Politik | Inland
20.09.2017

Pflege-Reform jedes Jahr dringlicher

Caritas und Volksanwaltschaft kämpfen mit einem Fünf-Punkte-Plan für die Zukunft der Pflege.

In Österreich steht das Pflegesystem vor großen Herausforderungen: Mit einer immer älter werdenden Gesellschaft wird es auch deutlich mehr Pflegefälle geben. Im Jahr 2050 sollen bereits mehr als eine Million Österreicher über 80 Jahre alt sein.

Für diese Menschen gelte es „öffentlich geförderte, flächendeckende und leistbare Pflege“ bereitzustellen, sagt Caritas-Präsident Michael Landau. Gemeinsam mit Volksanwalt Günther Kräuter präsentierte er am Mittwoch vor Journalisten einen Fünf-Punkte-Plan für eine umfassende Pflegereform.

Zunächst fordern Landau und Kräuter eine Sicherung des Pflegegeldes. Der derzeitige Pflegefonds laufe 2021 aus, weswegen „eine nachhaltige, solidarische Finanzierungslösung für die Zukunft unerlässlich“ sei, sagt Volksanwalt Kräuter. Konkret werden eine Erhöhung des Pflegegeldes und eine bessere Ausstattung des Pflegefonds gefordert. Nach Möglichkeit soll das auch gesetzlich fixiert werden.

Ein Zusatzproblem: Je nach Bundesland unterscheidet sich die Gesetzeslage. „Wir benötigen österreichweit einheitliche Qualitäts-, Versorgungs- und Finanzierungsstandards“, meint Landau. So wären unangekündigte Kontrollen bei 24-Stunden-Betreuung sinnvoll, in diesem Bereich gäbe es zurzeit keine zuverlässige Überprüfung. Außerdem solle für Pflegepersonal-Agenturen ein Qualitätsgütesiegel eingeführt werden.

Das Pflege-Personal solle außerdem nach den Wünschen von Caritas und Volksanwaltschaft aufgestockt und besser ausgebildet werden. Denn Pfleger würden oftmals am Rande der Belastbarkeit arbeiten. Bis zum Jahr 2050 soll der Bedarf an Pflegekräften auf 100.000 steigen. Außerdem fordert Landau eine umfangreichere Unterstützung pflegender Angehörige. Derzeit übernehmen die Angehörigen der Betroffenen in mehr als 80 Prozent der Fälle deren Pflege. Sie sind damit „die größte Pflegeagentur Österreichs“. Es brauche mehr öffentlich geförderte, leistbare und verfügbare Beratungs- und Unterstützungsleistungen, sowie einen Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegezeit.

„Die Zunahme demenzieller Erkrankungen ist eine der größten Herausforderungen im Pflege- und Gesundheitsbereich. Schon heute sind sie Pflegegrund Nummer eins.“, so Kräuter. Er wünscht sich nun die Umsetzung der Demenzstrategie, die 2015 von der Regierung vorgestellt wurde.

Landau appelliert an die zukünftige Bundesregierung, den Fünf-Punkte-Plan „besser heute als morgen“ umzusetzen.

Alissa Holleis und Samuel Zettinig