Der ehemalige FPÖ-BZÖ-Obmann Peter Westenthaler im Kurpark Oberlaa, wo er bereits als Kind mit seinen Eltern spazierte

© KURIER/Jeff Mangione

Peter Westenthaler
08/17/2015

"Das ist eine Frage des Charakters"

Der Ex-FPÖ-BZÖ-Mann über alte Feindschaft, Freunde wie Frank und sein Berater-Leben nach der Politik.

von Johanna Hager

Schwefelgeruch schwängert die Schwüle in Wien Favoriten. Den Kurpark Oberlaa hat er als Treffpunkt auserkoren. Weil er hier schon als Kind war. Damals, als er noch Hojac hieß, ehe er wegen der erwarteten Scheidung der Eltern den Mädchennamen seiner Mutter annahm: Westenthaler. Hier war er, als er in den späten 1980ern als "Stürmer, genauer gesagt Mittelstürmer" Profifußballer werden wollte, ehe ihm eine Verletzung das Karriere-Aus beschied. Hier spaziert er jetzt, fast drei Jahrzehnte später.

Peter Westenthaler geht voran, nimmt Platz, mit Blick auf den Park. Und in seine Vergangenheit. "Ein alter Ex-Politiker auf einer Parkbank", sagt er schmunzelnd – und gibt damit einen Teil seines Wesens preis: selbstironisch-sarkastisch. "22 Jahre war ich in der Politik. Viel zu lange. 2006, das war ein Fehler. Ich habe leider emotional, nicht rational entschieden." Er habe einen tollen Job bei Magna gehabt, den ihm Frank Stronach ermöglichte, so viel verdient wie nie. "Keine zehn Pferde hätten mich von Frank weggebracht – Jörg Haider hat es geschafft." Haider machte ihn vier Jahre nach der FPÖ-Spaltung in Knittelfeld 2006 zum Parteiobmann des BZÖ.

Peter Westenthalers Leben in Bildern

Loyal

Wie "der Jörg Haider" das geschafft hat, sei ganz einfach: "Wenn einer der besten oder damals sogar der beste Freund in der Tür steht und es ihm sichtlich nicht gut geht, dann ist der Peter Westenthaler ein Mensch, der nicht Nein sagt, der loyal ist." Loyalität. Ein Wert, nicht nur ein Wort, betont der 47-Jährige, der viel von "Lebensphasen" und Jahreszahlen spricht.

Loyalität zeichne auch Frank Stronach aus. "Frank ist mein Freund seit über 20 Jahren. Er schenkt viel Vertrauen, vielleicht zu viel. Denn wie man jetzt sieht, wird diese Loyalität nicht erwidert. Das ist eine Frage des Charakters. Ich bin mir sicher, es wird einige im Team Stronach geben, denen der Wechsel zur ÖVP in ein paar Wochen leid tut." Ein politisches Comeback schließt Westenthaler aus – und fügt an: "Ich werde immer wieder von verschiedensten Seiten gefragt. Ich war Klubobmann der stärksten Regierungsfraktion in den 2000er-Jahren, ich war Parteiobmann der kleinsten Fraktion. Das ist alles, was man erleben kann! Diese Erfahrung gebe ich gerne weiter. Vor allem an Junge."

Seit zwei Jahren ist er sein eigener Boss. Als Geschäftsführer der Wescon GmbH offeriert Peter Westenthaler die Vermittlung von Immobilien an Investoren und PR, Kommunikations- und Politikberatung an. "80 Prozent Immobilien. 20 Prozent Politik." Drei Politiker verschiedener Parteien, darunter eine Regierungspartei, berate er derzeit.

"Ich forme niemanden ideologisch, deshalb kann ich meine Dienstleistung allen Parteien anbieten. Ich gebe das Rüstzeug für Reden, Rhetorik, Diskussionsführung, Fernsehauftritte." Woran es seiner Meinung nach in der Politik mangelt? "An so ziemlich allem. Es ist ernüchternd, erschütternd und traurig zugleich." Was im Parlament bei Reden geboten wird, sei "teilweise erbärmlich. Für mich war es – egal ob beim 170. oder 500. Mal – ein Erlebnis, dieses Rednerpult der Republik zu betreten. Es war für mich eine Ehre, dort reden zu dürfen. Ich habe mich penibelst vorbereitet, auch wenn es nicht so ausgeschaut hat."

International

Da ist sie wieder: seine Selbstironie. Und seine Erinnerung. Josef Cap und Peter Pilz ("mit dem mich wahrscheinlich eine wunderbare Feindschaft verbindet") hält er für die wenigen guten Redner. "Rein rhetorisch gehört Matthias Strolz auch zu den Besseren. Mir würde gefallen, wenn er weniger blumig und konsequenter im Auftritt wäre."

Mehr Konsequenz wünscht sich der Ex-FPÖ-BZÖ-Mann, was die Asylfrage anlangt. "Es hat, denke ich, in der gesamten Geschichte noch nie so ein kollektives Politikversagen gegeben. Welt-, europa- und nationalpolitisch. Was passiert? Die Politik ist im Urlaub. Die EU schläft in der Pendeluhr und schaut zu, wie ihre südlichen Mitgliedsländer im Chaos versinken."

Da ist er wieder. Der Rhetoriker Westenthaler, der partout nicht in die Politik will. Auch, weil ihm seine Funktionen und seine ehemalige als Bundesliga-Vorstand einen Prozess beschert haben. Viereinhalb Jahre dauerte das Strafverfahren. Dem Vorwurf des Betrugs mit Fördergeldern folgte im Frühjahr der Freispruch in erster Instanz.

Emotional

"Vom 17. Oktober bis zum 6. März hatte ich keine Aufträge, war ständig bei Gericht, dazwischen starb meine Schwester. Das waren die schwersten Wochen meines Lebens. Politische Konflikte wie Knittelfeld waren nichts dagegen." Halt gaben und geben ihm seine Mutter, seine Frau Dagmar, "mein Lebensmensch, und meine Tochter Cornelia, die gerade mit gutem Erfolg maturiert hat". Halt geben ihm seine neuen Freunde in der Südsteiermark, wo er ein Urlaubshäuschen hat. Halt gibt ihm der Sport. Beim 10-km-Lauf fielen nicht nur die Kilos, er hatte auch "die besten Ideen". Welche zuletzt? "Dass ich mich vielleicht publizistisch betätige. Kein Buch, aber ich habe das ein oder andere Gespräch geführt."

Das KURIER-Gespräch geht dem Ende zu. Nur zwei Fragen noch: Was hat es mit dem Armband auf seinem rechten Handgelenk und dem FC-Liverpool-Sticker auf der Rückseite seines Smartphones auf sich? "Das ist ein Glücksband eines buddhistischen Mönchs vom letzten Thailand-Urlaub im Jänner. Seit ich das trage, geht es tatsächlich bergauf." Wie jeder Fußball-Fan habe auch er einen nationalen und einen internationalen Herzensverein. "Bei mir sind das die Austria und Liverpool. Wenn ich deren Lied ,You’ll never walk alone‘ höre, egal ob im TV oder im Stadion, dann ist das Ganslhaut pur. Die Botschaft des Liedes ist ganz wichtig für mich. Wenn du durch den Regen gehst, kommt auch wieder die Sonne."

Peter Westenthaler geht. Vorbei am Sprühregen der Rasensprenkler-Anlage.

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