besitzt, erzeugt oder verkauft, muss mit deutlich höheren Strafen rechnen. Geht es nach Sucht-Expertin Fischer könnte man Vergehen wie Cannabisbesitz beim Konsumenten (nicht "Dealer") aus dem Strafrecht nehmen und im Verwaltungsrecht lokalisieren wie in Spanien oder auch die Grenzmengen erhöhen". Dies würde zu einer deutlichen Reduktion der Kriminalisierung von vorwiegend jungen Erwachsenen beitragen.

Wie viele Menschen sind von Cannabis abhängig?

Laut Gesundheitsministerium waren im Vorjahr 2000 Menschen in Österreich wegen Cannabiskonsums in Drogenhilfeeinrichtungen.

Ist Cannabis in anderen Ländern legal?

In den Niederlanden können geringe Mengen Cannabis in "Coffeeshops" legal erworben werden. In den USA ist in 20 Bundesstaaten der Erwerb von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt, in Colorado und Washington ist Cannabis seit 2012 generell legal. Und in Uruguay ist Cannabis seit 2013 legal.

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