Politik | Inland
18.08.2017

Politische Quereinsteiger sind selten wirklich erfolgreich

Viele neue Gesichter, ein frischer Wind und jedenfalls keine Berufspolitiker: Auch in diesem Wahlkampf glänzen wieder viele neue Gesichter auf den Plakaten der alten Parteien.

Mehr oder minder prominente Quereinsteiger finden sich bei fast allen Parteien. Das Phänomen ist freilich nicht neu, vielmehr nimmt die Zahl an Quereinsteigner bei jeder Wahl zu.

Diesmal wirbt vor allem die Volkspartei mit Quereinsteigern, nicht nur auf der Bundesliste, sondern auch in einigen Bundesländern.Karl Mahrer etwa, Wiener Polizist, ist seit Freitag Spitzenkandidat in Wien, ihr folgt die Industrielle Maria Theresia Niss. Im Bund sollen Quereinsteiger wie Ex-Rechnungshof-Chef Josef Moser, die langjährige ORF-Burgenland Moderatorin Gaby Schwarz, der ehemalige Grün-Politiker Efgani Dönmez, Opernball-OrganisatorinMaria Großbauerund der Mathematiker Rudolf Taschnerfür Stimmen & Stimmung sorgen.

International gibt es zahlreiche Vorbilder, wo Quereinsteiger reüssieren konnten: Arnold Schwarzenegger schaffte den Sprung vom Hollywood-Filmstar zum „Gouvernator“ von Kalifornien. Donald J. Trump, ein mäßig erfolgreicher Immobilienhändler und immens beliebter TV-Showgastgeber, wurde US-Präsident.

Trump vereint zweifellos das Pro & Contra der Quereinsteiger: Er sprach stets höchst despektierlich über Politiker, erklärte Washington zum korrupten Sumpf, hatte im Grunde gar kein Wahlprogramm und schlug dennoch eine der erfahrensten Politikerinnen der Welt im Kampf ums Weiße Haus, Hillary Clinton.

Zur Stunde spricht allerdings mehr für eine vorzeitige Absetzung Trumps als für eine vierjährige Amtszeit. Trump hatte nie ein politisches Amt inne, und hat, wie sich zeigt, praktisch keine Ahnung, wie ein Präsident eigentlich ein Land regieren soll.

Und in Österreich?

Lange, und niemals vollständig, ist die Liste der politischen Quereinsteiger: etwa aus dem ORF einst Helmut Zilk oder Josef Broukal für die SPÖ, Gertrude Aubauer und Ursula Stenzel für die ÖVP (Stenzel wechselte dann zur FPÖ), Theresia Zierler für die FPÖ, Ex-ORF-Chefin Monika Lindner war ganz kurz bei Frank Stronachs Team.

Stronach ist zudem ein Beispiel für eine Polit-Quereinsteiger aus der Wirtschaft, wie auch der ebenfalls gescheiterte Richard Lugner.

Überraschend war einst auch der Wechsel von Abfahrts-Olympiasieger und Weltmeister Patrick Ortlieb aus dem ÖSV-Abfahrtsteam ins FPÖ-Team.

Derzeit noch aktive Quereinsteiger sind Familienministerin Sophie Karmasin, die nicht mehr antritt, oder Stronach-Abgeordnete Ulla Weigerstorfer, die ebenfalls ihre Polit-Karriere beendet – oder beenden muss.

Aber warum eigentlich Quereinsteiger?

Politische Quereinsteiger werden gerne als Stimmenmagneten für den Wahlkampf und als Werbeträger für Parteien engagiert. Sie werben mit ihrer Prominenz und geben ein Image an ihre Partei weiter.

ORF-Moderator Armin Wolf hatte schon vor zehn Jahren das Phänomen intensiv studiert. Das Ergebnis seiner Recherche wird Kurz freuen, nicht aber die neuen Kandidaten: Denn die meisten Quereinsteiger überleben nicht sehr lange in der Politik, bereits am Wahltag haben die meisten ihre Aufgabe erfüllt.

Promi-Quereinsteiger sind nichts anderes als 'Testimonials der Parteien'“, beschrieb das Wolf damals. Prominente Quereinsteiger sind in ihrer Funktion als Kandidaten erfolgreicher als in der Funktion von Politikern. Die Erfolgschancen steigen mit der Anpassung an die traditionellen politischen Spielregeln.

Die meisten Quereinsteiger überleben nicht sehr lange in der Politik. Die durchschnittliche Amtszeit ist kürzer als bei Profi-Politikern, sie übernehmen weniger Ämter und machen selten politische Karriere über ihr erstes Mandat hinaus.

„Die meisten scheiden nach wenigen Jahren aus, ohne Spuren zu hinterlassen“, sagte Wolf schon vor zehn Jahren.