BP Heinz Fischer

© Österreichische Präsidentschaftskanzlei

Präsidenten-Interview
07/08/2013

Fischer: „Politiker waren früher nicht besser“

In Teil 2 des KURIER-Interviews spricht das Staatsoberhaupt über das Image-Tief der Politik und seine Rolle im Wahlkampf.

von Josef Votzi, Helmut Brandstätter

Bundespräsident Heinz Fischer geht seiner Wander-Leidenschaft auch diesen Sommer nach. Zuvor gab er dem KURIER ein großes Sommer-Interview. Lesen Sie hier die Fortsetzung von Sonntag.

KURIER: Herr Bundespräsident, früher hatten Regierungspolitiker deutlich höhere Zustimmung bei Umfragen. Waren Kreisky oder Vranitzky besser?

Heinz Fischer: Ich glaube nicht, dass die Politiker früher besser waren und dass sie jetzt schlechter sind. Das entspräche der Philosophie des Ovid vom goldenen Zeitalter. Politik ist komplizierter geworden, die Rahmenbedingungen sind schwieriger, weil eine riesige internationale Komponente dazukommt, weil alles schneller wird und aufgrund der Informationstechnologien eine riesige Informationsflut zu bewältigen ist.

Der frühere Wiener Vizebürgermeister Bernhard Görg (ÖVP) sagte vergangene Woche: „Es gab noch nie eine so wenig intelligente Regierung wie heute.“

Das ist ein ungerechtes und unfaires Pauschalurteil. So leicht darf man es sich nicht machen.

War es im Aufbau nach dem Krieg attraktiver, Politiker zu werden, als heute im Wohlstand?

Nein, das glaube ich nicht, dass es früher attraktiver war, Politiker zu werden. Aber ich weiß, wie mein Vater in den ersten zwei, drei Jahren nach Kriegsende aufgeatmet hat und die Perspektive nach Hitler positiv erlebt hat. Und er hat oft gesagt: „Du weißt gar nicht, was das bedeutet, wenn man ins Kaffeehaus gehen kann und sich nicht umschauen muss, wer am nächsten Tisch sitzt. Wenn man nicht mehr nur den ,Völkischen Beobachter‘ am Zeitungsstand hat, sondern zwischen zehn Zeitungen auswählen kann. Wenn man zwischen verschiedenen Parteien in einer wirklich geheimen Wahl wählen kann etc.“ Das waren damals große Errungenschaften, heute sind es Selbstverständlichkeiten. Wir sind lange Zeit mit dem Lift aufwärts gefahren und wenn der Lift auch nur stehen bleibt, hebt es einem den Magen und man hat das Gefühl, es geht wieder abwärts.

Jetzt steht der Lift. Ökonomen sagen, erst wenn wir wieder mehr als zwei Prozent Wirtschaftswachstum schaffen, gibt es auch neue Arbeitsplätze.

Wir brauchen ein maßvolles Wachstum. Und unsere Wirtschaft muss es so einrichten, dass es auch bei geringerem Wachstum ausreichende Beschäftigung gibt. Das heißt, mehr Bildung, mehr Forschung, mehr „Green Jobs“.

Sie werden den kommenden Wahlkampf aufmerksam beobachten. Werden Sie die handelnden Personen zu Vier-Augen-Gesprächen holen, wenn es sehr unfreundlich wird?

Ja, das ist ja auch nicht verboten, wenn irgendetwas wirklich Unerfreuliches passiert oder gewisse Grenzen gravierend überschritten werden. Was ich nicht brauchen kann, ist, dass am Montag die eine, am Dienstag die zweite und am Mittwoch die dritte Partei sagt, da muss der Bundespräsident einschreiten.

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