Das blaue Volk will unterhalten werden. Parteichef Strache versuchte es auch dieses Jahr in Ried – in der Krachledernen mit schalen Witzchen über die Polit-Konkurrenz.

© Jürg Christandl

Oberösterreich
03/05/2014

FPÖ-Aschermittwoch: Bierselige Gratwanderung

Für FPÖ-Chef Strache war der Rundumschlag in Ried heuer heikel.

von Christian Böhmer

Es gab Heringssalat und Brez’n von der Stange, reichlich Erdäpfelkas und Bier – und am Schluss, fürs Erinnerungsfoto mit den Fans, noch einen Parteichef in kurzer Lederhose.

Einmal im Jahr, immer am ersten Tag der Fastenzeit, rückt die oberösterreichische Bezirkshauptstadt Ried einen Abend lang in den Fokus der Innenpolitik.

Seit 1992 treffen hier einander die Freiheitlichen, um nach dem Vorbild Bayerns Aschermittwoch zu feiern.

Für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache war es das neunte Mal im Innviertel.

Wo, wenn nicht hier, in der mit blau-weißen Ballons geschmückten Jahnturnhalle, lässt es sich nach dem Faschingsausklang unbekümmert provozieren?

SPÖ und ÖVP, befand Strache, hätten bei der Nationalratswahl eine Lektion bekommen. "Aber die brauchen noch mehr Watschen."

Bilder aus der Jahn-Turnhalle in Ried

Strache,Ried,Aschermittwoch…

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Und damit sind wir mitten im verbalen Rundumschlag. Der angeblich zu klein geratene Bundeskanzler, der politische Houdini – weil "Entfesselungskünstler" – Spindelegger und die "Beißzange" Glawischnig: Sie alle versuchte der 44-jährige Parteichef in seiner knapp eineinhalbstündigen Rede vorzuführen (siehe Zitate unten).

Inhaltlich bot Strache der Hypo und dem angeblichen Versagen von Rot und Schwarz viel Raum. Dann wurde gegen den "Zuwanderungsfetischismus der Linken" gewettert. Und die ÖVP war vor allem ob der geschlossenen Polizeiposten ein Sicherheitsrisiko.

Die kalkulierten Untergriffe können für Strache, der diesmal in der kurzen Krachledernen kalauerte, zum Problem werden. Warum? "Als Haider mit dem Aschermittwoch begann, war die FPÖ eine Partei, die um eine nachhaltige Zweistelligkeit bei Wahlergebnissen kämpfte", sagt Politikwissenschafter Peter Filzmaier. Hat die aggressive Rhetorik in den 90ern noch bei der Mobilisierung für die damalige Kleinpartei geholfen, kann sich eine FPÖ, die bei Nationalratswahlen mehr als 20 Prozent halten will, böse Provokationen nur bedingt leisten. Filzmaier: "Strache will und muss sich auch sachlich präsentieren."

Bleibt das Wahlziel. "50 Prozent sind drinnen", sagte Strache abschließend zu den knapp 2000 Gästen. Und die hielten derlei für realistisch. An dieser Stelle hat keiner gelacht, alle haben getobt.

Kickls neue Kalauer

Strache über Spindelegger

"Wann ist denn der Herr Spindelegger einen Euro wert? Wenn er ein Einkaufswagerl beim Billa vor sich herschiebt."

Strache über das Finanzressort

"Da sitzen ein ahnungsloser Minister und zwei Staatssekretäre – die Tabaktrafik der Regierung: Drei Pfeifen in der Auslage."

Strache über Faymann

"Wisst ihr, warum der Faymann so klein ist? Als Kind haben ihm die Eltern gesagt: Wenn du groß bist, musst du arbeiten gehen."

Strache über EU und Regierung

"Gegenüber der EU muss man auftreten wie die Schweizer. Unsere Regierung tritt aber nur auf wie die Schwitzer."

Strache über Eva Glawischnig

"Angeblich kooperiert sie mit einer Werkzeugfirma – die wollen eine Beißzange nach ihr benennen, so verbissen wie sie ist."

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