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Politik | Inland
04/17/2016

OGM-Chef zur Wahl: "Der Abstand kann sehr knapp werden"

Eine Woche vor der Hofburg-Wahl gibt es drei Favoriten, aber noch keine eindeutige Nummer 1 und 2.

So spannend wie jene am kommenden Sonntag war noch keine Hofburg-Wahl. Sechs Kandidaten – Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Andreas Khol (ÖVP), Norbert Hofer (FPÖ), Alexander Van der Bellen (Grüne), Irmgard Griss und Richard Lugner – rittern darum, in die Stichwahl am 22. Mai zu kommen.

Van der Bellen, Hofer und Griss haben gute Chancen. Für die Werber der Regierungsparteien sieht es schlecht aus – danach, dass keiner die Stichwahl erreicht. Wie beurteilt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer die Lage? Dass sich bis zu einem Drittel der Stimmwilligen noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt hat, liege "am breiten Angebot. Und daran, dass sie sich ein endgültiges Bild, etwa bei den letzten TV-Auftritten der Wahlwerber, machen wollen." Dass die vielen Sendungen mehr verwirren als informieren, glaubt Bachmayer nicht: "Sie leisten Entscheidungshilfe, da kann sich noch einiges bewegen."

"Es sind noch Verschiebungen denkbar"

Wie viele Prozent sind noch auf dem Wählermarkt – wenn man davon ausgeht, dass die 20 Prozent-Hürde zum Einzug in die Stichwahl übersprungen werden muss? "Bei den drei Favoriten Van der Bellen, Norbert Hofer und Irmgard Griss sind noch Verschiebungen denkbar. Derzeit signalisieren alle Umfragen noch einen klaren Vorsprung von Van der Bellen. Es müsste viel passieren, dass er nicht in die Stichwahl kommt." Die spannende Frage sei, "wer Zweiter und Dritter ist. Da kann der Abstand sehr knapp werden".

Dass Umfragen beeinflussen können, bestreitet Bachmayer nicht: "Das hat man bei der Wien-Wahl gesehen." Nicht OGM, aber andere Meinungsforschungsinstitute hätten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Roten und Blauen vorhergesagt. "Das hat zugunsten der SPÖ gewirkt."

Und bei der jetzigen Wahl? "Wenn Hofer in den Umfragen gut liegt, kann das FPÖ-Sympathisanten, die sonst nicht wählen gehen würden, mobilisieren. Das könnte ihm nützen, weil die Wahlbeteiligung der Freiheitlichen bei Präsidentschaftswahlen traditionell gering ist."

Griss wiederum könnte Khol noch Wähler wegnehmen. "Er war in Umfragen bisher schon schwach. Turbulenzen in seiner Partei, wie die Rochade in der Regierung, könnten dazu führen, dass einige Bürger, die der ÖVP zugetan sind, ihre Stimme für Khol als verlorene werten."

"Die Persönlichkeit zählt"

Spielen bei der Wahl eher Parteiensympathien, die Persönlichkeit der Kandidaten oder das soziale Umfeld (wen wählen Familienmitglieder, Freunde ...) eine Rolle? "Parteisympathie nicht, Hundstorfer und Khol sind aher mit dem starken Handicap gestartet, Kandidaten der Regierungsparteien zu sein. Was vielmehr zählt, ist die Persönlichkeit. Da sind aber Khols Sympathiewerte eher schwach, Hundstorfer spielt sein umgängliches Wesen wenig aus", urteilt Bachmayer. Wie das Umfeld wähle, habe "nicht mehr einen so starken Effekt wie früher. Es gibt nicht wenige Familien, da verteilen sich die Stimmen auf zwei oder sogar drei Kandidaten. Wird im Hinblick auf die Stichwahl auch strategisch abgestimmt? "Taktisch denkt nur eine Minderheit, aber die kann wieder entscheidend sein, wenn es zwischen dem zweiten und dritten Platz eng wird."

Progosen wetterfest?

Wie wetterfest sind die Prognosen bei so vielen Unentschlossenen? Bachmayer: "Das ist in der Tat ein schwieriges Unterfangen: Im Gegensatz zu Hochrechnungen am Wahlabend, bei denen mit Zigtausenden bereits abgegebenen Stimmen gearbeitet wird, müssen wir vorher ergründen, ob die Leute überhaupt wählen gehen werden und wem sie ihre Stimme geben." Die Stichproben von 800 bis 1000 Befragten seien bei OGM aber groß, daher zuverlässig. Nötig seien auch viel Erfahrung und Unabhängigkeit. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass OGM kommenden Sonntag zu den Gewinnern zählt? Bachmayer ist guter Dinge: "Für die letzten Wahlen in der Steiermark, in Oberösterreich und Wien hatten wir sehr zutreffende Prognosen."