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Politik Inland
09/23/2012

Otto Pendl: Faymanns Leibwächter

Durch den Streit um den U-Ausschuss ist der langjährige SPÖ-Mandatar in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

von Karin Leitner

Wo ist Otto?" Das fragten sich vergangenen Mittwochnachmittag die übrigen Fraktionsführer im Korruptionsuntersuchungsausschuss. Ein Kompromisstext musste formuliert werden, um den Ausschuss weiterführen zu können. Es fehlte nur noch der Sanktus der SPÖ – und die Zeit drängte. Verzweifelt wurde im weitläufigen Hohen Haus nach Otto Pendl gesucht. Quasi in letzter Sekunde tauchte er auf.

Hektik mögen andere verbreiten, der SPÖ-Abgeordnete tut das nicht. Er ist aber zur Stelle, wenn die Partei ihn braucht. Dieser Tage tat sie das mehr denn je. Pendl sollte dafür sorgen, dass passiert, was Kanzler und Klubchef wollen: dass der U-Ausschuss abgedreht wird. Nicht nur Werner Faymann gedachte – trotz gegenteiliger Beteuerung – nicht daran, dort zur Inseraten-Affäre auszusagen, in deren Zentrum er steht. Die gesamte Causa sollte politisch nicht untersucht werden (die Justiz ermittelt ja). Pendl legte sich ins Zeug – und scheiterte. Kommenden Mittwoch ist die Affäre Thema im U-Ausschuss.

Eines hat Pendl aber erreicht: Nun kennt ihn das halbe Land. Ein Null-acht-15-Mandatar ist der 60-jährige SPÖ-Vizeklubchef nicht. Er ist ein Original. In breitem Dialekt erläutert der einstige Justizwachebeamte seine Standpunkte – nicht nur privat, auch im Parlament und im TV. "Roter Mundl" wird er geheißen; dabei stammt er aus Trumau im Bezirk Baden. Wenn Pendl im Plenum redet, hören viele zu. Der Mann hat Unterhaltungswert.

Markenzeichen seiner Ansprachen: Sie beginnen mit Dankesworten – je nach Angelegenheit an Abgeordnete, Mitarbeiter, Gott und die Welt. Das hat ihm den Spitznamen Otto Danke Pendl eingebracht. Dieser begründet die Danksagungen so: "Wir lebn’ in ana Zeit, wo ollas söbstvaständlich is. I was die Oabeit zu schätz’n. Mir foit ka Perle aus da Krone, wann i mi bedank’ ."

Pendl ist auch optisch ein Mann alter Prägung: große Brille, Krawattennadel. Politisch sei er ebenfalls Retro, meint BZÖ-Mandatar Stefan Petzner: "Er ist noch ein richtiger Sozialist, kein moderner Sozialdemokrat." Und Pendl ist ein geeichter Verhandler. Zu feilschen und zu taktieren gelernt hat er in einer Standesvertretung. Jahrelang war er – neben ÖVP-Machtmensch Fritz Neugebauer – Vize von Beamtengewerkschaftschef Siegfried Dohr.

Gewaschen

Handschlagqualität bescheinigen Pendl jene, die ihm bereits gegenübersaßen. So auch sein ÖVP-Pendant im U-Ausschuss, Werner Amon: "Was mit Otto vereinba rt ist, hält." Verbindlich sei dessen Wesen, befindet Amon: "Pendl ist aber auch mit allen Wassern gewaschen." Anders qualifiziert der Grüne Peter Pilz den Roten: "Abgeordnete wie er sind Sargnägel des Parlamentarismus. Sie pfeifen auf ihn und die Verfassung. Sie sind Parteisoldaten, die jeden Befehl blind ausführen."

Pendl weist das zurück: "So was regt mi wirkli’ auf. I leb’ die Demokratie seit Johrzehnt’n. Und I hob in da Patei imma a eigene Meinung. Für die kämpf’ i a. Wann oba was ausdiskutiert is’ und die Mehrheitsmeinung a andere is’, dann akzeptier’ i des." Er sei stets der Sache verpflichtet: "Des wiss’n olle." Das beteuert auch SPÖ-Klubobmann Josef Cap: "Otto Pendl meldet sich zu vielen wichtigen Fragen zu Wort. Was er sagt, hat Gewicht." Eigenständige Positionen habe er mitunter: "Am Ende des Tages gibt es aber Konsens."

Seit 14 Jahren sitzt Pendl bereits im Parlament; es könnten weitere werden. Nicht, weil er darauf dränge, in der Partei wolle man das. "I hob’ jo g’mant, dass Junge vor soit’n. Es hot oba g’haßn: Otto, moch des no amoi." Also werde er bei der nächsten Nationalratswahl erneut SPÖ-Spitzenkandidat im Regionalwahlkreis Niederösterreich Süd-Ost. "Es is’ scho’ schee, wann ma so was hört." Er sei ja nicht eitel: "I bin ka Mann des Rampenlichts."

Auch abseits des Parlaments ist Pendl politisch aktiv – als Bürgermeister von Trumau. Viel unter den Leuten sei er: "I bin immer bestrebt, eana zum höf’n." Selbst am 24. Dezember sei er für seine Bürger da: "Des miass’n ma de Theoretiker im Parlament wia da Püz amoi nochmoch’n."

Samariter

Williger Helfer ist Pendl nicht nur für seinen Parteichef, das ist er auch formal – als Präsident des niederösterreichischen Samariterbunds. Da bleibt wenig Zeit für die Familie. 40 Jahre ist er schon verheiratet: "Imma mit da söb’n Frau." Seinen Pfeifen ist Pendl ebenfalls treu. Auf die will er auch im Hohen Haus nicht verzichten. Auf das Rauchverbot pfeift er – in seinem Klubbüro.

Gegen das Essverbot im U-Ausschuss kommt Pendl nicht an. In früheren Ausschüssen wurden ja Wurstsemmeln serviert; damit ist Schluss. Unrund wird Pendl im jetzigen gegen Mittag – weil ihn ein kleiner Hunger plagt. Gottlob ist die Cafeteria nah. Dort gibt es nicht nur etwas zu Schmausen, sondern auch einen Raucherbereich. Dafür hat Pendl der Parlamentsdirektion wohl schon zig-Mal gedankt.

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