IKG-Präsident Deutsch erwartet von Politik und Zivilgesellschaft Aktionen, um Juden vor Attacken zu schützen: „Worte allein sind zu wenig“

© KURIER/Gerhard Deutsch

Kultusgemeinde
08/25/2014

Oskar Deutsch: "Wir spüren den Antisemitismus hautnah"

Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde: Zunahme von islamisch motivierten Vorfällen gegen Juden.

von Margaretha Kopeinig

KURIER: Herr Präsident, antisemitische Vorfälle in Österreich nehmen zu. Wie schlimm ist es?

Oskar Deutsch: Die Vorfälle mit islamischem Hintergrund steigen, insbesondere seitens der türkischen Community, es gibt eine massive politische Agitation der Türkei. Die Vorfälle von Rechtsradikalen sind gleichbleibend.

Wie manifestiert sich das?

Zuletzt gab es etliche Demonstrationen, bei denen ,Tod den Juden‘ oder ,Tod den Israelis‘ lautstark geschrien wurde. Auch Hakenkreuze waren sichtbar. Das ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.

Sind Juden hier sicher?

Sie sind noch sicher. Es ist höchste Zeit, dass Politik und Zivilgesellschaft gegen den steigenden Antisemitismus Aktionen setzen, Worte allein sind zu wenig. Diese Initiative hat nicht die Kultusgemeinde zu setzen.

Verlassen Juden Österreich?

Die Frage wird diskutiert. Ich kämpfe aber dafür, dass Juden weiterhin in Österreich leben können.

Wie bewerten Sie den interreligiösen Gipfel des Kanzlers?

Das ist sehr positiv. Ich erwarte mir ganz klare Aussagen der Religionsgemeinschaften, Antisemitismus zu bekämpfen und nicht noch Öl ins Feuer zu gießen. Die christliche Seite hat das getan. Es wird Zeit, dass die muslimische Seite aktiv wird. Umgekehrt verurteile ich ganz klar Angriffe gegen muslimische Einrichtungen oder fremdenfeindliche Sprüche. Das haben wir auch in der Vergangenheit stets getan.

Was sollen Muslime tun?

Verantwortliche diverser Vereine sollten ihren Mitgliedern sagen, dass Antisemitismus hier nichts zu suchen hat, und ihre Mitglieder sich entsprechend verhalten.

Was sagen Sie heute beim Gipfel?

Wir spüren den Antisemitismus in Europa hautnah. Vor wenigen Tagen riefen Demonstranten in Genf, ,Jede Synagoge ist eine Botschaft Israels‘. Was hat eine Synagoge mit einer Botschaft zu tun? In Schweden wurde jüngst eine Jüdin schwer verletzt, weil sie eine Kette mit dem Davidstern trug. Es kann nicht sein, dass es heute die schlimmsten antisemitischen Sprüche und Vorfälle seit der Zeit des Holocaust gibt. Wir brauchen viel mehr Aufklärung.

Am 14. September hält die deutsche Kanzlerin Merkel eine Rede gegen Antisemitismus. Erwarten Sie das auch von Faymann?

So etwas wäre sehr wichtig. Ich habe ein sehr mulmiges Gefühl wegen der vielen antisemitischen Vorfälle.

Dschihadisten gibt es auch bei uns. Bringt der Gaza-Konflikt eine Zunahme an Radikalisierung?

Der Konflikt beschleunigt Radikalismus. Es gibt viele radikal motivierte Konflikte, die mit Israel nichts zu tun haben. EU oder UNO müssen zwischen Gaza und Israel eine Pufferzone einrichten.

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