Pfarrer-Initiative: "Schäfchen" sollen Bischöfe mitwählen

INTERVIEW MIT SPRECHER DER PFARRER-INITIATIVE SCHÜ
Foto: APA/ROBERT JAEGER Schüller: Frauen als Priester wären keine Neuerung, sondern eine Rückkehr zu den Traditionen der früh-christlichen Kirchen

Pfarrer-Initiative. Helmut Schüller und seine Mitstreiter vermissen "mutige Reformvorschläge".

"Die Gerüchte von unserem Ableben sind stark übertrieben." Helmut Schüller ist ein humor-begabter Mensch. Insofern war es nicht weiter verwunderlich, dass der Generalvikar ein Zitat Mark Twains bemühte – die Pfarrer-Initiative sei nicht entschlafen, im Gegenteil: Man habe sich international vernetzt, Ideen erarbeitet. Am Donnerstag trat der Vorstand wieder an die Öffentlichkeit. Und die Forderungen waren klar wie eh und je:

Kirchenvolk soll bei der Bischofswahl mit entscheiden

Die "zögerliche" Bischofsernennung in der Diözese Innsbruck ist für Schüller und seine Mitstreiter mit Anlass, die intransparente Entscheidung, wer in einer Diözese Bischof werden darf, zur Diskussion zu stellen.

Die Gläubigen sollten in die Wahl des Bischofs eingebunden werden, sagt die Pfarrer-Initiative. Wie das funktionieren könnte, schildert der Kremsmünster Pfarrer Arno Jungreithmair am Beispiel Linz: "Hier wurde unter allen Kirchen-Mitgliedern eine Befragung abgehalten, die zu einer Liste mit 12 Kandidaten führte." Die Liste sei zwar nur eine Empfehlung. Sie habe im konkreten Fall aber dazu geführt, dass einer der zwölf, nämlich Manfred Scheuer, tatsächlich Bischof wurde.

Team-Priester testen

"Papst Franziskus selbst hat den Pflicht-Zölibat bereits zur Debatte gestellt", sagt der Wiener Pfarrer Gerald Gump. Jetzt liege es an den Bischöfen, diesen Ball aufzunehmen und "mutige Vorschläge zu bringen".

Die Pfarrer-Initiative will das so genannte Lobinger Modell probeweise einführen. Das Modell sieht vor, dass, zusätzlich zu den theologisch ausgebildeten, vollberuflich arbeitenden und zölibatär lebenden Priestern auch bewährte Personen aus der Kirchengemeinde als Priester arbeiten. Diese "Team-Priester" sollten eine abgespeckte theologische Ausbildung absolvieren und würden unter der Obhut der vollberuflichen Priester agieren – ohne Pflicht-Zölibat.

Öffnung des Priesteramtes

In weiterer Folge soll das Priesteramt für Frauen geöffnet werden. "Das wäre keine Neuerung, sondern ein Zurück zu den Traditionen der früh-christlichen Kirchen", sagt Helmut Schüller. Mann und Frau seien laut christlicher Lehre ebenbürtig. Und da mittlerweile selbst die orthodoxe Kirchen in Afrika Frauen zu Diakoninnen wählen, gäbe es kein schlagendes Argument mehr, Frauen das Priesteramt zu verweigern.

(kurier) Erstellt am
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