Politik | Inland
06/06/2016

Oliver Vitouch folgt auf Sonja Hammerschmid

Der Rektor der Alpe Adria Universität Klagenfurt wird neuer Präsident der Universitätenkonferenz.

Der Rektor der Universität Klagenfurt, Oliver Vitouch (45), ist am Montag zum neuen Präsidenten der Universitätenkonferenz (uniko) gewählt worden. Der aus Wien stammende Psychologie-Professor und bisherige uniko-Vizepräsident folgt auf Sonja Hammerschmid, die vor wenigen Wochen zur Bildungsministerin bestellt worden ist. Vitouchs Amtszeit läuft bis Ende 2017.

Zur neuen Vizepräsidentin wurde bei der uniko-Plenarsitzung in Klagenfurt die Rektorin der Wirtschaftsuniversität (WU), Edeltraud Hanappi-Egger, gewählt. Morgen, Dienstag, ist eine Pressekonferenz mit Vitouch und Hanappi-Egger in Wien geplant.

Wieder in die Bresche gesprungen

2012 wurde Vitouch mit seiner Bestellung in Klagenfurt zum jüngsten Universitätsrektor Österreichs. Damals war Vitouch 41 Jahre alt.

Viele Personen streben Ämter mehr oder weniger offensiv an - zu anderen kommen sie hintenherum. Der neue Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Oliver Vitouch, gehört eher zur letzteren Gruppe. Zum Rektor der Uni Klagenfurt wurde aufgrund der Abberufung von Heinrich C. Mayr, die uniko-Spitze übernahm er nun nach dem Wechsel von Sonja Hammerschmid ins Bildungsministerium.

Wie Hammerschmid gilt der dem 4. April 1971 in Wien geborene Sohn des Kommunikationswissenschafters Peter Vitouch sowie der Moderatorin und ehemaligen Wiener Gemeinderatsabgeordneten Elisabeth Vitouch als SPÖ-nah. Gleichzeitig sprach er sich wiederholt für eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung verbunden mit Zugangsbeschränkungen an den Unis aus. Nach seiner Wahl zum uniko-Vize meinte er im Dezember 2015 in Richtung SPÖ: "Ich habe den Eindruck, dass das Interesse an der Hochschulpolitik nicht so groß ist wie in Zeiten Bruno Kreiskys und man sich darauf ausruht, dass man eh den freien Hochschulzugang hat."

Von Wien nach Berlin

Nach der Matura am Akademischen Gymnasium studierte Vitouch an der Universität Wien Psychologie. Nebenbei schloss er ein bereits während der Schulzeit begonnenes Musikstudium (Klarinette, Klavier) am Konservatorium Wien ab. Nach Tätigkeiten als Assistent an der Uni Wien wechselte er kurz nach seiner Promotion (1999) von 2000 bis 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Max-Planck-Institut für Bildungsforschung nach Berlin.

2001 habilitierte sich Vitouch für das Gesamtfach Psychologie an der Uni Wien, ein Jahr später wurde er dort außerordentlicher Professor. 2003 erhielt Vitouch eine Professur für Allgemeine Psychologie an der Universität Klagenfurt.

Tauziehen

Dort übernahm er 2006 mit dem Senatsvorsitz eine Leitungsfunktion. Zeitgleich amtierte der Vater zweier Kinder von 2008 bis 2010 als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychologie. Seiner Berufung zum Rektor ging ein monatelanges Tauziehen voraus: Vorgänger Heinrich C. Mayr wurde 2012 aufgrund von Querelen wegen der Errichtung eines Freizeitzentrums für Universitätsangehörige vom Uni-Rat abberufen. Im Zuge der Neuordnung des Rektorats wurde Vitouch zunächst interimistisch zum Vizerektor für internationale Beziehungen und Lehre bestellt, kurze Zeit später wurde er nach einer Neuausschreibung der Funktion zum Rektor gewählt. In einem Interview mit der "Presse"nannte er seinen Wechsel vom Senatschef zum Rektor ein "In-die-Bresche-Springen".

Gleiches wiederholt sich nun unter erfreulicheren Umständen: Ende 2015 wurde Vitouch - mittlerweile an der Uni Klagenfurt bis 2020 wiederbestellt - zum Vizepräsidenten der uniko gewählt, am 17. Mai übernahm er nach der Bestellung Hammerschmids zur Bildungsministerin interimistisch den uniko-Chefsessel. Diesen besetzt er nun bis Ende 2017 definitiv.