Politik | Inland
27.10.2015

ÖVP-Urgestein Karl Pisa ist tot

Der Partei-Vordenker und Buchautor Karl Pisa verstarb am Nationalfeiertag im 92. Lebensjahr.

Der frühere ÖVP-Politiker, Journalist und Buchautor Karl Pisa ist am Nationalfeiertag im 92. Lebensjahr gestorben. Pisa galt während seiner aktiven Zeit bei der Volkspartei - er gehörte von 1958 bis zu seinem Ausscheiden aus der ÖVP-Alleinregierung im Juni 1969 der Bundesparteileitung an - als intellektueller Politiker und leidenschaftlicher Journalist. Dem Journalismus blieb Pisa bis ins Alter treu.

Der gebürtige Wiener trat 1945 unmittelbar nach dem Krieg in den ÖVP-Pressedienst ein, dessen Chefredakteur er später wurde. Darüber hinaus arbeitete er im Wirtschaftsverlag mit. 1958 wurde Pisa in die Bundesparteileitung der ÖVP berufen, drei Jahre später übernahm er das Amt des Bundespressereferenten. 1967/68 leitete Pisa die ORF-Hauptabteilung für "Politik und Zeitgeschichte", ehe er zu Jahresbeginn 1968 von Bundeskanzler Josef Klaus als Staatssekretär für Information ins Kabinett geholt wurde. Sein Gastspiel in der Bundesregierung dauerte bis Juni 1969. Danach wandte sich Pisa wieder hauptsächlich seiner journalistischen Tätigkeit zu.

Pisas Ausweis im ÖVP-Pressedienst

Vordenker und Parteihistoriker

In der ÖVP trat er weiterhin als - manchmal als unbequemer - Vordenker und Analytiker auf. Etliche Buchveröffentlichungen brachten ihm den Ruf eines Parteihistorikers ein. Die Palette seiner Themen reichte von " Julius Raab - Verantwortung für Österreich" bis zu "Österreich - das Land der begrenzten Unmöglichkeiten". In "Prof. Pisas Handorakel der Politik" schrieb er 1993 zeitlos zur Lage der Politik: "Für die wachsende Zahl der Regierungspolitikverdrossenen gibt es sicher mehr als einen Grund: Die Einzelfälle von Regierungspolitikern, die sich lieber selbst bedienen als der Allgemeinheit zu dienen oder die sich nicht an die Gesetze halten, verleiten zu Pauschalurteilen. Viel häufiger sind Regierungspolitiker, die sich selbst überfordern, indem sie mehr versprechen, als sie zu halten vermögen, oder die nur das sagen, was populär ist, statt, das populär zu machen, was wichtig und notwendig ist."

Der KURIER führte noch im April ein großes Interview mit Karl Pisa.

Karl Pisa mit KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter bei der Matinee anlässlich 50 Jahre Rundfunkvolksbegehren.